Photovoltaik auf Mehrparteienhäusern gilt als komplex. Ehrenamtliche aus Herrenberg sind große Fans eines Modells, das seit 2023 deutliche Einsparungen ermöglicht.
Während sich die Dächer von Einfamilienhäusern inzwischen sichtbar mit Solarzellen gefüllt haben, ist Photovoltaik auf Mehrparteienhäusern noch eher die Ausnahme. Eine Gruppe Ehrenamtlicher aus Herrenberg möchte das aktiv ändern und erklärt Eigentümergemeinschaft neuerdings kostenlos, welches Modell aus ihrer Sicht unschlagbar ist.
Welches Modell schlagen die Herrenberger vor?
Wie beispielsweise auch der Solarförderverein (SFV) sind die Herrenberger Fans des Einzählermodells. Dafür brauche es für die Organisation und Abrechnung keine externen Dienstleister, „die allen möglichen Käse anbieten“, wie Klaus Weingärtner es nennt. Mit einem Dienstleister schrumpfe die Rendite schnell zusammen. Anderes gelte fürs Einzählermodell. „Niemand verdient außer der Eigentümergemeinschaft“, sagt Weingärtner. Allerdings hätten sie festgestellt: „Hilfreiche Informationen zum Einzählermodell sind sehr, sehr mager“, so Rivoir. Diese Lücke wollen sie schließen.
Aus der eigenen Erfahrung heraus möchte Jochen Rivoir Mitbürger ehrenamtlich beraten. 2022 sei das 59-Parteien-Haus in Herrenberg, in dem er selbst wohnt, mit Photovoltaik bestückt worden. Die Leistung: 95 Kilowattpeak. Rivoir gehört wie auch Klaus Weingärtner einer neuen Gruppe an, die sich aus der Bürgersolarberatung in Herrenberg herausgebildet hat; sie kümmert sich um Photovoltaik auf Mehrfamilienhäusern.
Wie funktioniert das Einzählermodell?
Das Einzählermodell ist seit 2023 möglich; seit dem 1. Januar 2025 sei PV-Strom bis 30 Kilowattpeak je Wohneinheit von der Ertragssteuer befreit, auch die Gewerbepflicht entfalle damit, so Rivoir. Das Grundprinzip ist, dass die Parteien einen gemeinsamen Stromzähler und Stromvertrag haben, sie treten nach außen hin also auf wie ein Einfamilienhaus – das spart die Grundgebühren für jede einzelne Wohneinheit. Laut der Herrenberger Initiative liege die Ersparnis bei bis zu 25 Prozent der Stromkosten. Schon ohne gemeinsame PV-Anlage rechne sich das.
Komme nun noch eine Solaranlage auf dem Gemeinschaftsdach hinzu, bringe das weitere finanzielle Vorteile. Denn der Großteil des Sonnenstroms werde direkt im Gebäude verbraucht und gehe nicht ins Netz. Einerseits für den Allgemeinstrom, aber auch in den Wohnungen. Irgendjemand sei eigentlich immer daheim. Im Falle von Rivoirs Mehrparteienhaus lag der Eigenverbrauch 2024 bei 61 Prozent.
Theoretisch ist es möglich, dass ein Mieter oder Eigentümer zu einem späteren Zeitpunkt seinen eigenen Stromanbieter wählen will – was gesetzlich so auch geregelt ist. Praktisch, so schätzen Rivoir und Weingärtner, dass dies die absolute Ausnahme bleibt, weil die finanziellen Vorteile, sich zu beteiligen, überwiegen.
Die Abrechnung untereinander sei recht einfach, sagt Rivoir. Der Stromverbrauch in den Wohnungen sowie der Allgemeinstrom werden anhand der Wohnungszähler nach Verbrauch abgerechnet. „So wie bei Warm- und Kaltwasser.“ Wer wie viel Solarstrom verbrauche, spiele keine Rolle. „So spart man sich doppelte Stromzähler, und die Abrechnung ist denkbar einfach.“ Die Initiative hat dazu ein Abrechnungsbeispiel erstellt. Sie kann, muss aber nicht zwingend von der Verwaltung gemacht werden.
Welches Vorgehen raten sie Eigentümern?
Um eine Solaranlage auf einem Mehrfamilienhaus zu installieren, braucht es inzwischen nur noch eine einfache Mehrheit in der Eigentümerversammlung. Allerdings raten die Herrenberger, die psychologischen Aspekte nicht außer Acht zu lassen. „Insbesondere die Stänkerer müssen dabei sein“, sagt Rivoir. Und man könne es laut Weingärtner ja auch positiv drehen, indem man sage: „Wir laden euch ein, Geld zu sparen.“
Wo finden sich weitere Informationen?
Seit einem starken Monat ist die Website der Herrenberger Initiative online: www.pv4wegs.de. Dort finden sich Infos zum Einzählermodell. Zudem laden sie regelmäßig zu Vorträgen, bei denen sie das Modell erläutern und man Fragen stellen kann. Der nächste Termin ist am Donnerstag, 26. Februar, 19 Uhr im Gemeindezentrum Sankt Martin, Berliner Straße 7. Eine Anmeldung ist nicht nötig.
Wer noch tiefer in die Materie einsteigen will, für den haben sie Workshops konzipiert, die nächste Veranstaltung ist am Freitag, 16. März, 16 bis 20 Uhr. Anmeldung unter mfh@buergersolar-herrenberg.de. Am besten sei es ihrer Erfahrung nach, wenn sich in der Eigentümergemeinschaft ein kleines Team bilde, welches das Projekt begleite und vorantreibe.