Ninja Bayers Ziel ist es, für jede Frau endlich den passenden BH zu finden. In ihrem Laden „Wohlfühlbereich“ in Schwieberdingen gibt es passgenaue Unterwäsche – von 60er-Umfängen bis hin zum N-Cup.
Es ist 125 Jahre her, dass der Büstenhalter erfunden wurde – eine tolle Sache. Nur: irgendwas am BH zwickt oder zuppelt doch immer. Mal drückt’s, mal rutscht’s. Frau kennt das.
Ninja Bayer hat sich also ein großes Ziel gesetzt. Sie will für jede Frau den passenden BH finden. In ihrem Laden in Schwieberdingen verkauft sie Unterwäsche, die – so ihr Credo – passt. Bei den BHs sind das Größen von 60er-Umfängen bis hin zum N-Cup.
Der Umkleidebereich ist „das Wohnzimmer“
75 B? Ninja Bayer lacht. „Angeblich trägt jede fünfte Frau 75 B. Ich hatte in zehn Jahren noch keine Frau bei mir, die wirklich 75 B hatte.“ Deshalb wird im „Wohlfühlbereich“ – so heißt ihr Laden – immer erst einmal gemessen. Und zwar „in unserem Wohnzimmer“, wie Ninja Bayer und ihre Kollegin Melanie Scharf den großen Umkleidebereich nennen.
Gemütlich hier. Roter Samtvorhang, orientalischer Teppich, zwei Sessel, Tischchen mit Gläsern und Sprudel, mehrere Spiegel und Kleiderbügel mit Bademänteln. Eine gute Atmosphäre, um die Hüllen fallen zu lassen und allerlei anzuprobieren. Ninja Bayer legt das Maßband zur Seite, greift in eine der großen Schubladen und kommt mit einem BH zurück.
Das vermeintliche 75 B entpuppt sich in diesem Fall als reales 65 G. Der BH passt. Alles fühlt sich ungewohnt gut eingepackt an. Nichts rutscht, nichts drückt, nichts zwickt. Frau bewegt sich überrascht hin und her, aber das Ding sitzt.
Ninja Bayer hatte diesen Aha-Moment vor 13 Jahren in den USA. Damals wurde bei ihr als Kundin die richtige BH-Größe ermittelt. „So etwas sollte es hier auch geben“, war ihr Gedanke. 2014 kam dann die Chance. Eine dänische Firma suchte Leute, die ihre Unterwäsche an die Frau bringt. Die heute 37-Jährige hat sich einlernen lassen und reiste fortan mit einem Maßband und zwei Unterbettkommoden von Ikea – voll mit BHs und Schlüpfern – mit ihrem Auto von Kundin zu Kundin.
Als 2018 ihre Tochter zur Welt kam, verlegte Ninja Bayer ihr Geschäft zu sich nach Hause in Markgröningen. Das Esszimmer wurde zum Messzimmer. Vor eineinhalb Jahren folgte dann der Umzug in den eigenen Laden nach Schwieberdingen an den Schulberg in der Ortsmitte.
Vom einfachen weißen Sport-BH bis zum heißen roten Spitzenteil
Dort wird nun ebenfalls gemessen und anprobiert. Büstenhalter und Höschen gibt es in allen erdenklichen Formen, Materialien und Farben, vom einfachen weißen Sport-BH bis zum heißen roten Spitzenteil. Das Erstaunlichste für die Kundinnen sind die vielen verschiedenen Größen, die es im „normalen“ Handel so nicht gibt.
Das Problem bei den meisten BHs sei, dass der Umfang die Cup-Größe mitbestimmt. „Und irgendwo zwischen 70 und 120, zwischen A und E, muss sich jede Frau finden“, sagt Ninja Bayer. „Dabei hat jede Frau einen anderen Körperbau und eine andere Brust.“ Sie will das alles nicht als Kritik an ihren Kollegen verstanden wissen. „Sie versuchen, das Beste aus den falschen Größen für die Kundin zu machen. Sie haben einfach keine andere Möglichkeit.“ Deshalb nähere man sich eben so gut wie möglich mit den vorhandenen Größen an.
Das läuft bei Ninja Bayer anders. Sie vergleicht den BH mit einem Wanderschuh. Er soll Halt und Form geben. Er soll stabilisieren, muss körpernah sitzen und darf nicht drücken. „Aus der BH-Geschichte kann man eine Wissenschaft machen“, sagt die 37-Jährige lachend.
Genau das – das Lachen und der Spaß – dürfen nicht zu kurz kommen unter den Busenfreundinnen. Im „Wohlfühlbereich“ ist das das geflügelte Wort. Busenfreundinnen, Brüste, Frauenkörper . . . „lasst uns die Thematik mal locker machen“, sagt Ninja Bayer. So genannte Idealmaße haben gerade mal zwei Prozent aller Frauen. Insofern seien wohl eher die 98 Prozent der anderen „normal“. Die Frau muss es wissen: Sie packt jede Woche mehrere fremde Brüste ein. „Passende Wäsche macht was aus“, sagt sie. „Jede Frau soll sich wohl, schön und toll finden.“
BHs und Bademode für Frauen mit Brustprothese
Brustkrebs
ist mit 30 Prozent aller Krebsfälle die häufigste Krebserkrankung bei Frauen in Deutschland. Frauen, die eine oder beide Brüste verloren haben, werden im „Wohlfühlbereich“ in Schwieberdingen ebenfalls fündig. Inhaberin Ninja Bayer arbeitet mit einem Schneider zusammen, der Taschen für die Prothesen in die BHs nähen kann. „Das ist ein Herzensthema“, sagt Ninja Bayer. Denn das Problem sei, dass die betroffenen Frauen im Sanitätshaus zwar Wäsche finden, „aber nicht in schön“.
La Mesma
ist ein Label, das funktionale und modische Bademode für Frauen entwirft, die eine oder beide Brüste verloren haben. Dahinter steht Esther Hirsch, die selbst einen Großteil ihrer linken Brust durch Krebs verloren hat. Sie hat La Mesma 2021 in Deutschland gegründet. Schwieberdingen gibt es das Lable seit Dezember. Jeweils im Oktober nimmt der „Wohlfühlbereich“ am Breastcancerawarenessmonth teil.