Sindelfingen strebt eine Partnerschaft mit der türkischen Stadt Menteşe an. Erste Schritte wurden jetzt mit der Unterzeichnung einer Absichtserklärung unternommen.
Sindelfingen und die türkische Stadt Menteşe wollen künftig enger zusammenarbeiten. Am Donnerstag unterzeichneten Sindelfingens scheidender Oberbürgermeister Bernd Vöhringer (CDU) und seine türkische Amtskollegin Gonca Köksal Aras ein sogenanntes „Memorandum of Understanding“. Die Absichtserklärung legt laut einer Pressemitteilung der Stadt Sindelfingen den Grundstein für Kooperationen in den Bereichen Kultur, Bildung, Tourismus und Sport.
Der Unterzeichnung vorausgegangen war ein Besuch einer elfköpfigen Sindelfinger Delegation in der Region Muğla, zu der Menteşe gehört. Dort traf Vöhringer unter anderem auch den Bürgermeister der Regionalverwaltung Muğla, Ahmet Aras. Bei einem gemeinsamen Bootsausflug lernten sich die Vertreter persönlich kennen und kamen sich schnell freundschaftlich näher. Aras und Köksal Aras gehören der oppositionellen CHP an, die bei den türkischen Kommunalwahlen im März deutliche Zugewinne verbuchte und sich für einen stärkeren Austausch mit Europa ausspricht.
Menteşe hat mit stark schwankenden Touristenzahlen zu kämpfen
Die Initiative zur Kontaktaufnahme ging unter anderem auf Vöhringers Engagement im Europarat der Kommunen zurück, wo er als Präsident der Städtekammer tätig ist. Neben der politischen Ebene bot der Besuch auch Einblicke in die kulturelle und historische Vielfalt der Region Muğla. Die Delegation besichtigte lokale Handwerksbetriebe, traditionelle Basare und antike Stätten, die die lange Geschichte der Region widerspiegeln.
Bürgermeisterin Köksal Aras betonte, wie wichtig es sei, Kultur und Traditionen in Menteşe trotz des intensiven und saisonal stark schwankenden Tourismus zu bewahren. Besonders im Sommer steige die Zahl der Touristen auf ein Vielfaches der Einwohnerzahl an. Dieser kulturelle Erhalt solle ein zentraler Teil der Zusammenarbeit werden, um den interkulturellen Austausch zwischen Sindelfingen und Menteşe zu fördern.
Gleichzeitig steht die türkische Stadt vor praktischen Herausforderungen wie Waldbränden und der Integration von Geflüchteten. Diese Themen sollen bei einer möglichen Partnerschaft mitgedacht werden.
Partnerschaft noch offen – Entscheidung fällt wohl unter Kleemann
Konkrete Details dazu, wie die Zusammenarbeit bei diesen Herausforderungen aussehen könnte, wurden bislang nicht genannt. Es ist davon auszugehen, dass die Absichtserklärung Raum für erste Projektideen schaffen soll, die sich in Zukunft weiterentwickeln könnten. Aber ob aus der Absichtserklärung tatsächlich eine feste Städtepartnerschaft wird, das entscheidet schlussendlich der Gemeinderat – und Markus Kleemann, der das Amt des Oberbürgermeisters zum 1. August übernimmt. Bis dahin dürfte es zeitlich eng werden, um die Partnerschaft noch unter Vöhringers Leitung offiziell zu machen.
Im Sindelfinger Gemeinderat stößt die Idee auf weitgehend positive Resonanz, auch wenn einzelne Räte den Aufwand und die Reisedistanzen kritisch hinterfragen – dauert die Anreise nach Menteşe über Istanbul und den Flughafen Bodrum-Milas schließlich einen ganz Tag. Andreas Beyer (FDP) gab zu bedenken: „Man muss schon darauf achten, dass Aufwand und Ertrag bei so einer Partnerschaft in einem sinnvollen Verhältnis zueinander stehen.“ Immerhin leiste sich Sindelfingen bereits ein üppiges Europabüro; jede Reise koste Geld. Der Wunsch nach einer Städtepartnerschaft mit einer türkischen Kommune besteht jedoch bereits seit Längerem im Rat – vor allem mit Blick auf die vielen Bürgerinnen und Bürger in Sindelfingen, die Wurzeln in der Türkei haben.
Menteşe im Überblick
Stadtprofil
Menteşe liegt im Südwesten der Türkei, an der Grenze zwischen Ägäis und Mittelmeer, und hat etwa 125 000 Einwohner. Die Stadt ist Verwaltungssitz und sozio-kulturelles Zentrum der Provinz Muğla, die für ihre touristisch bedeutende Küstenregion bekannt ist. Seit 2024 wird Menteşe von Gonca Köksal Aras geleitet, der ersten weiblichen Bürgermeisterin der Stadt und studierten Stadtplanerin. Menteşe engagiert sich in Projekten zu Klima, Gesundheit und Stadtentwicklung, etwa bei CO2-Reduktion und Jugendförderung. In Sindelfingen leben rund 5 100 Menschen mit türkischer Staatsangehörigkeit erster oder zweiter Generation.