Trotz massiver Kritik von Einzelhändlern will die Stadt Schorndorf die Parkgebühren drastisch erhöhen. Für einen dreistündigen Einkaufsbummel wären 7,50 Euro fällig.
Kurz mal zum Bäcker, in der Buchhandlung schnell einen Geschenkgutschein besorgen, in der Apotheke ein Rezept einlösen und im Rathaus einen Flyer für die Erlebnisführungen abgreifen – die „Brötchentaste“ für Kurzparker galt bisher auch in Schorndorf als Erfolgsmodell. Die Möglichkeit, sein Auto für kurze Besorgungen immerhin 30 Minuten lang kostenlos abzustellen, wurde von Stadtpolitik und Einzelhandel als kundenfreundliche Serviceleistung gerühmt.
Dem Einkauf in der Innenstadt sollte der Gratistarif für Kurzparker auch mit Blick auf die immer stärker spürbare Konkurrenz durch den Online-Handel ein Stück fast verlorene Attraktivität zurückgeben. Doch jetzt scheinen die Tage der sogenannten Brötchentaste gezählt. In seiner Sitzung an diesem Donnerstag, 7. Mai, soll der Schorndorfer Gemeinderat über eine deutliche Erhöhung der Parkgebühren entscheiden – und mit dem Preisaufschlag auch gleich das kostenlose Kurzpark-Ticket abschaffen.
Ein ausgedehnter Einkaufsbummel geht künftig richtig ins Geld
Geplant ist, auf allen öffentlichen Parkplätzen in der Innenstadt künftig 50 Cent für die erste halbe Stunde zu verlangen – was für die beliebte Brötchentaste das Ende bedeutet. Richtig ins Geld geht es, sich in Schorndorf für einen ausgedehnten Einkaufsbummel zu entscheiden. Für eine Stunde sollen Autofahrer künftig 1,50 Euro bezahlen, zwei Stunden schlagen schon mit 4,50 Euro zu Buche.
Fast schon Großstadtverhältnisse erreicht der Innenstadt-Tarif bei drei Stunden Parkdauer: Satte 7,50 Euro will die Stadt fürs Abstellen des fahrbaren Untersatzes haben – ein Preis, bei dem sich der Normalkunde vor der schmucken Fachwerkkulisse des Marktplatzes wohl keinen Eisbecher mehr im Straßencafé gönnt. Und: Auch das Parken in der Peripherie wird teurer. In der Heinkelstraße, beliebter Abstellplatz für S-Bahn-Pendler und in Schorndorf selbst beschäftigte Berufstätige, werden künftig zwei Euro für drei Stunden, vier Euro für sechs Stunden, acht Euro für zwölf Stunden und 25 Euro für zwei Wochen fällig. Das entspricht einer Verdopplung der bisherigen Tarife.
Nicht betroffen von der Erhöhung der Parkgebühren sind öffentliche und private Parkhäuser – was den Wunsch nach einer besseren Auslastung und der Reduzierung des durch die Stadt kurvenden Suchverkehrs belegen mag. Ansonsten geht es Schorndorf schlichtweg ums Geld: Wegen der schwierigen Haushaltslage werden im Rathaus durch den Aufschlag bei den Parktickets immerhin sechsstellige Mehreinnahmen erhofft. 320.000 Euro mehr als bisher soll die Gebührenerhöhung in die Stadtkasse spülen.
Allerdings: Bereits im Vorfeld der Entscheidung gibt es heftigen Gegenwind. Vor allem die im BDS Centro zusammengeschlossenen Innenstadt-Unternehmen befürchten, dass durch die teuren Parktickets künftig die Kundschaft fernbleibt – und wehren sich deshalb gegen die neue Tarifordnung. „Auf die Attraktivität der Innenstadt und die wirtschaftliche Situation des Einzelhandels drohen erhebliche negative Auswirkungen“, heißt es in einer aktuellen Stellungnahme. „Die Brötchentaste ermöglicht kurze Wege und schnelle Erledigungen. Ihr Wegfall wird von vielen Bürgerinnen und Bürgern als unfreundlich und abschreckend wahrgenommen“, schreiben Andreas Erdmann, Roland Veil und Ulrich Fink im Namen der Einzelhandelsbetriebe.
Der BDS Centro fordert wenigstens eine kostenfreie Viertelstunde
Gefordert wird zumindest der Erhalt einer kostenlosen Kurzparkzeit von 15 Minuten. Schließlich sei die Brötchentaste im Jahr 2018 bewusst eingeführt worden, um kurze Erledigungen in der Innenstadt unkompliziert zu ermöglichen und den stationären Einzelhandel zu stärken. „Damals wurde ausdrücklich darauf hingewiesen, dass kurze kostenfreie Parkzeiten eine wichtige Unterstützung für den lokalen Handel darstellen“, heißt es bei BDS Centro.
Die Erwartung der Einzelhändler: Sinkt durch die erhöhten Parkgebühren die Kundenfrequenz, werden noch mehr auf der Kippe stehende Geschäfte in der Innenstadt schließen. So gesehen werde die Hoffnung auf kurzfristige Mehreinnahmen beim Parken verpuffen – weil künftig in einer weniger attraktiven Altstadt auch weniger Geschäfte als Steuerzahler übrig bleiben.