In Stuttgart sollen öffentliche und private Parkflächen nach Feierabend von Anwohnern kostenlos genutzt werden können. Als Vorbild dient Düsseldorf, wo das Konzept bereits läuft.
Parken entwickelt sich in Stuttgart immer mehr zu einem dauerhaften Streitthema. Nachdem die Diskussionen für die beschlossene Verteuerung des Anwohnerparkens weiter laufen, wagt das bürgerliche Lager einen neuen Vorstoß. CDU, Freie Wähler und FDP wollen das Düsseldorfer Modell des kostenlosen Feierabend-Parkens auf privaten und öffentlichen Flächen in Stuttgart einführen.
Beratung noch vor der Sommerpause
Wie kann man die vorhandenen Parkplätze noch besser nutzen? Und wie zusätzliche Stellflächen schaffen, ohne weitere Bereiche zu versiegeln? Fragen, an denen sich die selbst ernannten Experten angesichts der topografischen Lage im Talkessel die Zähne ausbeißen. Einen möglichen Ansatz verfolgt seit wenigen Jahren das Start-Up Nexobility. Beim vom jungen Unternehmen mit Sitz in Stuttgart-Luginsland entwickelten Parkraumüberwachungssystem namens Better Park werden die Autokennzeichen mittels Kamera beim Ein- und Ausfahren automatisch erfasst. So können Parkzeitüberschreitungen erfasst werden. Der Hintergedanke dabei ist, dass bereits versiegelte Flächen wie Parkplätze an Supermärkten mit dem System besser genutzt werden sollen, indem sie auch nachts an Anwohner vermietet werden können.
Das Problem aus Sicht der Parteien: Die Autofahrer müssten dabei für den Stellplatz bezahlen. Die Gemeinderatsfraktionen verfolgen daher eine andere Strategie. Sie fordern in einem Antrag die Stadtverwaltung auf, noch vor der Sommerpause im zuständigen Ausschuss für Stadtentwicklung und Technik zu berichten, wie hoch der Bedarf an Quartiersgaragen in Stuttgart ist, aber vor allem wie das sogenannte Feierabend-Parken eingeführt werden kann. Als Vorbild dient die Stadt Düsseldorf, die das bis dahin einmalige Konzept bereits 2024 eingeführt hat.
Parkmöglichkeiten schaffen, statt den Parkdruck zu erhöhen
Ziel sei es, „dass Parkflächen von verschiedensten Eigentümern in privater und öffentlicher Hand, die abends und nachts bisher überwiegend ungenutzt waren, Anwohnern und anderen Anliegern zum Parken nach Feierabend bis zum nächsten Morgen zur Verfügung gestellt werden“. Aus Sicht des bürgerlichen Lagers ein innovativer Ansatz, um Wohngebiete zu entlasten und neue Parkplätze ressourcenschonend zu entwickeln. Daher werde das Konzept in Düsseldorf als Erfolg gewertet und inzwischen nicht nur dauerhaft umgesetzt, sondern auch kontinuierlich um neue Standorte erweitert.
Für CDU, Freie Wähler und FDP sei es in Stuttgart „leider häufig gängige Praxis, dass Gemeinderat und Stadtverwaltung vorschlagen, Parkplätze massiv abzubauen oder mit hohen Gebühren zu belasten“. Und das, obwohl Erhebungen, nicht zuletzt auch nach der Einführung des Parkraummanagements zeigen würden, dass solche Maßnahmen die Situation vor Ort nicht entschärfen, sondern sogar noch zu mehr Parkdruck in Wohngebieten führen.