Raus aus dem Palast und schlichte Straßenschuhe: Leo XIV. wird Prinzipien von Franziskus treu bleiben – auch, was Frauen in der katholischen Kirche angeht. An US-Präsident Trump hat er eine klare Botschaft, meint Korrespondentin Almut Siefert.
Nach dem ersten Jubel über den neuen Papst, der am Donnerstagabend über den Petersplatz brandete, machten sich über vielen Köpfen die Fragezeichen breit. Wer ist der Mann, den die Kardinäle in der Sixtinischen Kapelle zum 267. Papst und damit zum Nachfolger von Franziskus gewählt haben?
Ein paar Fakten: Robert Francis Prevost ist der erste US-Amerikaner, der zum Oberhaupt der katholischen Kirche gewählt wurde – und der erste aus dem Orden der Augustiner. Die lange Zeit, die er als Missionar und später als Bischof in Peru verbracht hat, machen ihn zu einem „Papst der Amerikas“ – Prevost hat neben der amerikanischen auch die peruanische Staatsbürgerschaft.
Robert Francis Prevost ist ein Kompromiss
Dass die Wahl auf Prevost fiel, ist der Kompromiss eines Konklaves, das in Bezug auf die Herkunft der Kardinäle so divers war wie nie. Geboren wurde er am 14. September 1955 in Chicago (Illinois). Sein Vater hat französische und italienische Wurzeln, die Mutter spanische. Seine erste Ansprache als Papst hielt Prevost am Donnerstagabend auf Italienisch – und wechselte zum Gruß des peruanischen Volkes teilweise ins Spanische. Nicht aber ins Englische.
Eine erste Botschaft an den US-Präsidenten Donald Trump, dass er sich mit Leo XIV. nicht wird schmücken können. Denn auch inhaltlich machte der neue Papst mehr als deutlich, was von ihm zu erwarten ist. „Der Friede sei mit euch allen“, lauteten seine ersten Worte an die Welt. „Helft uns, durch Dialog und Begegnung Brücken zu bauen, die uns alle zu einem einzigen Volk vereinen, das immer in Frieden lebt.“
Spätestens mit seinem „Danke, Papst Franziskus!“ war klar: Das Pontifikat von Leo XIV. wird keine Abkehr von Prinzipien seines Vorgängers. Auch der neue Papst wird nicht zurück in Zeiten von Prunk und Protz verfallen. Seine Bescheidenheit demonstrierte Leo XIV. bei der ersten Messe, die er als Papst hielt: Am Freitagvormittag trug er einfache schwarze Schuhe.
Als Kardinal hatte Prevost einmal gesagt, ein Bischof sei „zum Dienen“ berufen und solle „kein kleiner Prinz sein, der in seinem Reich sitzt“. Bereits die Wahl des Namens Leo XIV. zeigt, wo der Fokus liegen wird. Papst Leo XIII. (1878 bis 1903) gilt als politischer Papst. Mit Rerum Novarum verfasste er die erste Sozialenzyklika der katholischen Kirche. Seine Anteilnahme an sozialen Themen brachte ihm die Bezeichnung „Arbeiterpapst“ ein. Leo XIV. dürfte also das Leben von Männern und Frauen und ihre Arbeit in den Blick nehmen – statt im Zeitalter der Industrialisierung in jenem der Künstlichen Intelligenz.
Der neue Papst ist kein Abklatsch von Franziskus
Doch ein Abklatsch von Franziskus ist Leo nicht. Der Mensch Robert Francis Prevost gilt als besonnen, bedacht und wenig impulsiv. In der Messe am Freitag wurde deutlich, was sich ändern wird: Die Sprache, die er nutzt, ist weniger einfach als die seines Vorgängers. Und: Er denkt nach, bevor er spricht. Vor starken Meinungen schreckt aber auch der neue Papst nicht zurück.
So hat er bereits in der ersten Amtszeit Trumps dessen Umgang mit Migranten kritisiert. Und im Februar dieses Jahres postete Prevost auf X: „JD Vance liegt falsch: Jesus fordert uns nicht auf, unsere Liebe zu anderen in eine Rangliste zu stellen.“ Der US-Vizepräsident Vance ist der Meinung, Christen müssten zunächst an die eigenen Leute und erst am Schluss an Fremde denken.
Klar ist auch: Unter Leo XIV. wird die Synodalität in der katholischen Kirche fortgeführt. Die Hoffnungen auf ein Diakonat für Frauen dürfte allerdings weiter enttäuscht werden. Wie Franziskus gilt zwar auch Prevost als Förderer von Frauen in verantwortlichen Kirchenämtern – einer Weihe steht er aber kritisch gegenüber. Wir sprechen eben immer noch von einem Papst.