Gute Stimmung beim Konzert, Frust nach dem Ende Foto: /Max Kovalenko

Das Konzert von AC/DC auf dem Canstatter Wasen in Stuttgart hat für einige Fans ein schmerzhaftes Ende genommen. Viele beschweren sich über Chaos an den Ausgängen – und nicht nur darüber. So äußern sich Veranstalter und Stadt Stuttgart.

Gedränge, Panik, Verletzte: Was aus manchen nach Ende des AC/DC-Konzerts mit rund 90 000 Fans heraussprudelt, zeigt den Frust und die Panik der Konzertbesucher. „Um mich rum wurde es so eng, dass selbst ich als großer Mann Angst bekam“, sagt ein 67-jähriger Stuttgarter. Viel zu wenig Ausgänge seien geöffnet gewesen, fügt er hinzu. Das kritisiert auch eine 51-Jährige aus dem Kreis Göppingen: „Es ging nur in einer Richtung vom Platz. Daher dachten wir, sie machen die Notausgänge auf.“ Das stand zunächst auch auf Anzeigetafeln: Man solle den Platz über diese verlassen.

 

Notausgänge waren geschlossen

„Es hat wohl jemand schlicht und ergreifend den falschen Schalter umgelegt“, sagt Arnulf Woock, der Sprecher der Konzertveranstalter SKS Russ und Music Circus. Gleich nach dem Ende des Konzerts habe auf den Anzeigen tatsächlich gestanden, man solle Notausgänge benutzen. Diese waren aber nicht geöffnet. Die Aufforderung, die Notausgänge zu nehmen, wurde fälschlicherweise geschaltet. „Die Leute gingen dann in diese Richtung, aber es war nichts offen. Manche fingen an, über den Zaun zu klettern“, sagt der Sprecher der Stadt, Sven Matis. Dabei hätten sich 17 Personen leichte Verletzungen zugezogen, Platz- und Schürfwunden. Man habe die Anzeige dann ausgeschaltet und durchgesagt, die Besucher sollten die regulären Ausgänge nutzen.

Dadurch sei es chaotisch geworden, Menschen bekamen Panik. „Es ist aber noch glimpflich ausgegangen“, sagt Matis. Ein zusätzlicher Ausgang – etwa da, wo beim Volksfest die Fruchtsäule steht – sei geöffnet worden. Die Notausgänge habe man nicht geöffnet, weil man dazu keinen Anlass gesehen habe – und weil der Weg über die Stadtbahngleise führt. Die wären dann blockiert gewesen.

Der Fehler mit der Anzeige der Notausgänge ist nicht das Einzige, was kritisiert wird. „Wir haben Ordner gefragt, wo denn jetzt der reguläre Ausgang sei“, sagt der 67-Jährige. Doch die hätten nur mit den Schultern gezuckt. Die Stimme aus dem Lautsprecher, die auf die Ausgänge hinwies, habe „schon beinahe verzweifelt“ geklungen. In seiner näheren Umgebung seien zwei Menschen umgekippt.

„Wir entschuldigen uns für die Panne. Das tut uns wirklich leid“, sagt Woock im Namen des Konzertveranstalters. Man habe alle Ausgänge offen gehabt, die zur Verfügung standen. Zur Seite und zum Neckar hin, so, wie es manche forderten, sei dies aus Sicherheitsgründen nicht machbar.

Ob man nun erörtern müsse, ob solch ein großes Konzert überhaupt hätte stattfinden dürfen, verneint der Veranstalter. „Es war alles genehmigt. Es gab ein Sicherheitskonzept, das abgestimmt wurde mit der Stadt. Das geht schon. Es dauert eben, bis so viele vom Platz sind. Eine Stunde war es am Mittwoch.“ In dieser Zeit habe die Stadtbahn schon 30 000 Besucherinnen und Besucher transportiert. Es gibt aber auch andere Stimmen. Eine 42 Jahre alte Frau aus dem Kreis Ludwigsburg kritisiert das Verhalten mancher Mitmenschen: „Ich sehe doch, dass ich in einer riesigen Menge bin. Da muss man halt mal langsam tun. Aber alle denken, sie müssen als Erste beim Parkplatz sein – und drücken und schubsen.“ Das müsse nicht sein. Sie habe sich dann an den Rand gestellt und gewartet, bis es ruhiger wurde. „Das Gedränge war mir einfach zu viel“, sagt die Frau. „Aber da sind eben auch die Leute auf dem Platz mit dran schuld.“