Daniela Maier (vorne) will in Livigno um eine Medaille im Skicross kämpfen. Foto: IMAGO/GEPA pictures

Vor vier Jahren folgte für die Skicrosserin auf ihre Bronzemedaille ein juristisches Hickhack. Nun tritt die 29-jährige Uracherin wieder bei Olympia an – und wirkt extrem gefestigt.

Die Olympischen Spiele von Mailand und Cortina d’Ampezzo biegen so langsam auf die Zielgerade ein. Einige Sportlerinnen und Sportler sind längst abgereist. Andere betätigen sich noch als Olympia-Touristen – aber: Es gibt auch Athletinnen und Athleten, für die es jetzt erst so richtig ernst wird. Dazu gehört: das deutsche Skicross-Team. Das durchaus hoffnungsfroh nach Livigno gereist ist.

 

Denn: Die Vorleistungen machen richtig Lust. Bei den Männern gab es kürzlich gar einen deutschen Dreifach-Sieg im Weltcup. Und bei den Frauen scheint eine in den positiven Flow geraten zu sein, die schon einmal eine besondere olympische Geschichte geschrieben hat. „Natürlich“, sagt Daniela Maier, „werde ich derzeit viel auf die Geschehnisse bei den Spielen in Peking angesprochen.“ Weil sie ja auch alles andere als alltäglich waren.

Im Finale war Daniela Maier als Vierte ins Ziel gefahren. Danach aber griff die Jury ein – und wertete ein Manöver von Fanny Smith als unzulässige Behinderung. Die Folge: Die Schweizerin verlor Bronze, die Medaille ging an die heute 29-Jährige vom SC Urach. Dachte sie zumindest. Es entstand ein juristisches Hin und Her, an dessen Ende die Entscheidung stand, dass beide Skicrosserinnen Bronze erhalten – am 12. Dezember 2022. Die Spiele von Peking waren da schon zehn Monate vorüber.

„Es war ein absolutes Gefühlschaos“, erinnert sich Maier an die schwierigen Monate, „ich habe damals ja fast nicht mehr gewusst, wer ich bin, was ich bin und was ich eigentlich mache.“ Danach habe sie aber „viele Schlüsse gezogen, gerade, was das Mentale angeht“ – und hat einen Weg gefunden, positiv auf das Geschehene zu blicken: „Heute bin ich einfach stolz auf den Erfolg und freue mich, die Medaille in den Händen zu halten.“ Dieses Gefühl würde sie gerne noch einmal haben.

Daniela Maier (li.) und Fanny Smith Foto: IMAGO/GEPA pictures

Wenn es an diesem Freitag um die Medaillen geht, ist Daniela Maier tatsächlich eine der Favoritinnen. Nicht allein wegen Bronze von vor vier Jahren. Sondern vor allem wegen alldem, was seitdem passiert ist.

Im Laufe der vergangenen Jahre, erzählt die Schwarzwälderin, „habe ich viel in verschiedenen Bereichen gearbeitet“. Unter anderem: „An den körperlichen Voraussetzungen“. Doch auch die Skitechnik und der mentale Bereich wurden entwickelt. „Durch all die Erfahrungen, die ich schon machen durfte, habe ich gelernt, in gewissen Situationen cool zu bleiben.“ Und das zahlt sich aus.

Zwei Siege kurz vor den Winterspielen

In der vergangenen Saison holte Daniela Maier Platz zwei im Gesamtweltcup – eine beachtliche Leistung, deren Wert Maier erst später so richtig bewusst wurde. „Ich musste das erst einmal reflektieren“, erinnert sie sich, „anfangs war ich gar nicht so sehr zufrieden, weil ich im Laufe der Saison viele Auf und Abs hatte.“ Am Ende sei sie aber „unglaublich erleichtert“ gewesen. Eben weil sie die Saison habe gesund durchfahren können. Das gab Schwung, Sicherheit und ein höheres Einstiegslevel in den Olympiawinter. Der auch bestens läuft bisher.

Im Dezember gelang der erste Podestplatz in Arosa. In Innichen kurz vor Weihnachten der nächste. Und nach dem Jahreswechsel wurde es noch besser. In Veysonnaz und im Fassatal stand sie dann ganz oben auf dem Weltcup-Podest. Kein Wunder ist es, wenn die 29-Jährige sagt: „Ich bin sehr zufrieden mit der Entwicklung in dieser Saison. Die Basis stimmt.“ Und könnte nun den Weg zu einer weiteren Medaille ebnen.

„Das ist das Ziel“, sagt Maier. Aber: Darauf will sie gar nicht so sehr blicken. Denn die Vergangenheit hat sie auch gelehrt, dass im Sport generell und im Skicross im Speziellen nicht alles planbar ist. Vor Peking 2022 hatte sie, zum Beispiel, mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen gehabt, der Start stand damals auf der Kippe. „Ich finde, es ist schlauer, sich von bestimmten Ergebniserwartungen freizumachen“, sagt die Skicrosserin, „in unserem Sport kann so viel Unvorhersehbares passieren. Auch das hat mich Peking gelehrt.“ Wo aber auch eine richtig gute Beziehung entstand.

„Mein Verhältnis zu Fanny Smith ist richtig gut, diese ganze Geschichte hat uns eher zusammengebracht“, erzählt Maier und berichtet von gemeinsamen Trainingseinheiten: „Es ist im Nachhinein schön zu wissen, wie die beiden großen Wintersportnationen Deutschland und die Schweiz zusammengearbeitet haben – und am Ende beide Athletinnen eine Medaille bekommen haben. Das ist eine unheimlich schöne Geschichte, die Teil meines Lebens ist.“ An diesem Freitag soll eine weitere schöne dazukommen.