Blutkonserven werden in den Stuttgarter Kliniken dringend benötigt. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Das DRK ruft dringend zu Blutspenden auf, da die Versorgung in Baden-Württemberg knapp wird. Und auch Stuttgarter Kliniken schlagen Alarm.

„Notstand bei der Versorgung – Wir brauchen dich jetzt!“ teilt der Blutspendedienst des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) auf seiner Homepage für Baden-Württemberg und Hessen mit. Denn die Blutkonserven sind nahezu aufgebraucht. „Wir bitten daher all diejenigen, die sich gesund fühlen, dringend in den nächsten Tagen Blut spenden zu gehen“, sagt Sprecherin Norah Löhlein. Die aktuelle Versorgungslage sei angespannt und drohe sich weiter zu verschärfen.

 

Bestätigen kann das Matthias Orth, Ärztlicher Direktor des Instituts für Laboratoriumsmedizin am Marienhospital in Stuttgart: „Es ist keine Panikmache. Ich bin seit 20 Jahren in dem Bereich tätig – und so bescheiden wie aktuell war die Versorgung noch nie.“ Das Marienhospital bezieht die Blutkonserven vom DRK Ulm. Besonders die Blutgruppen A-, 0- und 0+ werden dort knapp. Die Gründe dafür sind die gleichen, die auch sonst zu dieser Jahreszeit gelten: Da über die Weihnachtsferien keine geplanten Operationen stattfanden, läuft der Klinikbetrieb erst im Januar wieder richtig an und der Bedarf an Blutkonserven steigt.

Grippe-Welle verschärft Mangel an Blutkonserven

Doch über die Feiertage wurde wenig gespendet – selbst routinierte Spender und Spenderinnen sind dann im Urlaub oder mit den Festlichkeiten beschäftigt. Auch das Winterwetter mag potenzielle Spender abgeschreckt haben. Dass die Lage in diesem Januar jedoch besonders angespannt ist, erklärt sich Orth mit der Influenza-Welle, die Stuttgart derzeit im Griff hat. „Außerdem sinkt die Spendenbereitschaft insgesamt in den letzten Jahren.“ Für die Patienten bedeutet das aktuell, dass beispielsweise größere Operationen von Menschen mit Blutgruppe 0- verschoben werden, sofern es die Dringlichkeit erlaubt.

So dramatisch ist die Lage am Robert Bosch Krankenhaus (RBK) in Stuttgart zwar nicht. „Wir haben derzeit aber eine angespannte Situation“, sagt RBK- Geschäftsführer Mark Dominik Alscher. Bisher habe man noch keine Operation wegen Mangel an Blutprodukten verschieben müssen. Die Blutkonserven und Blutprodukte des Krankenhausen kommen jedoch vom DRK in Ulm. Sprich: Steigt die Zahl der Blutspenden in den nächsten Tagen und Wochen nicht wieder an, kann es auch im RBK eng werden.

Klinikum Stuttgart braucht täglich 125 Blutspenden

Im Klinikum Stuttgart, wo man auch direkt Blut spenden kann, zeigt sich ein etwas anderes Bild: „Traditionell kommen die Blutspenderinnen und Blutspender des Klinikums Stuttgart über Weihnachten sehr zuverlässig. Davon zehren wir aktuell noch“, sagt Pressesprecher Stefan Möbius. Jedoch machten sich auch hier saisonbedingte Infektionskrankheiten bemerkbar und führten aktuell zu sinkenden Spenderzahlen. Deshalb hoffe man sich auch dort über Neuspender, die dann zu Dauerspender werden.

Im Klinikum Stuttgart benötigt man im Durchschnitt 50 Blutspenden am Tag. Da das Klinikum auch andere Krankenhäuser in der Region versorgt, liegt der Bedarf laut Möbius jedoch insgesamt arbeitstäglich bei mindestens 125 Spenden. „Bei uns im Haus benötigen ganz unterschiedliche Fachbereiche die Blutspenden, etwa die Kinderonkologie“, sagt Möbius.

0-negativ-Blutspender werden immer gesucht

Aus dem Klinikum Stuttgart beziehen auch das Diakonie-Klinikum im Stuttgarter Westen und das Karl-Olga-Krankenhaus (KOK) im Osten ihre Blutkonserven: „Wir sind im Moment gut versorgt“, kann Frank Weberheinz, der Leiter der Unternehmenskommunikation am Diakonie-Klinikum, daher Entwarnung geben. Auch im KOK herrscht nach Angaben der Presseabteilung kein Mangel an Blutkonserven – die Betonung liegt in beiden Krankenhäusern auf „derzeit“. „Das ganze Jahr über knapp sind allerdings besondere Blutgruppen. So werden 0-negativ-Spender immer händeringend gesucht“, ergänzt Weberheinz.

RBK-Chef Alscher unterstützt derweil den dringenden Appell des DRK: „Nach den winterlichen Feiertagen und im Sommer in den Ferien fordert das DRK regelmäßig zum Blutspenden auf – und das ist sehr sinnvoll.“ Dass die Bereitschaft dazu immer mehr abnehme, sieht der RBK-Chef kritisch. Einem wachsenden Teil der Gesellschaft sei wohl nicht mehr bewusst, wie wichtig das Blutspenden ist: „Für viele Menschen ist die Versorgung mit Blutprodukten lebenswichtig, etwa für Leukämie-Patienten, darunter auch zahlreiche junge Leute.“ Er bezeichnet das Spenden daher als „wichtigen Baustein des bürgerschaftlichen Engagements“.

Termine in Stuttgart
Das DRK bietet Termine zum Blutspenden in Stuttgart am Montag, 2. Februar, von 11 bis 16 Uhr im Haus der Katholischen Kirche, Königstraße 7, am Dienstag, 10. Februar, von 15.30 bis 19.30 Uhr im Gemeindehaus Wangen, Ulmer Straße 347, und am Donnerstag, 12. Februar, von 15 bis 19 Uhr, in der Internationalen Schule in Degerloch, Sigmaringer Straße 257, an. Weitere Termine und Informationen finden sich unter www.blutspende.de

Klinikum Stuttgart
Einen Termin zur Blutspende kann man auch am Klinikum Stuttgart vereinbaren