Die Täter hätten weder Empathie noch Gewissensbisse. „Sie sind sogar stolz darauf, jemanden umgebracht zu haben“, sagt die niederländische Staatsanwältin Marije Jeltes. Foto: dpa/Karl-Josef Hildenbrand

Ein Auftragsmord für 3000 Euro? So viel kostet es in den Niederlanden, einen Menschen „loszuwerden“. Die Polizei hat auch ein Profil der Täter erstellt. In anderen Ländern ist ein gedungener Mörder sogar für noch weniger Geld zu haben.

Amsterdam/Den Haag - Ein Menschenleben ist in den Niederlanden nicht viel wert. Ein Auftragskiller erhält für einen Mord zwischen 3000 Euro und 5000 Euro. Dafür töten die Kopfgeldjäger Menschen auf Bestellung der Drogenmafia.

Jüngster Fall: Die Ermordung des 44-jährigen Anwalts Derk Wiersum, der einen Kronzeugen in einem Prozess gegen die Drogenmafia verteidigte. Nach Polizeierkenntnissen wurde der Anwalt von einem Auftragskiller ermordet, der zwischen 18 und 20 Jahre alt war.  Das Profil der professionellen Mörder: zwischen 16 und 25 Jahre alt, geringe Intelligenz, Migrationshintergrund, Geldgier, Suche nach Anerkennung.

600 Killer arbeiten allein Amsterdam

Rund 600 dieser „Contract Killer“ hat allein die Amsterdamer Polizei im Visier. Man nennt sie im Polizei-Jargon ,,Liste der 600.‘‘ In der Unterwelt werden die Auftragsmörder ,,Hitters‘‘ genannt. In der Regel werden sie schon ab dem zwölften Lebensjahr kriminell, haben die Fahnder herausgefunden.  

 ,,Wir wissen, dass diese jungen Kriminellen in der Regel schwach begabt sind und einen IQ von etwa 80 haben und oft schon vorbestraft sind, bevor sie morden“,‘ berichtet Staatsanwältin Marije Jeltes, die an der Universität Leiden eine Studie zu Auftragsmördern durchführte, in der Zeitung ,,de Volkskrant.‘‘

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,,Es gibt eine große Anzahl von potenziellen jungen Auftragsmördern“, sagt Marije Jeltes weiter. Die Preise für einen Auftragsmord würden deshalb sinken. Die Täter hätten weder Empathie noch Gewissensbisse. „Sie sind sogar stolz darauf, jemanden umgebracht zu haben, denn dann steigen sie in der kriminellen Hierarchie der Unterwelt auf.‘‘ 

„Der muss jetzt schlafen“

Die Morde werden immer brutaler. So wurde beispielsweise Nabil A. – selbst ein Auftragsmörder – getötet, nachdem er im Auftrag der Drogenmafia tätig war. Er wurde enthauptet. Sein Kopf hing am Eingang eines der vielen Coffeeshops in Amsterdam, in denen der Stoff für den Joint verkauft wird. 

Was die jungen Auftragskiller nicht wissen: Sie werden, nachdem sie einen Menschen umgebracht haben, von ihrem Auftraggeber, der Drogenmafia, selbst beseitigt. Wenn ein Amsterdamer ,,Pate‘‘ einen Mord in Auftrag gibt, dann tut er dies mit dem Satz: ,,Der muss jetzt schlafen.‘‘  

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Wie viel kostet ein Auftragsmord in anderen Ländern?

Forscher der britischen Universität Birmingham haben untersucht, für welche Summen gedungene Mörder in Großbritannien töten. Die Ergebnisse sind verblüffend. Gezahlt wurden zwischen 200 Pfund (242 Euro) und bis zu 100 000 Pfund (121 200 Euro) – was einen Durchschnittspreis von 15 180 Pfund (18 460 Euro) für einen Auftragsmord im Vereinigten Königreich bedeutet.

Die Wissenschaftler nahmen für ihre Untersuchung, die im „Howard Journal of Criminal Justice“ erschienen ist, Fälle aus den Jahren 1974 bis 2013 unter die Lupe. Sie führten Interviews mit den ehemaligen Killern und werteten Gerichtsakten aus.

Kaum Frauen unter den Killern

Das Forscherteam um den Kriminologen David Wilson wertete insgesamt 27 Auftragsmorde im Königreich aus. Die meisten davon wurden mit Schusswaffen durchgeführt. In die Morde waren 36 Auftragskiller involviert, nur einer davon war eine Frau.

„Auftragskiller sind vertraute Figuren aus Filmen und Videospielen“, erklärt Wilson. Doch die Realität sehe ganz anders aus: Statt von Hochhausdächern und mit teuren Gewehren griffen die meisten Killer ihre Opfer auf der Straße und in Vorstädten an, während diese einkaufen gingen oder den Hund ausführten.

Die Forscher aus Birmingham stellten außerdem eine Typologie der gedungenen Mörder auf: Darunter ist der Novize, der zum ersten Mal mordet. Sodann der Amateur, der meist keine kriminelle Vorgeschichte hat und den Auftrag etwa wegen finanziellen Problemen annimmt. Der Geselle, der zwar kriminelle Erfahrung hat, aber noch keinen Mord begangen hat. Und schließlich der Meister, der oft einen militärischen Hintergrund hat und besonders schwer zu fassen ist.

Mafiakiller packt aus

Im Jahr 2015 packte ein italienischer Auftragskiller vor Gericht aus (im Italienischen werden Auftragsmörder auch als „Assassino“ bezeichnet). Damals enthüllte Giancarlo Orsini, der hauptberuflich als Türsteher arbeitete, seine „Preisliste“.

Wie die englische Zeitung „Daily Telegraph“ unter Berufung auf Ermittlungsergebnisse der Polizei berichtete, verlangte der Mafiakiller Preise von 3500 Euro für einen Schuss in die Kniescheibe, bis hin zu 25 000 Euro für einen Auftragsmord. Zu seinen „Jobs“ fuhr er stets mit dem Motorroller.

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