VfB-Neuzugang Jeremy Arévalo hat sich den Fans präsentiert. Dass der Ecuadorianer Brustring trägt, ist auch der Verdienst zweier Mitarbeiter, die man nicht dafür unter Vertrag hat.
Nur um etwaigen Missverständnissen vorzubeugen: Es war allen voran das Scouting-Team um Chefscout Thomas Henning und Kaderplaner Daniel Ebbert, die auf Jeremy Arévalo aufmerksam wurden, ihn beobachteten und dann intern als potenzielles Transferziel auserkoren hatten.
Sportvorstand Fabian Wohlgemuth und Sportchef Christian Gentner finalisierten den Deal dann nach der Zustimmung von Trainer Sebastian Hoeneß, gingen in die Verhandlungen mit Eduardo Llanos Martinez und seinem Team der Agentur „emartsoccer“, bei der Arévalo unter Vertrag steht und dessen zweitwertvollster Klient der Angreifer nun nach dem Sieben-Millionen-Deal mit dem VfB ist.
Doch bevor es so weit kommen konnte, waren auch zwei andere VfB-Mitarbeiter in den Transfer involviert. Und zwar zwei, die man nicht unbedingt in der für Transfers zuständigen Truppe verortet: Mittelfeldspieler Chema Andrés und Co-Trainer Malik Fathi. „Chema war im Vorfeld des Transfers eingebunden, wir haben bei ihm abgefragt, was für ein Typ Jeremy ist“, erklärt Wohlgemuth den Zusammenhang. Beide Spieler waren Teil des spanischen U-18-Nationalmannschaftsjahrgangs von 2023 unter Trainer Santi Denia. „Das war ein Puzzleteil des Deals und Chema war dabei zum Teil eine Hilfe“, so Wohlgemuth weiter.
Malik Fathi lieferte weiteres Puzzleteil
Ein weiteres Puzzleteil lieferte Co-Trainer Malik Fathi zu. Der spricht aufgrund seiner Zeit bei Atlético Baleares auf Mallorca – Fathi war dort über vier Jahre zuerst Spieler, dann Teil des Trainerteams – fließend Spanisch. Er vermittelte Arévalo ausdrucksstark die Vorstellungen von Hoeneß in den Gesprächen. So gelang es, den Fisch zuerst an die Angel zu bekommen und schlussendlich dann an Land zu ziehen.
An diesem Samstag präsentierte sich Arévalo nun erstmals vor den rund 3000 Fans beim Auftakttraining. Viel Spektakuläres gab es dabei noch nicht zu sehen. Der Angreifer fremdelte noch ein wenig mit der neuen Umgebung und den eisigen Temperaturen – wenn er auch mutig den Minusgraden in kurzen Hosen zu trotzen versuchte. „Wir haben die Chance bekommen, ihn zu verpflichten. Er hat in der spanischen zweiten Liga seinen Durchbruch gefeiert, zuletzt dort einige großartige Dinge gezeigt. Er kann sofort helfen, bekommt von uns aber alle Zeit zur Integration“, umreißt Hoeneß seine ersten Eindrücke.
Wo er Arévalo einzusetzen gedenkt, bleibt abzuwarten. Der bullig wirkende Angreifer gilt als technisch versiert, kann im Dribbling Eins-gegen-Eins-Situationen auflösen und in der offensiven Dreierreihe von Hoeneß mehrere Rollen ausfüllen. Und möglicherweise auch ein Profil anbieten, das man im ersten Moment nicht vermutet: Das des verkappten Spielmachers als hängende Spitze im Zentrum. Zumal er Teile seiner Ausbildung bei Racing Santander im Mittelfeld absolvierte. „Er ist noch gar nicht so lange ganz nach vorn gerutscht. Es geht ein bisschen auch darum, zu versuchen, ihn in die Rolle zu bekommen, die Nick gespielt hat“, gab Hoeneß Einblick in seine Überlegungen und machte so den Vergleich mit Nick Woltemade auf.
Ein weiterer Beleg dafür, dass Hoeneß große Stücke auf den Angreifer hält: Der VfB-Trainer erteilte weiteren Transfers in der Offensive vorerst eine Absage. Auch wenn die klassische Neun, der Stoßstürmer alter Prägung, nicht in seinem Kader zu finden ist. Es gehe nun erst einmal darum, „den Kader zu verkleinern“, so Hoeneß. Für die Tore sollen der formstarke Deniz Undav, Rückkehrer Ermedin Demirovic und eben Arévalo sorgen.