Das Schild ist verblasst, es verweist noch auf den Vormieter. Inzwischen sind die Abrissbagger im Einsatz. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Der Immobilieninvestor Hines plant an der Landhauskreuzung in Stuttgart-Möhringen ein neues Stadtquartier. Die ersten der rund 500 Wohnungen könnten bereits 2027 bezogen werden.

Die Bauarbeiten sind nicht zu übersehen. „Wir haben mit dem Rückbau begonnen“, bestätigt Emanuel Coskun, Managing Director bei Hines Immobilien, dem Investor. Die Gebäude auf dem Grundstück an der Landhauskreuzung in Möhringen werden noch diesen Monat endgültig abgerissen. Gegenüber der alten Daimler-Zentrale soll ein neues Stadtquartier mit Gewerbeflächen, Einzelhandel und rund 500 Wohnungen entstehen.

 

Investor rechnet mit Baugenehmigung im kommenden Jahr

Das Immobilienunternehmen hatte das Areal an der Landhausstraße bereits 2017 erworben. Noch steht auf dem Gelände der alte Bürokomplex des IT-Konzerns IBM, in den später Daimler ein-, aber nur wenig später wieder auszog. Das mit Ziegelsteinen verkleidete Gebäude ist von einer großen Zahl von Parkplätzen umgeben, begrenzt von der Plieninger Straße im Norden, der Kurt-Schumacher-Straße im Westen und der Stadtbahnhaltestelle Landhaus im Süden.

Mit dem Abbruch geht der Investor nun in Vorleistung. Denn die Baugenehmigung steht noch aus. „Wir rechnen damit, dass wir diese im kommenden Jahr erhalten“, sagt Coskun. „Besser im Frühling als im Herbst.“ Dann soll zeitnah mit dem ersten Bauabschnitt begonnen werden. Das neue Bebauungsplanverfahren war notwendig geworden, da sich die Pläne im Laufe der Zeit verändert haben. Zunächst sollte auf der knapp 50 000 Quadratmeter großen Fläche ein reines Gewerbegebiet mit bis zu 4000 Arbeitsplätzen entwickelt werden. Dann geriet auch das Thema Wohnen in den Fokus. Dadurch war eine Fortführungsentscheidung des Gemeinderats notwendig, eine positive Entscheidung für das Projekt fiel im November.

Bis zu 40 Meter breite Fuge zwischen den sechs Gebäuden

An den grundsätzlichen Planungen aus dem Architektenwettbewerb 2018, den das Büro Pickard Clinton (Connecticut/USA) in Arbeitsgemeinschaft mit ARP Architekten und Glück Landschaftsarchitekten (beide Stuttgart) für ich entschied, ändert dies nichts. Vorgesehen sind insgesamt sechs Gebäude, die sich paarweise gegenüberstehen. Die Höhe der Häuser steigert sich von der Seite der Plieninger Straße in Richtung Haltestelle Landhausstraße von 35 auf 48 Meter. Die Aufteilung könne man sich „wie eine Tafel Ritter-Sport-Schokolade vorstellen“, verbildlicht Coskun – nur eben mit sechs Riegeln. In der Mitte soll eine großzügige, bis zu 40 Meter breite Fuge entstehen.

Die nördlichen vier Gebäude sollen als reines Gewerbegebiet dienen, die Wohnungen in den oberen Stockwerken der südlichen Häuser realisiert werden. Der neuen Entwicklung steht der Investor positiv gegenüber, er „passt zu unserer Philosophie von unterschiedlichsten Nutzungen“. Das sorge für eine nachhaltige Belebung. Auf einer Fläche von rund 55 000 Quadratmetern sollen rund 500 Wohnungen entstehen. Dabei muss sich der Investor an das Stuttgarter Innenentwicklungsmodell (SIM) halten, das 30 Prozent geförderten Wohnraum vorsieht. Laut Coskun kein Problem, sollen doch ausschließlich Miet- und keine Luxuswohnungen mit einer durchschnittlichen Größe von 70 Quadratmetern entstehen. In den unteren Geschossen kann sich der Immobilienmanager kleine Läden wie eine Bäckerei oder ein Drogeriemarkt aber auch ein Fitnessstudio vorstellen. Auf den weiteren der insgesamt rund 85 000 Quadratmeter Gewerbeflächen ist überwiegend Büronutzung angedacht, aber auch eine Kita und ein Hotel. Von der Idee des gewerblichen Wohnens, dem sogenannten Boardinghaus, sehe man aber inzwischen ab.

Noch attraktiver durch direkte Stadtbahnlinie in die Innenstadt

Coskun spricht von einem Aufbruchsignal, einer „neuen Mitte in dem ansonsten infrastrukturell unterversorgten Gebiet zwischen Möhringen und Plieningen“. Man glaube fest an den Standort des neuen Stadtquartiers. Insbesondere setzt er auf eine bessere Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr durch die von der Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) geplanten durchgehende Linie von Hohenheim in die Innenstadt mit der neuen Gleiskurve in Möhringen. „In dann 15 Minuten mit der Stadtbahn in die Innenstadt fahren zu können, würde die Attraktivität des Quartiers im Hinblick auf Wohnen und Gewerbe noch einmal deutlich erhöhen.“ Sollte die Baugenehmigung wie erwartet im kommenden Jahr erfolgen, „könnten die ersten Wohnungen bereits Ende 2027 bezogen werden“.