Rostbraten, Maultaschen, Linsen mit Spätzle: Das sind die Basics, die bei Helene serviert werden. Zum neuen Kult in der ehemaligen Sakristei könnte sich der Sonntagsbraten etablieren.
Der Name ist schon mal nicht schlecht, um wie einst die Fußballkneipe Sakristei an selber Stelle neuen Kultstatus zu erreichen. Wobei sich Helene auf die Frau von Erwin Schöttle bezieht, die ein Stück weit die Sozialpolitik in Stuttgart prägte. Aber auch sonst sind die Voraussetzungen gut, allein schon durch den Sonntag als Bratentag, der sich zu einer festen Institution entwickeln könnte. Zudem bringen die Betreiber Stefan Büttner, Anna Ruza, Julian Diedrich und Karl Acker eine wichtige Gastroexpertise mit, die beiden Letzteren zum Beispiel aus dem Ackerbürger in Bad Cannstatt, wo sie beim aufstrebenden Can Basar Serviceleiter beziehungsweise Souschef waren.
Das Lokal im Stuttgarter Süden wurde komplett neu gestaltet, etwa mit freigelegten Deckenbalken und marokkanischen Fliesen am Tresen. Der kleine Raum ist zwar relativ puristisch, strahlt aber eine hippe Gemütlichkeit aus, die vor allem jüngere Gäste ansprechen dürfte. Die Karte ist zum Start – eröffnet wurde im Oktober – radikal reduziert auf die schwäbische Dreifaltigkeit aus Rostbraten, Maultaschen und Linsen mit Spätzle. Als Tagesempfehlung vorneweg gibt es für uns noch ein Schwarzwurzel-Lauchsüppchen (9,80 Euro), das cremig-würzig ist und durch Räucherlachs zusätzlichen Wumms bekommt. Der kleine Beilagensalat (5,90 Euro) hat alles, was so dazugehört: grüne und rote Blätter, Kraut-, Gurken-, Karotten- und Kartoffelsalat.
Die hausgemachten Maultaschen gibt es auch vegetarisch mit Pilzen. Die klassischen (mit Kartoffelsalat 17,90 Euro) sind recht kompakt und haben durch Landjäger in der Brätfüllung eine starke Würznote. Der Rostbraten (32 Euro) ist ein hohes Stück Fleisch von hoher Qualität, wie gewünscht saftig medium und mit Zwiebelschmelze obenauf. Sichtbar handgeschabt sind die Spätzle mit Butterbröseln, auch die sämige Soße ist in zwei Ansätzen hausgemacht und hat eine runde Geschmackstiefe. Als Süßes empfiehlt Julian Diedrich eine von ihm aus Frankfurt „importierte“ Opera-Schnitte mit Zitrusfrüchten und Vanilleeis (7,50 Euro) – die aber auch wirklich gut ist.
Weil der Servicechef lange in der Bankenmetropole arbeitete, ist er mit Weinen aus Rheinhessen „sozialisiert“. Eine Winzertour mit dem befreundeten Sommelier Philipp Berg soll noch mehr Schwäbisches zu den Gerichten an den Tisch bringen. Aber wenn zum Rostbraten ein 2014er Montepulciano von Ômina Romana aus der Magnum eingeschenkt wird, wollen wir uns mal nicht über diesen kleinen Stilbruch beschweren. Dennoch freuen wir uns auf den Ausbau der Weinkarte und auch die angekündigte größere Speisenauswahl – die unsere perspektivisch hohe Bewertung sicher bestätigt.
Der Service
Helene, Eierstraße 17, S-Süd, Telefon 0711 / 50 09 08 58, Dienstag und Mittwoch von 17 bis 23 Uhr, Donnerstag bis Samstag von 11.30 bis 23 Uhr, Sonntag von 11.30 bis 20 Uhr, www.beihelene.de
Die Bewertung
Küche: 4 Sterne
Atmosphäre: 4 Sterne
Service: 4 Sterne
Legende: ***** = herausragend, ****= überdurchschnittlich, *** = gut, **= Luft nach oben, * = viel zu verbessern.