In einer ehemaligen Kirche in Stuttgart-West findet Florian Vornberger sein neues berufliches Glück. Mit der Mercedes-Abfindung startet er ins Design- und Event-Geschäft.
Bei den vielen neuen Erfahrungen, die Florian Vornberger in den vergangenen Tagen und Wochen gesammelt hat, beschäftigt ihn ein Gedanke ganz besonders. „Ich habe gerade das Gefühl, endlich im echten Berufsleben angekommen zu sein.“ Es ist der Kontakt mit ganz verschiedenen Menschen, was es für ihn gerade so spannend macht. Zunächst mit den Handwerkern, den Lieferanten und jetzt auch mit den Kunden.
Sein vorheriges Berufsleben hatte sich für ihn zuletzt immer beengter angefühlt. „Mercedes ist schon eine Welt für sich“, sagt der 43-Jährige. Weil er für sich dort im IT-Bereich keine reizvolle Perspektive mehr erkennen konnte, tauchte das Abfindungsprogramm des Konzerns genau zum richtigen Zeitpunkt für ihn auf.
So kam es, dass Florian Vornberger nach zehn Mercedes-Jahren dem Konzern Ende 2025 den Rücken gekehrt hat, um sich beruflich neu zu erfinden zu können. Das Ergebnis kann man im Stuttgarter Westen sehen, wo er es sich in den Räumen der ehemaligen Kirche St. Stefan stilvoll eingerichtet hat – so wie es sich für ein Studio, in dem Vintage-Möbel Design-Klassiker ausgestellt und verkauft werden, auch gehört.
Möbelverkauf und Events
E&F Studio heißt das Projekt an der Rotenwaldstraße, hinter dem neben Florian Vornberger auch seine Frau Eva, eine Zahnärztin, steht. Neben dem Möbelverkauf nutzt und vermietet das Ehepaar gemeinsam mit dem Auktionshaus von Brühl die Räumlichkeiten für Versteigerungen, Tastings oder Geschäftsveranstaltungen.
„Vor allem meine Frau hatte zunächst schon Sorgen, ob das finanziell und organisatorisch alles so hinhaut, wie wir uns das vorstellen“, erzählt Florian von der Zeit, in der die weitreichende Entscheidung getroffen werden musste. Da beruhigt und motiviert es, dass der Start in die Selbstständigkeit verheißungsvoll verlaufen ist.
Florian Vornberger ist sich durchaus bewusst, dass viele in der kriselnden Autoindustrie ihren Traum vom beruflichen Neustart nicht wie er wahr machen können. Sei es, weil ihr Arbeitgeber kein so gut dotiertes Abfindungsprogramm anbietet oder möglicherweise schon betriebsbedingt kündigt. Da wird der Job bei Mercedes zum Privileg. Nicht nur deshalb ist eine Trennung im Guten gewesen, wie er sagt.
„Ich wollte erhobenen Hauptes Mercedes verlassen und nicht im Gefühl, nicht mehr gebraucht zu werden“, sagt Florian Vornberger. Deshalb wäre er irgendwann wohl auch ohne Abfindung gegangen. Weg von einem Konzern, den er einen „soliden Arbeitgeber mit tollen Produkten“ nennt. Er streicht dabei „die vielen guten, motivierten Kolleginnen und Kollegen“ heraus, die oft auch Freunde geworden seien. Er würde auch immer noch einen Job bei Mercedes weiterempfehlen: „Aber nicht als erste Beschäftigung direkt nach der Uni.“ Sonst sei man möglicherweise ein Arbeitsleben lang gefangen in nur einer Denkweise.
Der Kontakt zu Mercedes reißt nicht ganz ab
Selbst hat der gebürtige Würzburger nach dem Medienmanagementstudium an der Hochschule Darmstadt in der Werbung gearbeitet. Nachdem er dort häufiger mit Mercedes zu tun hatte, ist er irgendwann dorthin in die interne Kommunikation gewechselt. Es folgte die IT-Aufgabe als Produktverantwortlicher im Softwarebereich.
Dass Florian Vornbergers berufliche Zukunft im Designbereich verankert ist, hat dabei nichts mit Zufall zu tun, sondern mit einer Vorgeschichte. „Mein Vater und mein Onkel haben neben ihren Jobs bei der Bahn und als Architekt schon immer Möbel und Kunst restauriert, sie sind beide sehr designinteressiert“, sagt Florian Vornberger. Keine Überraschung also, dass die Familie voll hinter seiner Entscheidung steht. „Dass gilt aber auch für die Seite meiner Frau“, sagt er.
Die Verbindung zu Mercedes gibt es aber weiterhin, dafür sorgt der Kontakt zu den früheren Kollegen – und sein langjähriges Auto, das Florian Vornbeger aktuell als Geschäftswagen gut gebrauchen kann: eine alte Pickup-G-Klasse Puch 230, Baujahr 1996 , die zuvor ihren Dienst für die Schweizer Armee geleistet – und jetzt Designmöbel befördert.