Die Geduldsprobe ist beendet. Der Sportwagenhersteller aus Zuffenhausen übernimmt starke zehn Prozent der Anteile an der VfB AG. Wir liefern die Details zum Deal.
Das 100-Millionen-Euro-Paket des VfB Stuttgart ist vollends geschnürt. Denn auch der letzte Teil des Investoren- und Sponsorendeals ist nun offiziell von der Deutschen Fußball-Liga (DFL) abgesegnet. Mehrfach wurde in den vergangenen Monaten darum gerungen, in welcher Form die Porsche AG Anteile des Bundesligisten übernehmen kann. Nun steht fest: Der Sportwagenhersteller sichert sich 10,4 Prozent an der VfB AG – für 41,5 Millionen Euro.
Dieses Geld fließt in zwei Tranchen – aufgeteilt in 5,49 und 5,20 Prozent der Anteile – an den VfB. Die ersten rund 20 Millionen Euro kommen zeitnah mit dem Eintrag in das Handelsregister, die zweiten rund 20 Millionen Euro sollen im Juni überwiesen werden. Wie es ursprünglich während der Präsentation der neuen Partnerschaft im vergangenen Juni angekündigt wurde.
„Das Württemberger Weltmarkenbündnis ist jetzt auch formal komplett“, sagt der VfB-Vorstandsvorsitzende Alexander Wehrle nach dem Closing und führt aus: „Ich bin fest davon überzeugt, dass in den kommenden Jahren weitere starke Unternehmen aus unserer Region an unserer gemeinsamen VfB-Geschichte mitschreiben möchten.“
Durch das Porsche-Engagement erhält der VfB, der nach der Transaktion noch 78,2 Prozent der Anteile hält, mehr finanziellen Spielraum. Allerdings wird das Geld nicht direkt in den Kader gepumpt, um die Mannschaft zu verstärken. Die Millionen dienen jedoch dazu, in Zukunft weniger Transfereinnahmen erzielen zu müssen. Das hilft, um ein Team wachsen zu lassen.
Einige Juristen sind beschäftigt
Auf den letzten Schritt der Vereinbarung zwischen den Stammsitzen in Bad Cannstatt und Zuffenhausen haben die Beteiligten jedoch warten müssen. Zuletzt herrschte in den Reihen von Porsche sogar Verwunderung darüber, warum sich der Einstieg zur Geduldsprobe entwickelte. Weil die Zustimmung der Behörden anfänglich als Formsache galt. Doch es waren einige Juristen damit beschäftigt, erst beim Kartellamt und schließlich beim Ligaverband grünes Licht zu erhalten.
„Mit dem VfB eint uns eine große Tradition. Mit dem langfristigen Bekenntnis möchte sich Porsche noch stärker für die Region Stuttgart engagieren, in der wir beide tief verwurzelt sind“, sagt Lutz Meschke, der Finanzvorstand der Porsche AG und mit Wehrle sowie VfB-Marketingchef Rouven Kasper treibende Kraft bei dem Deal. Knackpunkt für die DFL-Oberen war beim Okay die eigene Satzung. Da heißt es: „Niemand darf unmittelbar oder mittelbar mit einer Beteiligung von zehn Prozent oder mehr der Stimmrechte oder des Kapitals an mehr als einer Kapitalgesellschaft der Lizenzligen beteiligt sein.“ Und weiter: „Unabhängig von der Beteiligungshöhe darf niemand unmittelbar oder mittelbar mit Kapital oder Stimmrechten an mehr als drei Kapitalgesellschaften der Lizenzligen beteiligt sein.“
Das Problem im Falle des VfB: Über die Porsche Holding SE sind die Porsche AG und der Volkswagen-Konzern verbunden und der VfL Wolfsburg gehört zu hundert Prozent VW. Zudem hält der Autobauer aus Niedersachsen über das Tochterunternehmen Audi 8,33 Prozent am FC Bayern München und 19,9 Prozent am FC Ingolstadt. Und solange der Drittligist nicht aufsteigt, wäre der VfB als dritter Verein in diesem Konstrukt möglich gewesen – eine Drei-plus-eins-Lösung.
Doch der Anspruch der Ingolstädter ist es, in der zweiten Liga zu spielen, und nach dem Selbstverständnis der Porsche AG strebten die Verantwortlichen um den stellvertretenden Vorstandschef Meschke keinen Sonderstatus an, sondern Rechtssicherheit – und eine Anerkennung als eigenständiges, börsennotiertes Unternehmen.
DFL formuliert Maßgabe an den VfB
Dieser Auffassung des Kartellamts folgt die DFL aber nur teilweise. Der Ligaverband hat nach Informationen unserer Redaktion im Präsidiumsbeschluss „die Maßgabe und Erwartung“ formuliert, dass der VfB „anstrebt, in einem angemessenen Zeitraum die satzungsgemäß verbleibenden Anteile in Höhe von 3,9 Prozent“ zu veräußern. Ein Kniff, wodurch Porsche jetzt vorübergehend zwar mehr als zehn Prozent der VfB-Anteile bekommt, später aber durch den Einstieg eines weiteren Investors unter die zehn Prozent rutscht. „Dieser Schritt würde zu einer entsprechenden Verwässerung der Anteile der bestehenden Investoren gemäß ihrer Beteiligung führen“, heißt es in einer Mitteilung des VfB.
Allerdings plant der VfB nach dem Ankerinvestor Mercedes-Benz Group (bisher 11,61 Prozent, anschließend 10,4), Porsche (10,4) und dem Sportartikelhersteller Jako ( aktuell 1,16, nachher 1,0) ohnehin durch eine Kapitalerhöhung noch einen weiteren Anteilseigner zu gewinnen. Am liebsten einen, der zum Weltmarkenbündnis passt, das mehr als 100 Millionen Euro einbringt – durch Porsche als Investor (40 Millionen Euro), die Neuvergabe der Stadion-Namensrechte an die Porsche-Tochter MHP (40 Millionen in zehn Jahren) und dem damit verbundenen Sponsoring (zusammen mit dem Mercedes-Engagement mehr als 20 Millionen).