In Marbach (Kreis Ludwigsburg) sollen im Gebiet Lauerbäumle die Sportstätten gebündelt werden. Auch Busse sollen dort halten. Dafür zeichnet sich sogar ein Enteignungsverfahren ab.
Rekordverdächtige zehn Jahre lag der Bebauungsplanentwurf für das Sport- und Freizeitzentrum Lauerbäumle in Marbach quasi auf Eis. Andere Projekte waren in der Prioritätenliste vorbeigezogen, ein Kinderhaus und eine Sporthalle zudem zwischenzeitlich auf dem Gelände errichtet worden, der erste ganz große Druck damit draußen. Ferner waren Gutachten veraltet, mussten aktualisiert werden. Und, und, und. Doch nun forciert die Stadt die Planungen wieder, die es nach wie vor in sich haben – und in Teilen auch umstritten sind und auf Widerstand stoßen.
Auf einer 5,3 Hektar großen Fläche oberhalb der Kernerstraße auf Tuchfühlung zum Schulzentrum sollen perspektivisch die Sportstätten in Marbach gebündelt werden. Anvisiert wird, den Hermann-Mayer-Sportplatz der Fußballer und das Hallenbad dorthin zu verlagern. Beide sind aktuell auf der Schillerhöhe beheimatet. Zusätzlich könnten ein Rasenplatz zum Trainieren, ein Fitnessparcours, ein Spielplatz, ein Streetbasketballfeld, eine BMX-Bahn und anderes mehr auf dem Gelände angesiedelt werden.
Darüber hinaus schwebt der Kommune vor, einen zentralen Parkplatz mit 116 Stellmöglichkeiten anzulegen. Ziel ist, dadurch die Situation rund ums Schulzentrum zu entschärfen, wo Parkplätze zu den Stoßzeiten ein knappes Gut sind.
Ein Teil der Schulbusse soll bei der Sporthalle halten
Entzerrt werden soll zudem der Busverkehr, erklärt der Marbacher Bürgermeister Jan Trost. Derzeit konzentriert sich hier alles auf den Parkplatz vor der Stadionhalle. Künftig solle ein Teil der Busse im Lauerbäumle halten. Für Elterntaxis ist zudem eine Hol- und Bringzone vorgesehen.
Die Marbacher Stadtplanerin Elena Glasbrenner machte jetzt im Aussschuss für Umwelt und Technik des Gemeinderats deutlich, dass all das Auswirkungen auf die Erschließung hat. Der Verkehr zum Lauerbäumle solle nicht über die schmale Kernerstraße abgewickelt werden. Zu viele Kinder und Jugendliche seien hier zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs, weshalb man nicht noch mehr Autos durchlotsen wolle. Überdies sei es nicht möglich, Gelenkbusse über diese Trasse zum Parkplatz zu manövrieren.
„Es zeichnet sich ab, dass ein Enteignungsverfahren angestrebt wird.“
Elena Glasbrenner, Stadtplanerin der Stadt Marbach
Stattdessen strebt die Kommune an, von der Affalterbacher Straße aus einen Durchstich hinüber zum Lauerbäumle zu realisieren. Und zwar ganz grob dort, wo aus Affalterbach kommend rechter Hand die Siedlung beginnt. Dann würde sich auch weniger Verkehr durch Marbach schieben, gibt der Bürgermeister Jan Trost zu bedenken. Das Schulzentrum hätte neben der Poppenweiler Straße zudem eine zweite verkehrliche Erschließung.
Der Haken an der Idee ist, dass die Kommune nicht im Besitz aller für diese Lösung notwendigen Flächen ist. Bislang konnte sich die Stadt mit den Eigentümern nicht auf einen Kauf verständigen. Sollte das weiter nicht gelingen, will man härtere Geschütze auffahren. „Es zeichnet sich ab, dass ein Enteignungsverfahren angestrebt wird“, sagte Glasbrenner. „Das ist nicht unser Ziel, aber die Ultima Ratio“, ergänzt Jan Trost.
Anwohner sorgen sich um Lärm bei Fußballspielen
Im Rahmen des Verfahrens gab und gibt es aber nicht nur wegen der geplanten Erschließung Widerstände. Einige Anwohner sorgen sich auch über den Lärm, der bei Fußballspielen zu den Häusern hinüberschwappen könnte. Gutachten kommen allerdings zu dem Schluss, dass die Grenzwerte eingehalten werden. „Die Verträglichkeit und die Zumutbarkeit wurden nachgewiesen“, fasste Glasbrenner zusammen.
Die Stadt wehrt sich ferner gegen die Kritik, wonach der Kunstrasenplatz nun mitten in ein Wohngebiet hinein verlagert werden solle. Viel höher sei doch das Konfliktpotenzial in der Hinsicht am aktuellen Standort, der mittlerweile von drei Seiten von Wohnhäusern umgeben sei, betonte Glasbrenner.
Die Räte im Ausschuss für Umwelt und Technik hatten an der Argumentation nichts auszusetzen und segneten den Entwurf letztendlich ab. Bis zum Ende des Jahres soll die Satzung verabschiedet werden.
Was die Umsetzung der einzelnen Projekte anbelangt, herrscht vor allem im Hinblick auf die Verlagerung des Hermann-Mayer-Sportplatzes Zeitdruck. Die Stadt will den bestehenden Platz zur Gartenschau 2033 anderweitig nutzen. Im Jahr 2029 oder spätestens 2030 müsste der Kunstrasenplatz also im Lauerbäumle neu gebaut werden, sagt Jan Trost. „Damit man noch genug Zeit hat, die Fläche bis zur Gartenschau herzurichten. Außerdem muss man den Platz erst neu bauen, bevor man den alten auflöst. Die Vereine und die Schulen brauchen ja den Platz“, erklärt er.
Schon vorher sollen jedoch der zentrale Parkplatz und das Hallenbad gebaut werden. Bei Letzterem steht und fällt aber alles damit, ob der Bund Zuschüsse gewährt. Die neue Erschließung wolle man jedoch unabhängig von der Schwimmstätte in Angriff nehmen und damit einhergehend den Bau der Parkplätze, betont Trost. Bei den anderen geplanten Spielflächen müsse man sehen, wie es weitergehe. Das hänge auch von den Finanzen ab.