Zehn Einzelteilen mussten mühsam an den Megakran angebaut werden. Der Aufbau dauerte drei Tage. Foto: Alexander Müller

Am Sonntag, 26. Oktober, wird der Ersatzbau für die Rosensteinbrücke eingehoben. So sieht der gigantische Raupenkran dafür aus.

Insgesamt 1000 Tonnen schwer, die maximale Auslage beträgt 100 Meter – alleine durch seine gigantischen Ausmaße ist der Kran direkt am Neckarufer im Cannstatter Seilerviertel nicht zu übersehen. Direkt gegenüber des Wilhelmatheaters neben dem früheren Rot-Kreuz-Krankenhaus, wurde der Gigant aus Einzelteilen in den vergangenen Tagen zusammengesetzt. Die Dimensionen sind notwendig, schließlich soll der Raupenkran in der Nacht auf Montag, 27. Oktober, den 125 Tonnen schweren Ersatzbau für die Rosensteinbrücke einheben.

 

Seit Juli 2024 besteht eine Lücke

 Seit Juli 2024 zeugen lediglich noch die Widerlager, wie die Brückenaufleger an beiden Neckarufern im Fachjargon heißen, davon, dass hier einst mehr als 70 Jahre lang die viel befahrene Rosensteinbrücke zwischen der Cannstatter Altstadt, der Wilhelma, dem Rosensteinpark und dem Bereich um die Pragstraße lag. Der Zeitplan ist daher eng gestrickt.

In den vergangenen Wochen wurde der Ersatzbau im Hafen Plochingen zusammengesetzt. Am Freitagvormittag sollen zwei mobile Lastenkräne die 70 Meter lange Stahlkonstruktion dann auf ein Schiff heben, welches die Rad- und Fußgängerbrücke im Laufe des Samstags nach Bad Cannstatt bringt. Der eigentliche „Kraftakt“ erfolgt in der Nacht auf Montag. „Derzeit sehen die Planungen vor, dass wir gegen 20.30 Uhr das Schiff im Flussbett mit Stelzen verankern“, erklärt der zuständige Projektleiter der Spezialfirma Max Wild aus Berkheim, Wolfgang Philipp. Sollte alles glatt verlaufen, „hoffen wir, dass die Brücke gegen 24 Uhr an ihrem Platz ist.“

Aufleger für Durchfahrtshöhe der Schiffe erhöht

Bis dahin müssen alle Vorbereitungen abgeschlossen sein. Alleine der Aufbau des 1000 Tonnen schweren Raupenkrans, eines Typs LR 700 von Liebherr, hat seit vergangenen Montag ganze drei Tage in Anspruch genommen. Um den langen Ausleger von bis zu 100 Metern, aus den zehn Einzelteilen zusammenzusetzen, bedarf es auch bereits eines mobilen 200-Tonnen-Krans. Für den Behelfsbau „werden wir aber vermutlich nur rund 70 Meter benötigen“, erklärt Philipp. Um die Standfestigkeit zu sichern, werden insgesamt 350 Tonnen Gegengewicht angebracht. Um die Straße nicht zu beschädigen, steht der gigantische Raupenkran daher auf einem eigens errichten Podest aus Schott und dicken Holzbalken.

Bis zu 100 Meter ragt der Ausleger über den Neckar. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Gleichzeitig hat die Stadt ihre Hausaufgaben gemacht. Die Fundamente der knapp sechs Meter breiten Widerlager „wurden mit Beton verstärkt“, erklärt Sonja Stojinovic vom Tiefbauamt. Schließlich müssen die Auflageflächen das gesamte Gewicht von 125 Tonnen tragen. Zusätzlich wurden diese noch einmal erhöht, um die „nötige Durchfahrtshöhe der Schiffe auf dem Neckar zu gewährleisten“.

Ab Mitte November für Fußgänger und Radfahrer geöffnet

Ab Mitte November soll der ausschließlich für den Rad- und Fußverkehr vorgesehene Ersatzbau der Rosensteinbrücke geöffnet werden. Die Einweihung ist die Voraussetzung für den geplanten Abriss – spätestens Ende 2026 – der benachbarten Wilhelmsbrücke zwischen Cannstatter Marktstraße und der Neckarvorstadt, die ebenfalls erhebliche Mängel aufweist. Mit einer Fertigstellung des knapp zehn Millionen Euro teuren Neubaus rechnet die Stadtverwaltung Ende 2029. Bis dahin sollen auch die Pläne für den kompletten Neubau der Rosensteinbrücke beschlossen werden, über welche im Stuttgarter Gemeinderat noch heftig diskutiert wird. Ein Streitpunkt ist, ob in Zukunft neben Stadtbahnen auch wieder Autos diese überqueren dürfen.