Tochter Les (Mala Emde) mit Papa Bert (Christoph Maria Herbst) Foto: Frizzi Kurkhaus/Wüste Medien/dp

Mala Emde und Christoph Maria Herbst spielen in der deutschen Komödie „Sommer auf Asphalt“ schwangere Tochter und besorgten Vater. Aber ist das auch lustig?

Warum bloß fällt es den Deutschen so verdammt schwer, sich mal locker zu machen? Glaubt man dem Hamburger Fahrradkurier Tyler (Aaron Hilmer) in Simon Ostermanns Kinospielfilm-Debüt „Sommer auf Asphalt“, könnte das Leben ganz einfach sein. Oder ‚easy‘, wie es Tyler ausdrücken würde. „Ey! Wie nice is’ das denn? Du bist einfach schwanger!“, flippt er aus, nachdem ihm seine Kollegin, beste Freundin und gelegentliche Sexualpartnerin Valeska (Mala Emde) ihren neuen Status einer werdenden Mutter gebeichtet hat. „Was soll ich n’ mit’m Kind? Soll ich rumsitzen und Milch machen, oder was?“, hält Valeska, von allen nur ‚Les‘ genannt, panisch dagegen.

 

Die Pedal Piloten sind unterwegs

Im nicht-schwangeren Zustand heizt Les nämlich wie Tyler als Fahrradkurierin für die Firma „Pedal Piloten“ durch Hamburg, für n’ Appel und n’ Ei, wie man im norddeutschen Schnodderdeutsch sagt. Wenn Valeska krank wird, zahlt sie sogar drauf. Für Valeska ist der Knochenjob trotzdem die Erfüllung, der Embryo in ihrem Bauch dagegen ein stetig wachsendes Hindernis.

Valeskas Wohnung ist auch nach acht Jahren noch eine Bude, in der es statt Lampen offene Kabel und statt warmer Küche vertrocknete Reste in Pappkartons vom Lieferdienst gibt. Kompliziert ist Les’ Situation auch deshalb, weil sie lieber mit Roya (Gina Haller) schläft als mit Tyler, der ihr bloß aus Langeweile beim Wäschewaschen ins Bett geriet. Über Nacht bleibt Les bei Roya allerdings nie, um sich nicht festzulegen, weshalb Roya wiederum andere Frauen trifft.

In dieses wilde Kuddelmuddel platzt Les’ Vater Bert (Christoph Maria Herbst), der eigentlich Norbert heißt, und in einem norddeutschen Kaff Haare schneidet. Bert hat einen schnell wachsenden, garantiert tödlichen Tumor im Kopf, wovon Les nichts weiß. Les ist ihrem Vater böse, weil der ein Helikoptervater war, während Les’ Mutter, die Kitschroman-Autorin Ruby Lawrence (Jenny Schily) ihr Kind verlassen hat, um sich selbst zu verwirklichen.

Lässige, komische Dialoge

Puh, die Deutschen mögen nicht gerade Weltmeister in Sachen Gelassenheit sein. Wie man die allerdicksten Problempakete schnürt, weiß Simon Ostermann, Absolvent der Filmuniversität Babelsberg, dafür sehr genau. Zur Krönung schicken Ostermann und der Drehbuchautor Brix Vinzent Koethe den armen Norbert noch aufs Rad. So strampelt der Schwerstkranke als Ersatz für seine Tochter durch Hamburg und erfährt dabei seine Selbstwirksamkeit, neue Freundschaften in Les’ bunter Kollegentruppe und die neu aufkeimende Liebe seiner Tochter.

Man staunt, wie leicht Simon Ostermann dieses dicke Brett vor den Augen seines Publikums bohrt, wie lässig und komisch die Dialoge klingen. Obwohl Mala Emde und Christoph Maria Herbst als schräges Vater-Tochter-Duo dem restlichen Cast kalkuliert die Show stehlen sollen und ihren Job gut meistern, überzeugt besonders Aaron Hilmer als gutmütig-trotteliges Ex-Heimkind, das sich nichts Schöneres vorstellen kann, als selbst als Vater alles besser zu machen, was die eigenen Eltern an ihm verkorkst haben.

Es bleiben nur Abziehbilder

Auf den ersten Blick wirkt die Figurenpsychologie einigermaßen authentisch, auf den zweiten erkennt man, dass Koethe und Ostermann doch nur Abziehbilder von Typen liefern. Besonders Les’ Kollegen überzeichnen die beiden als infantile, aber liebenswert loyale Dumpfbacken.

Auch die 29-jährige Les gebärdet sich wie ein unreifer Teenager, der sich einerseits vom Vater mit aller Gewalt ablösen, andererseits aber fest an seinem Rockschoß hängen will, verwundet von der Zurückweisung der eiskalten Mutter, deren Motivation Ostermann nicht klar herausarbeiten kann. Klischees besitzen einen wahrhaftigen Kern, deshalb folgt man Les, Bert und Tyler bereitwillig und – mit einem fest zusammen gekniffenen Auge – manchmal sogar gerührt durch diese Idealvorstellung eines Heilungsprozesses. Der zum Ende zunehmende Einsatz barmender Popmusik mit deutschen Texten diskreditiert rückt den Film aber nah an den Abgrund des Kitsches.

Nah am Abgrund des Kitsches

Warum bloß fällt es den Deutschen so schwer, sich locker zu machen? – Weil sie immer perfekt, komplex und trotzdem massentauglich lustig unterhalten wollen. Um es mit Tyler zu sagen: „Machma’ easy, Diggah!“

Sommer auf Asphalt. Deutschland 2026. Regie: Simon Ostermann. Mit Mala Emde, Christoph Maria Herbst. 93 Minuten.