Der Ausbau der Neckarschleusen – hier die Anlage in Bad Cannstatt – ist seit längerem zwischen Land und Bund umstritten. Foto: dpa

In einem gemeinsamen Brief fordern die Landesminister Hermann und Strobl den Bund auf, die Pläne für den Ausbau der Neckarschleusen wieder aufzunehmen – trotz gestiegener Kosten.

Das Land unternimmt einen weiteren Vorstoß, den Ausbau der 27 Neckarschleusen zwischen Plochingen und der Mündung in Mannheim, voranzubringen. In einem gemeinsamen Brief appellieren Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) und Innenminister Thomas Strobl (CDU) an Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) „die Fehlentscheidung Ihres Vorgängers zu korrigieren.“ Im Sommer 2024 hatte der damalige Bundesverkehrsminister Volker Wissing den Ausbau der Schleusen unter Hinweis auf gestiegene Kosten von der Tagesordnung genommen.

 

Hermann und Strobl weisen in ihrem Schreiben darauf hin, dass der Neckar als Transportweg „anders als Straße und Schiene noch freie Kapazitäten“ habe. An den Häfen in Stuttgart, Plochingen, Heilbronn und Mannheim seien Straße, Schiene und Fluss in „trimodalen Logistikzentren“ zusammengewachsen. Allerdings sind die 110 Meter langen Schleusen entlang des Neckars lediglich für Schiffe mit einer Länge von maximal 105 Metern ausgelegt. Auf dem Rhein liegt der Standard bei 135 Metern, was häufig ein Umladen in Mannheim notwendig macht.

2024 hatte Wissing entschieden, der Sanierung der Schleusen Vorrang vor dem Ausbau zu geben. Die beiden baden-württembergischen Landesminister plädieren nun dafür, beide Maßnahmen gleichzeitig anzugehen. Sie anerkennen, das sich die Schleusen „in einem desolaten Zustand“ befinden, der Investitionen nötig macht. Wenn aber ohnehin gebaut werden müsse, könne das auch gleich einem Kapazitätszuwachs zugute kommen. Strobl und Hermann schlagen vor „zunächst die Sanierung einer Schleusenkammer unter betrieblichen Optimierung für 110-Meter-Schiffe, anschließend – aufgrund längerer Planungsvorläufe – die Verlängerung der zweiten Schleusenkammer für 135-Meter-Schiffe“ anzugehen.

Hermann warnt vor Vernachlässigung der Infrastruktur

Der Ausbau der Neckarschleusen ist im aktuellen Bundesverkehrswegeplan in der höchsten Dringlichkeitsstufe, dem vordringlichen Bedarf, festgehalten. Für Strobl und Hermann ist es „das zentrale Vorhaben zur Stärkung der Wasserstraße in Baden-Württemberg“. Vor dem Hintergrund des überlasteten Schienen- und Straßennetzes sei der Ausbau „von vitaler Bedeutung“. Hermann sieht Parallelen zur Vernachlässigung der Schiene. Unserer Redaktion sagt er: „Schleusen, die nicht saniert werden, könnten für eine Situation auf den Wasserstraßen sorgen, wie wir sie heute bei der Bahn-Infrastruktur erleben.“

Hermann und Strobl regen einen schnellen Gesprächstermin bei Schnieder noch Anfang 2026 an. Zusammen mit dem Ludwigsburger CDU-Bundestagsabgeordneten Steffen Bilger, erster parlamentarischer Geschäftsführer der Unions-Bundestagsfraktion und ehemaliger Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, wolle man mit Schnieder „die weiteren Schritte zur Zukunftsfähigkeit der Neckarschleusen“ beraten.