Zwischen der Baumallee, die zum Klärwek Plieningen führt, und dem heutigen Verlauf des Ramsbach am Talrand rechts soll der Bach künftig über die Wiesen laufen. Foto: Torsten Schöll

Der Ramsbach zwischen Degerloch und Plieningen soll naturnaher werden und wieder dort mäandern, wo er es schon vor über 200 Jahren tat. Im nächsten Sommer soll das Projekt starten.

Das Ramsbachtal auf den Fildern gehört zu den schönsten Ecken in Stuttgart. Am Unterlauf, bevor das Gewässer in die Körsch mündet, könnte das Tal in Zukunft noch idyllischer werden. Der Ramsbach soll dort bald wieder wie im 18. Jahrhundert durch die weitläufigen Auenwiesen mäandern.

 

Das sieht ein umfangreiches Renaturierungsprojekt vor, das die Stadt ab kommenden Sommer in Angriff nehmen will. Dann soll der Bach auf rund 500 Metern Länge vor der Mündung in die Körsch komplett verlegt werden und seinem ursprünglichen Verlauf folgen. Etwa ein Jahr sollen die umfangreichen Arbeiten dauern und rund 2,5 Millionen Euro kosten.

Das Projekt dient auch dem Hochwasserschutz

In den Wiesen zwischen der Baumallee, die zum Klärwerk Plieningen führt, und dem Königsweg am Rand des Tals floss der Bach wohl auch schon bis etwa in die 1790er-Jahre, wie das städtische Tiefbauamt anlässlich einer Präsentation der Planungen im Bezirksbeirat Plieningen und Birkach berichtet. Im Zuge des Baus von Schloss Hohenheim sei damals wohl auch die Umgebung neu gestaltet und der Bach zur besseren landwirtschaftlichen Nutzung des Talgrunds an den Talrand verbannt worden. Dort fließt er heute noch an seinem Unterlauf entlang des Königswegs immer schnurstracks der Körsch entgegen.

Neben dem Arten- und Naturschutz diene die Maßnahme auch dem Hochwasserschutz, wie der mit den Planungen beauftragte Möhringer Landschaftsarchitekt und Hydrologe Peter Geitz berichtet. Das betreffende Wiesenareal im Mündungsbereich von Ramsbach und Körsch, das zuletzt im Mai 2024 überflutet war, wird, den Hochwassergefahrenkarten zufolge, bereits bei einem zehnjährigen Hochwasser nahezu vollständig unter Wasser gesetzt. „Durch den neuen Bachlauf soll das Schadenspotenzial dort geringer werden“, so Geitz.

Das bisherige Bachbett soll erhalten bleiben und bildet in Zukunft eine sogenannte Hochwasserflutrinne, die bei Starkregenereignissen nach wie vor Wasser abführen kann. Auch drei neue Brücken zur Überquerung des neuen Bachlaufs sollen entstehen.

Damit der Bach in heißen Sommern nicht wie bisher schnell vollständig trockenfällt, soll er in seinem Tiefpunkt eine enge Rinne erhalten. Organismen hätten dann die Möglichkeit, sich in diese wasserführende Engstelle zurückzuziehen. Auch für stehende Gewässerabschnitte soll gesorgt werden.

Warum der Ramsbach wohl so wenig Wasser führt

Der ausgetrocknete Ramsbach Foto: privat

Dass der Ramsbach heute oft wenig Wasser führt, könnte unter anderem daran liegen, dass er in der Vergangenheit von Quellen abgeschnitten wurde. So berichten ältere Birkacher Einwohner, dass früher in der Ortsmitte des Dorfs ein von Quellen gespeister Löschteich lag, dessen Wasser über eine Rinne dem Ramsbach zugeführt wurde. Mutmaßlich wird dieses Quellwasser heute über die Kanalisation abgeleitet und fehlt damit dem Bach. Die Grünen im Bezirksbeirat Birkach hatten bereits 2022 einen Antrag bei der Stadt gestellt, Entsprechendes zu prüfen.

In den vergangenen Jahren hat die Stadt im Oberlauf des Ramsbachs bereits mehrere Abschnitte auf insgesamt rund 500 Metern Länge renaturiert. Neben dem aktuell geplanten Eingriff in die Gewässerstruktur sollen, nach Auskunft der Stadtverwaltung, in den kommenden Jahren noch weitere kleinräumige Renaturierungsmaßnahmen am Ramsbach durchgeführt werden.