In der Nacht auf Montag haben auf dem Tesla-Gelände in Holzgerlingen zwölf Neuwagen gebrannt. Die Feuerwehr war mit einem Großaufgebot vor Ort, die Polizei schließt Brandstiftung nicht aus.
Daimlerstraße im Holzgerlinger Gewerbegebiet Buch/Sol. Dort, wo der US-Autobauer Tesla seit Dezember 2022 seine Karossen an Käufer übergibt, ermittelt am Montagvormittag die Kriminalpolizei. Die Zäune sind mit Sichtschutz abgehängt, dahinter gehen Spurensicherer ihrer Arbeit nach. Neugierige Passanten werden weggeschickt. Der Grund für ihre Neugier liegt auf der Hand: Im europaweit größten Auslieferungszentrum der Automarke Tesla in Holzgerlingen im Kreis Böblingen brannten in der Nacht auf Montag mehrere Neuwagen lichterloh.
Anwohnern fiel mitten in der Nacht der Brand neben der großen Industriehalle auf, weswegen sie sofort die Feuerwehr alarmierten: Auf einem Asphaltstreifen westlich der Halle standen E-Autos in Flammen. Der Holzgerlinger Feuerwehr-Kommandant Markus Rath bestätigt, dass die Brandbekämpfer um 1.52 Uhr alarmiert wurden und mit einem Großaufgebot ausrückten. „Die Anrufer berichteten von einem weithin sichtbaren Feuerschein und Explosionsgeräuschen“, sagt er. Vor Ort zeigte sich den Einsatzkräften dann das ganze Ausmaß des Feuers.
„Mehrere Tesla-Fahrzeuge standen in Flammen, wir haben insgesamt elf brennende Neuwagen gezählt, ein weiterer wurde durch die Brände ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen.“ Der Kommandant berichtet weiter, dass die Fahrzeuge selbst Feuer gefangen hätten und nicht deren Batterie aufgrund eines Ladevorgangs, wie man vermuten könnte. Rath: „Die Fahrzeuge standen frei und waren nicht an eine Ladesäule angeschlossen. Es brannte nicht die Batterie.“ Zur mutmaßlichen Ursache des Brandes will sich Rath nicht äußern, da die Polizei dazu bereits ermitteln würde.
Nur im Fall eines völlig ausgebrannten Fahrzeugs habe der im Auto verbaute Akku auch zu brennen begonnen, bei den anderen seien es tatsächlich Fahrzeugbrände gewesen, bei denen die Karosserie und der Innenraum in Flammen aufgegangen seien, sagt der Kommandant. Die Fahrzeuge standen dort mutmaßlich zur Auslieferung bereit. Es handelte sich um den Richtung B 464 gelegenen Außenparkplatz vor dem Tesla-Zentrum in der Daimlerstraße am Rand des Gewerbegebiets. Die große Halle nebenan war nicht von dem Brand betroffen, berichtet der Feuerwehr-Kommandant. Die Feuerwehr hatte bis in die frühen Morgenstunden alle Hände voll damit zu tun, die Flammen unter Kontrolle zu bringen. Laut Markus Rath waren 58 Feuerwehrmänner und -frauen bis 5.30 Uhr dort im Einsatz, ebenso das Rote Kreuz sowie die Polizei. Menschen seien durch das Feuer zum Glück nicht zu Schaden gekommen.
Feuerwehr hat bei Tesla alle Hände voll zu tun
Laut der Polizei beläuft sich der entstandene Sachschaden auf rund 500 000 Euro. Ersten Ermittlungen zufolge wurden zwölf Fahrzeuge in Mitleidenschaft gezogen. Die Polizei schließt eine vorsätzliche Brandstiftung nicht aus. Daher hat die Kriminalpolizei die Ermittlungen aufgenommen. Zeugen, die Hinweise geben können, werden gebeten, sich bei der Polizei unter der Telefonnummer 0 80 0/11 00 225 oder per Mail an hinweise.kripo.boeblingen@polizei.bwl.de zu melden.
An der Adresse in Holzgerlingen betreibt der US-Autobauer seit Dezember 2022 sein europaweit größtes Auslieferungszentrum. Kunden aus ganz Süddeutschland holen dort ihre Neuwagen ab. Zuvor gehörte die Halle dem Böblinger Anlagenbauer Eisenmann, der sie für Schulungen und Präsentationen nutzte. Im Zuge der Insolvenz verkaufte Eisenmann die Halle, Tesla schlug zu. Zuletzt brachen die Verkaufszahlen von Tesla in Deutschland allerdings deutlich ein, weshalb in dem Tesla-Zentrum zuletzt weniger Betrieb zu beobachten war.
Tesla-Zentrum in Holzgerlingen
Im Dezember 2022
eröffnete Tesla sein europaweit größtes „Auslieferungs-Hub“, wie es der Konzern nennt. Eine Information an die Öffentlichkeit oder gar eine festliche Eröffnung blieben aus.
Tesla-Käufer
aus ganz Süddeutschland kommen hierher, um ihr neues Auto in Empfang zu nehmen. Zuvor betrieb die Marke noch einen Standort in Renningen.
Die Halle
war bis zur Insolvenz des Böblinger Anlagenbauers Eisenmann in dessen Besitz, diente als Präsentationsfläche für Kunden und Mitarbeiter. jps