Die Stadtverwaltung Ludwigsburg will die Idee einer Straßenbahn platzen lassen – und erklärt, wie das klappen soll. Am Ende gibt es jedoch mehr Fragezeichen als Antworten.
Wer sich von der Gemeinderatssitzung am Mittwoch Klarheit erhofft hatte, wie es bei der Stadtbahn oder vielmehr dem, was von den Plänen noch übrig ist, weitergehen soll, wurde enttäuscht.
Die Stadtverwaltung erklärte zwar ausführlich, dass die bisherigen Pläne weder in finanzieller noch in verkehrlicher Hinsicht umsetzbar seien, sie stellte auch ihre Alternativen vor – aber dennoch blieben viele Fragen offen.
„Man kann Lucie nicht einfach durchwinken“
Ganz klar war Knecht in seiner Aussage, man könne angesichts der finanziellen Schwierigkeiten, teurer Sanierungsmaßnahmen wie am Bildungszentrum West oder dem ZOB-Umbau, aber auch angesichts des aktuellen Meinungsbilds in der Gesellschaft „Lucie nicht einfach durchwinken“.
Und dass „wir jetzt nach rund 30 Jahren Planung wieder so grundlegende Fragen wie die Trassenführung zu diskutieren haben, hat zum falschen Zeitpunkt eine gewisse Sollbruchstelle erzeugt, ich will nicht sagen, dem Projekt das Genick gebrochen“, so Knecht weiter. In einer Zeit, in der man um jede Kita, jeden Radweg und jede Straßensanierung ringen müsse, müsse man „verantwortungsvoll für die Zukunft dieser Stadt priorisieren“.
Manche Kreisräte sehen das offenbar anders, sagte Knecht. „Da sind welche auf mich zugekommen mit der Aussage: Die fünf Millionen wird sich die Stadt doch noch leisten können“, berichtete der OB. „Bei fünf Millionen wären wir auch sofort dabei, doch es ist leider deutlich mehr, was da zusammenkommt.“ Die fünf Millionen muss Ludwigsburg laut Schätzungen des Zweckverbands allein schon für die Strecke von Markgröningen nach Ludwigsburg zahlen – diese Summe wurde zuletzt vom Innenstadtverein Luis stark angezweifelt.
Fest steht nur: Es würde teuer
Was das ganze Paket kosten würde, machte Christoph Beil von der Stadtverwaltung deutlich: Für die sogenannte Stammstrecke plus – also die Verbindung von Markgröningen nach Remseck-Pattonville – kämen allein auf die Stadt Kosten von etwa 26,4 Millionen Euro nur an Investitionskosten zu, für die Innenstadtlinie 6,1 Millionen Euro.
Und selbst das sei nur eine grobe Schätzung, die um 30 Prozent schwanken könne. Hinzu kämen die Kosten für die vermutlich steigende Kreisumlage, also das Geld, das die Stadt an den Landkreis abtreten muss und das zum Teil ebenfalls in das Stadtbahnprojekt fließt. Zu den Betriebskosten lässt sich derzeit noch gar nichts sagen – außer, dass nur für die sogenannte Reaktivierung der Bahnstrecke zwischen Markgröningen und Ludwigsburg überhaupt eine Förderung möglich wäre.
Benedikt Hofmann, der städtische Projektleiter für Lucie, erklärte, warum man sich so vehement für die Einfahrt in den Bahnhof ausspreche. Der Zweckverbands-Chef Michael Ilk sieht bei dieser Variante Probleme, unter anderem, weil die Stadtbahn nicht zuverlässig den Fahrplan einhalten könnte.
Hofmann hingegen argumentiert, wegen der Bauarbeiten am ZOB könnte ohne eine Bahnhofseinfahrt der Streckenabschnitt aus Richtung Markgröningen nicht vor 2035 genutzt werden. Und man wolle die Marktgröninger Bahn „so schnell und kostengünstig wie möglich in Betrieb nehmen“. Mit allen Nachteilen, die sich aus dem zu kurzen und nicht barrierefreien Gleis sechs ergeben. Denn nur so wäre ein Start im Jahr 2031 möglich.
Der Projektleiter betonte, es handle sich dabei nur um eine Interimslösung für den Vorlaufbetrieb. Später sei ein Ausbau im Bahnhof möglich, auch 80-Meter-Züge könnten dann eingesetzt werden, ein eigener Haltepunkt auf Höhe des Keplerareals oder auch eine Ausschleifung in die Pflugfelder Straße seien dann denkbar.
Auch Mobilitätsbürgermeister Sebastian Mannl betonte, die Expressbusse seien nur eine „vorübergehende Überbrückung“. Also doch eine Zukunft für die Stadtbahn? Doch was sich in den kommenden Jahren grundlegend an den Stadtfinanzen oder an den Problemen der Trassenführung ändern soll, blieb offen.
Auch weitere Fragen wurden in der Gemeinderatssitzung nicht beantwortet – die Unsicherheiten wirken größer als zuvor. Ändert sich die Förderfähigkeit durch die neuen Überlegungen? Was ist mit dem Ergebnis der Kosten-Nutzen-Analyse? Wer zahlt den geplanten Expressbus?
Manches müsse erst noch mit dem Ministerium geklärt werden, so Matthias Knecht. Andere Fragen sollen zur nächsten Sitzung am 5. November oder zur Entscheidungssitzung am 19. November beantwortet werden.