Wilfried Geissler einigt sich mit der Landesanstalt für Kommunikation auf ein Ende seines Senders. „Ich habe 100 000 Euro verbrannt“, sagt der ehemalige Hausarzt.
Kaum Werbekunden, nur eine überschaubare Zahl an Zuschauern und jetzt noch ein hohes Bußgeld der baden-württembergischen Landesanstalt für Kommunikation (LfK): Sieben Monate nach dem Start stellt der Stuttgarter Mediziner Wilfried Geissler sein Satellitenprogramm Schwarz-Rot-Gold-TV (SRGT) wieder ein. „Zum 31. März beende ich den Sender“, sagte er unserer Zeitung. Er habe viel Zeit und Geld in das Projekt gesteckt. „Ich habe 100 000 Euro verbrannt.“ Jetzt wolle er sich lieber um seine Streuobstwiesen kümmern. Der Sitzrasenmäher steht schon auf seinem Anhänger.
Das von der LfK in der vergangenen Woche verhängte Bußgeld über 195 000 Euro werde er bezahlen, sagte der 64-Jährige nach einer Besprechung mit der Behörde. „Ich akzeptiere den Vorwurf der verbotenen Themenplatzierung.“ Geissler hatte mit seiner Fernsehlizenz einen Astrakanal angemietet und dort täglich sechs Stunden lang das Programm des österreichischen Onlinesenders „Auf1“ übertragen. Weil er damit aus Sicht der LfK lizenzwidrig die Hoheit über die Inhalte seines Senders aus der Hand gegeben habe, schritten die Medienhüter ein.
Verbindungen ins rechtsextreme Milieu
Auf1 („Alternatives Unabhängiges Fernsehen, Kanal 1“) ist eine Webseite, die vor allem Impfgegner, Klimawandelleugner, Verschwörungsgläubige und Putin-Anhänger anspricht. Ihr Chefredakteur Stefan Magnet entstammt der rechtsextremen österreichischen Jugendorganisation „Bund freier Jugend“. Auf1 sei an Reichweite interessiert gewesen, er wiederum habe per Astrasatellit die europaweite Ausstrahlung bieten können, sagte Geissler. Die monatlichen Kosten von 80 000 Euro sollte Auf1 übernehmen.
Er habe die Konstruktion im Vorfeld von einem promovierten Medienanwalt prüfen lassen. Der habe keine Probleme gesehen. „Sonst hätten wir das nie gemacht.“ Inhaltlich „sind unsere Sender aber kongruent“. Einzig Magnets Äußerungen zum Israel-Palästina-Konflikt, den er als Teil eines Endkampfs der Globalisten darstellt, teile er nicht. Er selbst sei Patriot. „Wenn Sie mich rechts nennen, macht mir das nichts aus.“ Weil er für die AfD kandidierte, flog er aus dem Führungszirkel von Michael Ballwegs Querdenken-Bewegung.
TV als Ein-Mann-Betrieb
Während Auf1 über ein professionelles Studio mit einer zehnköpfigen Redaktion verfügt, blieb Geissler ein Ein-Mann-Betrieb. „Ich wusste ja nie, wie lange das hier geht.“ Sein Studio besteht aus einem kleinen Raum mit Computer und Minikameras, in dem er moderierte und die Beiträge selbst schnitt. Inhaltlich beschäftigt sich der ehemalige Möhringer Hausarzt vor allem mit der Aufarbeitung der Coronapandemie – „ich habe vieles richtig vorhergesagt“ – , Gesundheitsthemen und Geldanlagen. Wie viele über Satellit zusehen, ist unklar. Auf Youtube klickten die Filme meist ein paar hundert.
Bei der Finanzierung seines Senders habe er auf Werbekunden gehofft. „Aber da ist leider sehr wenig gekommen“, räumt Geissler ein. Auf1 verfolgt hingegen eine andere Taktik. Sehr massiv wird an die Spendenbereitschaft des verschwörungsgläubigen Publikums appelliert. „Querschenken“ nennt der baden-württembergische Antisemitismusbeauftragte Michael Blume dieses Geschäftsmodell.
Das Bußgeld der LfK ist dafür ein willkommener Anlass. „Das System will uns ausradieren“, sagt Magnet. Nur mit Hilfe der Zuschauer lasse sich die „Horrorstrafe“ begleichen. Wie viel bisher eingegangen ist, weiß Geissler nicht. Er vertraue darauf, dass das Geld bestimmungsgemäß verwendet werde. Zunächst wird er die Buße selbst bezahlen. Er sei Selfmade-Millionär, sagt er. Um flüssig zu sein, verkaufe er jetzt eine Wohnung.