Bilal El Khannouss (li.) legt gegen die Bayern-Stars um Torjäger Harry Kane einen selbstbewussten Auftritt hin. Foto: IMAGO/Sven Simon

Der 21-Jährige kehrt beim VfB in die Startelf zurück – und geht gegen die Bayern forsch voran. Im Saison-Endspurt kann der Marokkaner zu einem wichtigen Faktor werden.

Als er seinen Steckpass schön in den Lauf von Chris Führich gespielt hatte, ehe dieser den VfB beim FC Bayern mit einem gekonnten Schlenzer mit 1:0 in Führung brachte, da hatte sich Bilal El Khannouss endgültig auf der Bundesliga-Bühne zurückgemeldet. Lange hatte es gedauert, für viele Beobachter zu lange, ehe der Stuttgarter Trainer Sebastian Hoeneß den 21-jährigen Offensivstrategen wieder zurück in die Startelf beförderte. Doch nach der Partie von München-Fröttmaning lässt sich mit Sicherheit sagen: El Khannouss, der Afrikameister von 2026, ist wieder im Spiel.

 

Während viele der Kollegen, der junge Innenverteidiger Finn Jeltsch vorneweg, mit der Partie bei den Super-Bayern auch mental überfordert schienen, ging der Marokkaner forsch voran. El Khannouss machte sich auch angesichts der Größe der Aufgabe und der Qualität des Gegners, dessen B-Elf noch immer jeden anderen nationalen Gegner überragt, überhaupt keinen Kopf – und konnte dabei auch auf seinen Spielwitz und seine herausragende Technik setzen. Brust raus und mutig den kommenden Aufgaben entgegen – das ist eine Einstellung, die El Khannouss in München eindrucksvoll vorlebte.

„Wir müssen uns den Mund abputzen – und schnell weitermachen“, sagt Sebastian Hoeneß nun vor dem Halbfinale im DFB-Pokal an diesem Donnerstag gegen den SC Freiburg (20.45 Uhr/ARD). „Wenn wir es schaffen, erneut ins Endspiel von Berlin einzuziehen, dann wäre allein das eine überragende Sache.“ Nicht nur für den VfB-Cheftrainer ist die Partie ein „Do-or-die-Spiel“. Siegen oder rausfliegen – andere Optionen gibt es nicht im Duell mit dem Sport-Club um Trainer Julian Schuster.

Wie in der Bundesliga, als es beim 1:0-Heimerfolg der Stuttgarter Anfang Februar bereits hitzig zuging, wird es auch diesmal zur Sache gehen. Auf Bilal El Khannouss, das ist die Erkenntnis von München, wird Hoeneß zählen können. Immerhin hat der Dribbelkönig, geboren im belgischen Grimbergen und mit 2,4 Millionen Followern auf Instagram der Social-Media-König beim VfB, trotz seiner jungen Jahre fußballerisch bereits einiges erlebt.

35 Länderspiele für Marokko hat der offensive Mittelfeldspieler bislang absolviert, holte 2024 Bronze bei Olympia in Paris. Den bisherigen Höhepunkt bildete dann der Afrikacup, als die „Löwen vom Atlas“ sich den Titel nach einem turbulenten Finale gegen den Senegal letztlich am grünen Tisch sicherten. Bilal El Khannouss ist danach in ein kleines Loch gefallen. So war die Partie in München die erste in der Bundesliga über die volle Spieldauer für den Nordafrikaner in diesem Jahr. Dreimal in Folge war er zuvor nicht in der Startelf gestanden. Für einen natürlichen Leader, zu denen El Khannouss beim VfB schon jetzt zählt, ist dies ein Rückschlag.

Dass der VfB die Leihe des Spielers, der von Leicester City aus England kam, letztlich für 18 Millionen Euro plus Boni an Ablöse in eine feste Verpflichtung bis 2030 ummünzen konnte, ist dagegen ein sehr gutes Geschäft. Ein paar der Neuzugänge vor der laufenden Saison – etwa Badredine Bouanani oder Lazar Jovanovic – funktionieren bisher noch nicht. Bilal El Khannouss dagegen ist ein Volltreffer. Auch, weil er in seiner Entwicklung mit 21 Jahren längst nicht am Ende ist.

WM 2022, Spiel um Platz drei: Der junge Bilal El Khannouss (re.) im Duell mit Kroatiens Starspieler Luka Modric. Foto: IMAGO/NurPhoto

Als 18-Jähriger war der „Billy“, wie sie beim VfB sagen, schon bei der WM 2022 mit dabei – wurde in Katar aber nur im gegen Kroatien verlorenen Spiel um Platz drei eingesetzt. „Wir müssen diesen Reifeprozess mitnehmen. Dann können wir vielleicht in ein paar Jahren noch aktiver ganz oben mitspielen“, sagte der VfB-Kapitän Atakan Karazor nach dem 2:4 von München, wo für die Stuttgarter vor allem nach rund einer halben Stunde kurz Land unter war, als die Bayern drei Tore machten.

Um sich als Team weiterzuentwickeln, sind gerade junge Führungsspieler wie Bilal El Khannouss von großer Bedeutung. Andere, wie etwa der fünf Jahre ältere Nikolas Nartey, 26, haben es da aktuell schwerer, sich im Ringen um die Startelfplätze im offensiven Mittelfeld durchzusetzen. Seit die Verhandlungen um eine Vertragsverlängerung des Dänen ins Stocken geraten sind, ist Nartey auch sportlich ein wenig ins Hintertreffen geraten.

„Wir haben es in der Liga weiter in der eigenen Hand. Auch das ist eine gute Ausgangsposition“, sagt derweil der Trainer Hoeneß mit Blick auf den Saison-Endspurt. Bremen, Hoffenheim, Leverkusen und Frankfurt heißen die Gegner in der Liga, über die letztlich Platz vier gesichert und die Qualifikation für die Champions League erreicht werden soll.

Für Bilal El Khannouss würde die Königsklasse dann erstmals die Chance bieten, sich auf der ganz großen Bühne des europäischen Clubfußballs zu präsentieren. Angst vor der Aufgabe, das ist spätestens seit dem Auftritt von München klar, die kennt der junge Marokkaner nicht.