Sollte Angelo Stiller (li.) den VfB in diesem Sommer verlassen, ist der Ex-Nürnberger Caspar Jander vom FC Southampton ein ganz heißer Kandidat auf seine Nachfolge. Foto: Baumann/Volker Müller; Imago/Pro Sports Image

Der VfB baut für den Fall vor, dass Angelo Stiller den Verein im Sommer verlassen sollte. Was zudem mit Chema und Nikolas Nartey wird, auch das ist clubintern entschieden.

Der ursprüngliche Ablaufplan sah eigentlich mal ein anderes Szenario vor. Doch nun ist es schon vor Saisonende quasi mit Brief und Siegel heraus, dass sich der Mittelfeldspieler Grischa Prömel von der TSG Hoffenheim von der neuen Saison an mindestens bis in den Juni 2029 dem VfB Stuttgart anschließen wird.

 

Gerne hätte man die Einigung mit dem ablösefreien Prömel, 31, bei den Cannstattern noch ein wenig unter der Decke gehalten, da man einerseits am 2. Mai noch im direkten Bundesliga-Duell um die Champions-League-Plätze bei der TSG Hoffenheim in der Arena in Sinsheim antritt. Außerdem will niemand rund ums rote Clubhaus unnötig Staub aufwirbeln in Bezug auf die Zusammenstellung des Kaders für die neue Saison, die natürlich bereits in vollem Gange ist. Kein Spieler soll in der heißen Saisonphase abgelenkt werden.

So könnte sich ja beispielsweise der amtierende Kapitän Atakan Karazor fragen, wo denn künftig sein Platz in der VfB-Elf sein soll mit dem ebenfalls erfahrenen Mittelfeld-Beackerer Prömel in seinem Team? Trotz des Umstandes, dass Prömel im Kraichgau einen Tick offensiver spielt als Karazor in Cannstatt, steht fest: Es kommt Bewegung ins zentrale Stuttgarter Mittelfeld, wo in der neuen Runde womöglich vieles anders ist als zuvor.

Denn die Planungen im Maschinenraum des VfB-Spiels gehen weiter. Sie beschäftigen sich auch mit einem Alternativszenario zu der Personalie Angelo Stiller. Schließlich gehört der gebürtige Münchner wie seine beiden Kollegen, Außenstürmer Jamie Leweling und auch der Innenverteidiger Jeff Chabot, zu den Spielern, die intern – anders als etwa Ramon Hendriks – nicht grundsätzlich in die Kategorie „unververkäuflich“ eingestuft sind. Voraussetzung ist aber jeweils, dass der Preis stimmt. Ein offizielles Preisschild, wie medial etwa im Falle Stillers mit einer Summe von 50 Millionen Euro kolportiert, gibt es dabei aber für keinen des Trios.

Klar ist auch, dass niemand Angelo Stiller und Co. beim VfB aktiv vom Hof jagen möchte. Zumal gerade der Mittelfeldmotor als verlängerter Arm des Trainers auf dem Platz bei Sebastian Hoeneß enorme Wertschätzung genießt.

Dennoch ist aus Stillers Umfeld hinterlegt, dass ein Wechsel im Sommer denkbar wäre (wir berichteten). Zumal immer noch die Hoffnung besteht, dass der Mittelfeldspieler zur WM fährt und hier ebenfalls auftrumpft.

Der VfB blitzt im Vorjahr in Nürnberg ab

Daher haben die Stuttgarter Bosse um den Sportvorstand Fabian Wohlgemuth auch ein Szenario ohne Stiller entworfen. Dabei spielt Caspar Jander quasi als Schattenmann des VfB-Lenkers die zentrale Rolle. So wird dem 23-Jährigen zugetraut, im Alternativszenario eine Führungsrolle im VfB-Mittelfeld zu übernehmen. Jander ist ein ehemaliger U-21-Nationalspieler des DFB – und lief bis zur Vorsaison für den 1. FC Nürnberg in der zweiten Liga auf. Schon im Vorsommer hätte der VfB den Blondschopf gerne verpflichtet, bot seinerzeit rund neun Millionen Euro an Ablöse. Doch das war dem Club zu wenig, der im Falle der Stuttgarter rund 15 Millionen Euro aufrief, ehe Jander letztlich für zwölf Millionen Euro zum FC Southampton in The Championship, die zweite englische Liga, wechselte.

Dort hat Jander mit bisher 32 Saisoneinsätzen eine gute Entwicklung genommen. Und Southampton besitzt noch Chancen auf den Aufstieg. Im Viertelfinale des FA-Cup schlug man unlängst den FC Arsenal mit 2:1, wobei der Deutsche über die volle Distanz spielte; im Halbfinale tritt man nun bei Manchester City an. Das Zwischenfazit des VfB lautet daher: Mit Caspar Jander würde man einen Spieler verpflichten, der bereits weiter ist, als es einst Angelo Stiller im Sommer 2023 als Neuzugang von der TSG Hoffenheim war.

Gegen den FC Arsenal gewannen Jander (re.) und Southampton im Viertelfinale des FA-Cups mit 2:1. Foto: IMAGO/Pro Sports Images

Allerdings ist der Ex-Nürnberger anders als Stiller, der damals relativ bescheidene 5,5 Millionen Euro an Ablöse kostete, nicht billig. So wäre der gebürtige Münsteraner, der in England noch einen Vertrag bis 2028 besitzt, nicht unter 22 Millionen Euro zu haben. Eine Summe, die der VfB ohne einen Stiller-Verkauf und ohne den Einzug in die Champions League nicht so ohne Weiteres stemmen könnte. Allerdings sind die Chancen auf die Königsklasse als aktueller Dritter beim VfB durchaus intakt.

Ob mit Champions League oder ohne – so soll es in der neuen Runde im Mittelfeld auf jeden Fall mit dem jungen Spanier Chema weitergehen. Denn beide Seiten, der Spieler und der VfB, wissen, was sie aneinander haben. Und von etwaigen Planungen Real Madrids, den Spieler für 13 Millionen Euro wie vertragsgemäß möglich in diesem Sommer wieder zurückzuholen, ist bislang nichts zu hören.

Bleibt mit Blick auf das zentrale Mittelfeld noch die Personalie Nikolas Nartey. Nach fast zwei Jahren Verletzungspause hatte der junge Däne im Vorsommer einen stark leistungsbezogenen Vertrag mit einem für die Branche sehr geringen monatlichen Fixbetrag erhalten. Dieser wurde nun mittels eines neuen Angebots angehoben, wobei aber die leistungsbezogene Komponente weiter bestehen bleiben soll. Die Beraterseite des Spielers hat da andere Vorstellungen – und verweist unter anderem darauf, dass Nartey inzwischen A-Nationalspieler Dänemarks ist. Doch die Stuttgarter haben weiterhin die möglicherweise auch künftig mal wieder labile Gesundheit des Spielers im Blick. Daher ist bislang offen, ob beide Parteien letztlich zusammenfinden.