Es lief nicht alles glatt in der Karriere von Milan Petrovic – nun hat er sich einen Stammplatz in der Abwehr der Stuttgarter Kickers erkämpft. Was hält er von der neuen Dreierkette? Wie schätzt er die Chancen im Duell bei seinem Ex-Club TSG Hoffenheim II ein?
Er kennt die Spieler. Er kennt den Trainer. Deshalb räumt Milan Petrovic gleich zu Beginn mit einem immer wieder einmal kursierenden Gerücht auf, die TSG 1899 Hoffenheim II hätte womöglich gar kein Interesse an der dritten Liga. „Die wollen alle unbedingt aufsteigen. Sie werden alles raushauen – gerade auch gegen uns“, sagt der Innenverteidiger des Fußball-Regionalligisten Stuttgarter Kickers vor dem Schlagerspiel am kommenden Sonntag (14 Uhr) im Dietmar-Hopp-Stadion. Seine Ambitionen hat das Team von Coach Vincent Wagner am Dienstag mit dem 4:0 in Trier unterstrichen, der Vorsprung auf die Blauen wuchs auf elf Punkte an.
Rückschläge in Hoffenheim
Bis zum vergangenen Sommer war Petrovic zwei Jahre lang im Kraichgau am Ball. Wobei er die meiste Zeit mit Verletzungen zu kämpfen hatte. Anfang September 2022 zog sich der 22-Jährige einen Kreuzbandriss zu, es folgten Meniskusprobleme, weshalb Petrovic erst Anfang des vergangenen Jahres wieder richtig angreifen konnte und auch beim 5:0 gegen die Kickers am 30. März 2024 in der Hoffenheimer Anfangself stand.
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Der nächste Rückschlag folgte dann am vorletzten Spieltag, als er Rot sah – und deshalb auch noch die ersten beiden Regionalliga-Spiele der neuen Saison gesperrt war.
Warten auf die Chance
Das machte seinen Start bei den Blauen nicht leichter. In der Innenverteidigung setzte Trainer Marco Wildersinn auf das Duo Brian Behrendt/Nyamekye Awortwie-Grant. Nach dem passablen Saisonbeginn gab es wenig Gründe, im Abwehrzentrum etwas zu ändern. Erst nach der Muskelverletzung von Behrendt am 24. November 2024 rutschte Petrovic ins Team und steht seitdem dauerhaft in der Startelf. „Manchmal muss man eben Geduld aufbringen und dann seine Chance nutzen, wenn man sie bekommt“, sagt der gebürtige Esslinger mit den serbischen Wurzeln.
Beim TSV Wäldenbronn hat er mit Kicken begonnen. Den Esslinger Fußballlehrer Martin Hägele („Milan ist ein ehrgeiziger Vollblutfußballer, der für seinen Sport lebt“) bezeichnet er als seinen Mentor. In der U 15 ging es für Petrovic zum VfB Stuttgart, im ersten A-Jugend-Jahr zog er weiter zum SSV Ulm 1846. Bei den Spatzen hatte er unter Trainer Thomas Wörle als U-19-Spieler 18 Einsätze im Regionalliga-Team, nebenbei machte er sein Abitur. „Wörle gab mir das Vertrauen, ihm habe ich sehr viel zu verdanken“, sagt der Abwehrmann im Rückblick. 2022 holte ihn dann die TSG 1899 Hoffenheim II, die schon in der U 13 und U 17 bei ihm angeklopft hatte, ehe er vor der vergangenen Saison das Angebot der Kickers annahm.
Mehr verbale Führung
Dort sind sie froh, dass sie ihn haben. „Milan ist ein richtig guter Zweikämpfer, er bringt beim Spielaufbau viel Ruhe am Ball mit, und er ist sehr wissbegierig, mit viel Lust auf Austausch“, lobt ihn Wildersinn. Hinzu kommen sein gutes Auge und seine Antizipationsfähigkeit. Was sich der Trainer von seinem zentralen Abwehrstrategen wünscht, ist noch mehr verbale Führung und Steuerung von hintenraus.
Petrovic weiß das selbst: „An der Kommunikation arbeite ich, genauso wie an ein bisschen mehr Explosivität in allen Richtungen und an meinem Offensivkopfball.“ Der 1,88-Meter-Mann wirkt langsamer, als er tatsächlich ist. Wenn er ins Rollen kommt, ist er nur schwer zu bremsen. Seine Vorbilder in Sachen Spielweise und Mentalität passen ins Bild: Für den Sympathisanten von Real Madrid und Roter Stern Belgrad sind dies Virgil van Dijk und Sergio Ramos.
Dreierkette funktioniert
Nun geht es am Sonntag also zu seinem Ex-Club Hoffenheim. Alles deutet darauf hin, dass die Kickers zum dritten Mal in Folge mit einer Dreierkette agieren werden. Petrovic ist dabei der zentrale Mann, sichert die Tiefe ab. Seine Nebenleute Paul Polauke rechts und Mario Borac links haben ihre Stärken eher im Vorwärtsverteidigen. „Das passt gut. Wir haben einen Mann mehr im Abwehrzentrum, das gibt uns etwas mehr Sicherheit, wir stehen stabil“, sieht Petrovic die System-Umstellung positiv und hofft, dass wie beim FSV Frankfurt wieder die Null hinten steht.
Wenn dann vorne mindestens ein Tor geschossen wird, hätten die Blauen im Titelrennen wieder ein Fünkchen Hoffnung. Legen sie im Nachholspiel am 9. April (19 Uhr/Gazi-Stadion) gegen den SGV Freiberg nach, wäre das Wildersinn-Team immerhin wieder auf fünf Punkte dran.