Mikhail Pochekin ist ein grandioser Künstler. Foto: /Köppen

Der international renommierte Geiger Mikhail Pochekin spielte in Grafenau Partiten und Sonaten von Johann Sebastian Bach.

Es gibt kaum eine Violin-Solo-Komposition, die so anspruchsvoll und gleichzeitig so emotional ist wie Bachs Partiten und Sonaten. Insofern war es eine mutige Wahl, vier davon am Samstag in der Leonhardskirche in Dätzingen als einzigen Programmpunkt durch den russischen Geiger Mikhail Pochekin aufführen zu lassen. Am Ende belohnten der begeisterte Beifall samt einiger Bravi den Kulturkreis für diesen Mut.

 

Selbst der Komponist Claude Debussy, als Musikkritiker und Kommentator anderer Komponisten-Kollegen alles andere als zurückhaltend, bekannte: „Das Violinkonzert von Johann Sebastian Bach ist so groß, dass man ernstlich nicht mehr weiß. wo man sich hinsetzen soll, um des Anhörens würdig zu sei.“

Der renommierte Geiger wirkte äußerst sympathisch

Die legendäre Chaconne der d-Moll-Partita ist der einzige, zudem lange Variationssatz in Bachs Kammermusik. Violinspezialist und -pädagoge Siegfried Pöllmann: „Es war ein musikalisches Großereignis, das eine immense Herausforderung für den Geiger bedeutet. Gerade die vielfältigen Klangfarben zum Beispiel in der Sarabande der d-Moll Partita klangen überzeugend. Der Geiger bewies Mut zur extremen Dynamik, die ich so fast noch nie gehört habe, großartig war das Spiel in äußersten Pianissimi, das die Zuhörer zur Konzentration zwang und in den Bann zog. Er machte die an sich logisch konzipierten Tänze zu erzählerischen Ereignissen.“

Der in ganz Europa renommierte, 34-jährige Musiker Pochekin ist nicht nur ein grandioser Künstler, sondern hatte auch die Akustik der Kirche auf seiner Seite. Sein Instrument klang kerniger und voluminöser als in einem normalen Kammermusiksaal mit weniger Nachhall. Der äußerst sympathisch wirkende Geiger verfügt über alle Weltklasse-Eigenschaften, die ein Interpret dieser Werke haben muss.

Pochekin gelang ein Spannungsbogen von der ersten bis zur letzten Note

Obwohl es keine ausgesprochenen Virtuosenstücke sind, sind die Anforderungen an die Geigentechnik schwindelerregend, so etwa das rasende Corrente-Presto aus der h-Moll-Partita. Einer der Höhepunkte war natürlich auch die legendäre Chaconne der d-Moll-Partita, die bekanntlich Ferruccio Busoni und Johannes Brahms (nur linke Hand) zu eindrucksvollen Klavier-Transkriptionen veranlasst hat.

Pochekins Fähigkeit, auf den vier Saiten seiner Geige Töne übereinander und nebeneinander zu Klanggebäuden zu schichten, war phänomenal. Die Vitalität und Souveränität seines Geigenspiels war auch ein Garant dafür, dass die knapp zwei Stunden auf einem Soloinstrument wie im Fluge vergingen, denn der Spannungsbogen blieb von der ersten bis zur letzten Note erhalten. Sollte man nach solch einer Gipfelleistung eine Zugabe spielen? Wenn es sich um das Largo aus der dritten Violin-Solosonate von Johann Sebastian Bach handelt - ja!

Es war nicht das einzige Gastspiel von Pochekin in Grafenau. Bereits am Vortag staunten etliche Kinder aus der Gemeinschaftsschule im bestens gefüllten Graf-Ulrich-Bau, wie tänzerisch und rasend schnell ein Mensch auf vier Saiten, die über ein kleinen Holzkasten gespannt sind, musizieren kann. Die lebhafte Fragestunde musste sogar ausgedehnt werden, weil der Wissensdurst gerade bei den Jüngeren überraschend groß war. Organisiert hatte dies der Lehrer Stefan Mack, der am Tag darauf auch im Konzertpublikum saß.