Miriam Hirsch trainiert bei der TuS Metzingen auch eine brasilianische Nationalspielerin und schätzt die Chancen der deutschen Handballerinnen im WM-Viertelfinale ein
Die deutschen Handballerinnen gehen als Favorit ins Viertelfinale der Handball-WM gegen Brasilien (Dienstag, 17.15 Uhr/ZDF). Miriam Hirsch, Trainerin des Bundesligisten TuS Metzingen, warnt dennoch.
Frau Hirsch, Brasilien hat zuletzt gegen Norwegen mit 14:33 verloren. Das sieht nach einem krassen Klassenunterschied aus – oder?
Norwegen ist derzeit eine absolute Übermannschaft, die nie aufhört, Gas zu geben. Sie hatten Tschechien davor sogar mit 37:14 deklassiert. Dass es gegen Brasilien auch so deutlich wird, hätte ich nicht gedacht, aber unser Viertelfinalgegner hat eben auch früh angefangen, wichtige Spielerinnen zu schonen.
Zum Beispiel Gabriela Bitolo, die bei Ihnen in Metzingen spielt?
Genau. Sie hatte davor mehr Spielanteile. Auch Bruna de Paula wurde früh rausgenommen, sie ist eine der besten Spielerinnen der Welt. Sie hat eine unglaubliche Athletik und ein extrem starkes Eins-gegen-eins-Verhalten. Das war auf jeden Fall eine ganz bewusste Entscheidung von Brasiliens Trainer Cristiano Silva, zumal sie einen Tag weniger Regenerationszeit haben als Deutschland.
Besteht irgendeine Gefahr für das DHB-Team?
Im Handball besteht immer eine Gefahr. Brasilien kommt über die Emotionen und tritt ähnlich geschlossen auf wie Deutschland. Ihre Abwehr musst du erst mal knacken. Das haben wir auch bei unserem 24:30 mit TuS Metzingen in der WM-Vorbereitung gegen Brasilien gesehen.
Aber?
Unser Team ist in der Breite deutlich besser besetzt, hinzu kommt der Heimvorteil. Ich habe diese mega Stimmung am Samstag in der Westfalenhalle selbst miterlebt. Das ist schon eine Macht, wenn 10 000 Leute für Deutschland schreien. Dennoch gilt es, wachsam zu sein, eine Bruna de Paula muss gut verteidigt werden, die Torhüterinnen dürfen nicht warm geschossen werden.
An der klaren Favoritenrolle für Deutschland gibt es keinen Zweifel?
Deutschland ist definitiv Favorit. Wenn unsere Mannschaft, wie bisher, mit so viel Energie in der Deckung steht, mit einer guten Torhüterin dahinter, dann wird sie – aufgrund der vielen Wechselmöglichkeiten – mit ihrem Tempospiel über 60 Minuten auch Brasilien überrennen können. Auf diese Tugenden müssen sich unsere Spielerinnen konzentrieren, dann werden sie das Spiel ziehen.
Das berühmte Zitterhändchen bei K.-o.-Spielen ist nicht zu befürchten?
Wenn das aufkommt, dann hätten wir ein Problem. Doch ich nehme das Team unter Markus Gaugisch als gereifter, intakter und gestärkter in sich selbst wahr, als in den vergangenen Jahren. Und für solche Spiele trainierst du ja auch die mentale Schiene.
Wie weit kommt das DHB-Team?
Auf Norwegen können wir frühestens im Finale treffen. Das ist schon mal kein Nachteil. Ich bin immer positiv, glaube fest an die deutsche Mannschaft, dass wir es ins Finale schaffen. Und wenn du da drin bist, bist du nicht chancenlos, dann entscheidet die Tagesform.
Zur Person
Karriere
Miriam Hirsch (34) wurde in Dachau geboren. Die A-Lizenz-Inhaberin trainierte von 2021 bis 2024 den Drittligisten HSG Würm-Mitte, danach den Drittligisten HCD Gröbenzell, ehe sie am 16. Dezember 2024 den Bundesligisten TuS Metzingen übernahm. Dort läuft ihr Vertrag bis 30. Juni 2027. Vor ihrer Tätigkeit in Metzingen war Miriam Hirsch hauptberuflich als Bereichsleiterin bei der Bundesagentur für Arbeit tätig. Sie ist verheiratet. (jüf)