Nach juristischem Sieg über die Stadt sucht die Table-Dance-Bar Messalina im Leonhardsviertel einen neuen Mieter. Betreiber John Heer sagt, er habe „die Schnauze voll von Stuttgart“.
Die Table-Dance-Bar Messalina im Leonhardsviertel steht vor einem Betreiberwechsel. Auf der Immobilienplattform Immoscout24 wird derzeit ein neuer Mieter für die Location gesucht. Für viele kommt das überraschend. Denn erst kürzlich hatte Eigentümer und Betreiber John Heer mit dieser Immobilie vor Gericht einen Erfolg erzielt.
Die Stadt Stuttgart war mit ihrer Berufung gegen ein Urteil des Verwaltungsgerichts gescheitert. Der Verwaltungsgerichtshof (VGH) Baden-Württemberg entschied, dass die Messalina-Bar kein erlaubnispflichtiges Prostitutionsgewerbe ist. Damit bestätigten die Richter die erstinstanzliche Entscheidung zugunsten Heers.
John Heer: „Genug von den ständigen Unterstellungen“
Trotz dieses juristischen Erfolgs will sich der Betreiber nun aus dem Geschäft mit Table Dance zurückziehen. „Ich habe die Schnauze voll von Stuttgart und diesen ständigen Unterstellungen mir gegenüber, die dann per Gericht ausgetragen werden“, erklärt John Heer auf Anfrage unserer Redaktion. Auch die Wirtschaftspolitik von Oberbürgermeister Frank Nopper (CDU) trage aus seiner Sicht dazu bei, dass Unternehmer die Stadt verlassen wollten.
Die Bar laufe nach seinen Worten „sehr gut“. Dennoch wolle er die Rolle des Betreibers abgeben. Auf Immoscout24 wird das Objekt – ohne Namensnennung, aber mit der korrekten Adresse im Leonhardsviertel – als „Stuttgarts schönste Table-Dance-Bar“ angeboten. Die monatliche Miete beträgt 7000 Euro, die Gesamtfläche 130 Quadratmeter, davon 74,5 Quadratmeter Gastraum. Als Kaution werden 35.000 Euro verlangt. Nach Angaben des Eigentümers gibt es bisher zwei ernsthafte Interessenten.
John Heer plant Rückzug: Verkauf von Laufhaus und Bar
Langfristig plant der frühere OB-Kandidat einen vollständigen Rückzug aus der Stuttgarter Altstadt. Auch von seinem Laufhaus will er sich trennen. Dieses habe er der Stadt Stuttgart bereits zum Kauf angeboten. Sein Plan: Zuerst soll die Vermietung der Table-Dance-Bar erfolgen, danach will er das Laufhaus beenden. Oder ist diese Ankündigung nur Teil einer Taktik, um die Verkaufsaussichten zu erhöhen?
„Das ist Akrobatik an der Stange“
Das Messalina nimmt nach Heers Angaben eine besondere Stellung im Stuttgarter Nachtleben ein. Es sei die einzige Table-Dance-Bar der Stadt, in der auch Frauen ausdrücklich willkommen seien. Bei Junggesellinnenabschieden werde für die Gäste schon mal ein männlicher Stripper engagiert. Vor einiger Zeit war sogar Axl Rose von Guns N’ Roses da. „Was bei uns die Tänzerinnen an der Stange zeigen, ist oft akrobatisch“, sagt Heer.
Geöffnet ist die Bar werktags von 22 bis 3 Uhr, an Wochenenden bis 5 Uhr morgens. Wie es mit dem Messalina weitergeht, hängt nun davon ab, ob sich ein neuer Betreiber findet – und welche Zukunft dieser dem Table Dance im Leonhardsviertel geben will.
Juristisches Tauziehen um Leonhardsviertel beginnt
Um die Zukunft der Altstadt hat ein juristisches Tauziehen begonnen, das sich über Jahre hinziehen könnte. Bis dahin sind der Stadt Stuttgart die Hände gebunden, die Laufhäuser, wie vom Gemeinderat gewünscht, aus diesem Quartier zu verbannen. Der Verwaltungsgerichtshof (VGH) Mannheim bestätigt, dass bei ihm ein sogenannter Normenkontrollantrag eingegangen ist mit dem Ziel, den Bebauungsplan für ein rotlichtfreies Quartier rund um die Leonhardstraße für unwirksam zu erklären.
Die Prostitution im Leonhardsviertel kann also vorerst weitergehen – obwohl die Stadt genau dies verhindern will. Ende 2024 hatte der Gemeinderat den Plan gefasst, die Altstadt umzugestalten, um die „künftige Entwicklung des Viertels sozial und städtebaulich zu steuern“, so heißt es in der Begründung aus dem Rathaus. Schwerpunkte sind Wohnen, Handel, Kultur und Bars. Doch die Realisierung dieser Pläne ist ein Fall für die Gerichte geworden. Und niemand weiß, wie schnell sie sind.