Habt ihr auch schon mal Besteck aus der Mensa mitgehen lassen? Tassen, Löffel und Gabeln kommen in der Uni-Mensa besonders schnell abhanden. Ist es Diebstahl oder nur Unachtsamkeit?
Ein leerer Bauch studiert nicht gern, sagt der Volksmund, weshalb der Besuch in der Mensa im Tagesablauf vieler Studierender seit jeher einen festen Platz hat. Neu ist hingegen, dass sich das Geschirr aus Mensen immer größerer Beliebtheit erfreut. Jedenfalls in Mainz, dort waren zuletzt in der Mensa „Bambus“ binnen vier Wochen 450 von 500 neu angeschafften Kuchentellern abhanden gekommen. Das berichtete der SWR. Das Studierendenwerk reagierte, informierte via Instagram über den Geschirrklau und kündigte infolgedessen eine mögliche Preiserhöhung an.
Auch das Studierendenwerk Stuttgart startet jedes Semester einen Aufruf, Geschirrteile und Besteck wieder in die Mensa zurückzubringen. Dieser flimmert dann über die Bildschirme in den Mensen und wird auch über Social Media gestreut. Prinzipiell halte sich der Geschirrschwund aber in Grenzen, sagt die Marketingleiterin Melanie Westphal. Zudem gehe man davon aus, dass nur ein sehr geringer Teil wirklich entwendet werde.
4800 neue Löffel und Gabeln
„Teller oder Schalen gehen auch mal zu Bruch oder Besteck landet versehentlich mit der Serviette im Mülleimer statt auf dem Förderband zur Spülküche“, sagt Melanie Westphal. Im vergangenen Jahr habe man für alle Cafeterien und Mensen zusammen 4800 Löffel und ebenso viele Gabeln nachbestellt. Neues Geschirr habe man 2025 nicht gebraucht. „Dieses ordern wir alle paar Jahre, dann ist es preiswerter“, sagt die Marketingleiterin.
In früheren Zeiten seien häufiger Porzellantassen weggekommen. Doch seitdem man auf das Pfandsystem Recup umgestellt habe, gebe es keine Probleme mehr. Mittlerweile nutze man auch die Rebowl für Gäste, welche ihr Essen gerne mitnehmen wollten. Zurückgeben können die Studierenden das Pfandgeschirr seit diesem Jahr auch an speziellen Automaten. Einweggeschirr habe das Studierendenwerk Stuttgart weitestgehend abgeschafft – „aus Gründen der Nachhaltigkeit“, sagt Melanie Westphal.
Das Studierendenwerk Stuttgart betreibt aktuell neun Mensen und neun Cafeterien an den Hochschul-Standorten in Stuttgart-Stadtmitte und Stuttgart-Vaihingen sowie in Ludwigsburg, Esslingen, Göppingen und Horb. Insgesamt bis zu 7000 Essen am Tag werden dort verkauft. Die größte Mensa ist die in Vaihingen. Studierenden und Mitarbeitende der Uni verspeisen dort durchschnittlich 3500 bis 4000 Essen pro Tag.
„Kein gezielter Diebstahl“
Für die Mensa in Hohenheim zeichnet das Studierendenwerk Tübingen-Hohenheim zuständig. „Geschirrschwund ist grundsätzlich auch bei uns ein Thema. Jährlich müssen wir eine nicht unerhebliche Anzahl an Kaffeebechern, Besteck, Tellern und anderem Geschirr ersetzen“, sagt der Pressesprecher Philipp Mang. Er ergänzt aber auch: „Nach unserer Erfahrung handelt es sich dabei meist nicht um gezielten Diebstahl, sondern vielmehr darum, dass Geschirr aus Mensen und Cafeterien in angrenzende Institutsgebäude oder Büros mitgenommen wird und von dort nur selten zurückkehrt.“
Überdurchschnittliche Verluste gebe es aber nicht, weshalb man auch keine Statistik darüber führe, was genau abhanden komme und wie hoch der finanzielle Schaden sei. Um dem Geschirrschwund entgegenzuwirken, setze das Studierendenwerk vor allem auf Sensibilisierung, etwa durch Hinweise und Plakate sowie durch direkte Ansprache bei Mensa-Touren.