Ausnahmesolistin: Patricia Kopatchinskaja.   Foto: swr/Eric Melzer

Das Rotterdams Philharmonisch Orkest und Patricia Kopatchinskaja begeistern beim Meisterkonzert in der Liederhalle.

Wenn es eine Musikerin gibt, die so gar nicht jenem Ideal der klassischen Premiumsolistin entspricht, wie es etwa in der Person von Anne Sophie Mutter verkörpert wird, dann ist es wohl Patricia Kopatchinskaja. Das fängt bei der Kleidung an, mit der sie, in der Regel barfüßig, auf die Bühne kommt – an diesem Abend war es eine Art roter Kimono in XXL- Format – und hört bei ihrer Spielweise, zum Glück, nicht auf. Faszinierend, wie die gebürtige Moldawierin nun am Montagabend beim Konzert mit dem Rotterdams Philharmonisch Orkest die ehrwürdige Meisterkonzertreihe zumindest teilweise gegen den Strich gebürstet hat.

 

Klischees auf die Spitze getrieben

Dabei war ihr Maurice Ravels Konzertrhapsodie „Tzigane“ die ideale Vorlage, bildet doch die Zigeunermusik den Urkern dieses facettenreichen Stücks, mit dem Ravel, nach eigener Aussage, das „Ungarn seiner Träume“ imaginiert hat. Traumhaft, gebrochen, irreal – das charakterisiert die Art und Weise gut, mit der Kopatchinskaja das klischeehaft Folkloristische derart auf die Spitze trieb, dass der ironische Subtext, das latente Als-Ob des Werks exemplarisch hörbar wurde. Manisch, wie eine wild gewordene Roma-Geigerin spielte sie die improvisatorische Soloeinleitung des Werks, nach der ihr das von ihrem Furor merklich animierte Orchester emphatisch folgte.

Der Beifall im Beethovensaal der Stuttgarter Liederhalle war herzlich - und da es noch zeitig war an diesem Abend, gab Patricia Kopatchinskaja mit Musikern des Orchesters noch einige kammermusikalische Einlagen zu: Ravel, Bartók und Milhaud. Mitreißend auch das.

Lahav Shani bleibt hinter den Erwartungen zurück

So fesselnd das war, so konventionell geriet der Rest des von Lahav Shani dirigierten Programms. Begonnen hatten die Niederländer mit der Ouvertüre „Cyrano de Bergerac“ des hierzulande kaum bekannten niederländischen Komponisten Johan Wagenaar. Ein melodienreiches, farbig instrumentiertes Werk, das die technischen Qualitäten des Orchesters ins Licht rückte, ohne dass es einen nachhaltigen Eindruck hinterließ.

Dramaturgisch stand es mit Ravel ebenso wenig in einem Zusammenhang wie die nach der Pause gespielte 3. Sinfonie Beethovens, die man auch schon spannender gehört hat.

Zwar hielt Lahav Shani die Musik immer im Fluss, phrasierte elegant und konnte sich dabei auf die Qualitäten seiner Bläsersolisten immer verlassen.

Insgesamt fehlte jedoch seiner domestizierten, streicherlastigen Interpretation jener revolutionäre Impetus, der die „Eroica“ in ihrer Brisanz tatsächlich begreifbar machen könnte.