OB Fritz Kuhn (re.) war ... Foto: Piechowski

Die Matinee zum 90. Geburtstag des Schauspielers Walter Schultheiß in der Marquardt-Komödie hat OB Fritz Kuhn dazu genutzt, an den SWR zu appellieren, öfter Schwabenserien zu senden.

Die Matinee zum 90. Geburtstag des Schauspielers Walter Schultheiß in der Marquardt-Komödie hat OB Fritz Kuhn dazu genutzt, an den SWR zu appellieren, öfter Schwabenserien zu senden.

Stuttgart - Die Verdienstmedaille des Landes hat er schon, die Ehrenmitgliedschaft der Stuttgarter Schauspielbühnen ebenso – zum 90. Geburtstag von Walter Schultheiß, des wohl bekanntesten schwäbischen Schauspielers in Deutschland, war dennoch eine gewaltige Preis-Steigerung noch möglich. Kollegen, Wegbegleiter, Freunde und Familienmitglieder überreichten ihm am Sonntagvormittag in der Komödie im Marquardt vor etwa 200 Gästen in einer familiären und fröhlichen Feier quasi den schwäbischen Oscar – eine vergoldete schwäbische Brezel. Und das gleich fünfmal nacheinander!

And the Oscar goes to . . . Bei der von den Schauspielern Monika Hirschle und Joerg Adae moderierten Verleihung einer noch nie gesehenen Goldtrophäe mit der größten Strahlkraft des gesamten Schwaben- und Abendlands gab es Nominierungen in fünf Kategorien. Welcher Laudator auch immer den Umschlag öffnete – ein Name stand stets auf dem Zettel: Walter Schultheiß! Der beste Bühnenschauspieler, der beste Maler, der beste Kinoschauspieler, der beste Regisseur und Kameramann von Familienfilmen und so weiter – niemand anderes als Walter Schultheiß konnte es sein!

Nach der zweite Verleihung der Schwabenbrezel mit Goldaufstrich ahnte der 90-Jährige – er saß wie einst Loriot auf dem Bühnensofa und gab hintersinnige Bemerkungen zum Geschehen ab – schon was: „Da brezelt sich was zusammen!“ 

Der frühere Staatssekretär Matthias Kleinert, einer der Laudatoren und ein Freund der Familie Schultheiß, sagte, er „kenne keinen Menschen, der so bescheiden wie Walter ist“. Er zitierte den Jubilar und blickte dabei am gestrigen Wahltag auf OB Kuhn in der ersten Reihe: „Geistig fit ist Walter bis heute geblieben. Wenn er es nicht mehr ist, hat er vor einiger Zeit gesagt, könne er ja immer noch in die Politik.“

Schultheiß ist ein so guter Schauspieler, dass er den privaten Schultheiß hinter einem Schutzschild aus Kalauern gut zu tarnen weiß. Als er sich bedankte für den Artikel zum 90. Geburtstag in den Stuttgarter Nachrichten sagte er: „Das war ein schöner Nachruf.“ Ein Nachruf? Aber nein, den wollen wir noch lange nicht drucken! Wie man am besten mit den Beschwernissen des Älterwerdens umgeht? Schultheiß nimmt es mit Gelassenheit. „Wer nicht sterben will“, sagt er, „muss alt werden.“ 

OB Fritz Kuhn gab sich als früher Fan von Schultheiß zu erkennen. In den 1960ern hörte seine Mutter im Radio immer die „Straßenkehrer“. Die Mutter habe da um Ruhe gebeten: „Der Dings kommt!“ Kuhn philosophierte sogleich über den schwäbischen Ausdruck „Der Dings“ und gab dabei keine so schlechte Figur ab. Der Grüne war schwäbisch-amüsant in der Tradition seines Vorvorgängers Manfred Rommel. Ernst wurde Kuhn, als er einen ihm wichtigen Appell an SWR-Landesdirektorin Stefanie Schneider richtete: Der SWR sollte mehr Schwäbisches ins Programm bringen und könne auf großartige Sendungen wie „König von Bärenbach“ zurückgreifen: „Die haben das Potenzial zum Kult!“

Hannes Stöhr, der Autor des hochgelobten Kinofilms „Global Player“, berichtete, wie gut vorbereitet Schultheiß zu den Dreharbeiten kam: „Er konnte auch die Rollen der Kollegen auswendig.“ Eine Szene sei dem Team unvergessen. Der 90-jähriger Textilunternehmer Bogenschütz, den Schultheiß grandios spielte, besucht in Berlin die Tochter und den jüdischen Schwiegersohn. Sie sprechen über die Kriegserlebnisse des Patriarchen. Schultheiß habe in dieser Szene den Bogenschütz so überzeugend verkörpert, dass sowohl dem Kameramann als auch dem Tonmann die Tränen gekommen seien. Ein Film, der bewegt.

Bewegend bei der Geburtstagsmatinee war auch die Rede von Sohn Götz Schultheiß, der alte Super-8-Filme der Familie vorspielte und sich für die „tiefe Herzensgüte“ seiner Eltern bedankte. Am 90. Geburtstag feierten Walter Schultheiß und seine Frau Trudel Wulle ihren 64. Hochzeitstag.

„Walter ist meist unterschätzt worden“, meinte TV-Autor Felix Huby, der ihm viele Rollen auf den Leib schrieb. „Einer wie Walter Schultheiß hat auch jungen Menschen etwas zu sagen“, lobte Frieder Scheiffele, der Autor der Bäcker-Saga „Laible und Frisch“. Kann es also einen würdigeren Preisträger für die goldene Brezel geben? Schultheiß gehört zu den Schwaben wie die Brezel, der Fernsehturm und das Rössle! Die Schwaben haben ihm viel zu verdanken. 

Außerdem dabei: Intendant und Hausherr Manfred Langner, sein Vorvorgänger Elert Bode, der frühere SDR-Fernsehchef Manfred Strobach, Autorin Regina Faerber, Peter Fries, der Vizevorsitzende des Trägervereins der Schauspielbühnen, Ulrich Bünger, der Bürgermeister von Wildberg, Amando Balarin, der italienische Freund von Schultheiß aus Venedig, und viele andere.

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