Die Stadtwerke Winnenden setzen auf einen Neustart in der technischen Leitung: Martin Leidig ist laut Gesellschafterversammlung abberufen, Jochen Mulfinger übernimmt die Leitung allein.
Hinter verschlossenen Türen hat die Gesellschafterversammlung der Stadtwerke Winnenden in einer nichtöffentlichen Sondersitzung am Donnerstag, 4. Dezember, einen gewichtigen Entschluss über die künftige Ausrichtung des kommunalen Versorgers gefasst: Die technische Geschäftsführung wird neu besetzt – der technische Geschäftsführer Martin Leidig wird mit sofortiger Wirkung abberufen. Übergangsweise führt der kaufmännische Geschäftsführer Jochen Mulfinger die Stadtwerke allein.
Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth, der den Vorsitz der Gesellschafterversammlung innehat, begründet den Schritt in der offiziellen Mitteilung so: „Der Gesellschafter hat nach reiflicher Überlegung entschieden, dass die künftige strategische Weiterentwicklung des Unternehmens frische Impulse in der technischen Geschäftsführung benötigt.“ Welche Überlegungen genau zu diesem Schritt geführt haben, bleibt offen.
Hintergründe bleiben im Dunkeln
Zu den Hintergründen von Leidigs Abberufung äußert sich die Stadt auch auf Nachfrage nicht. Weder interne Gründe noch weiterführende Bewertungen werden genannt. „Da es sich um eine Personalangelegenheit handelt, bitten wir um Verständnis, dass wir keine weiteren Kommentare abgeben werden“, teilt die Pressestelle mit. Bekannt ist lediglich, dass die Suche nach einem dauerhaften Nachfolger bereits begonnen hat.
Die Stadtwerke sind zu 100 Prozent im Eigentum der Stadt Winnenden. In der Gesellschafterversammlung vertreten der Oberbürgermeister und kommunale Vertreter den städtischen Eigentümer – dieses Gremium trägt die Verantwortung für die nun erfolgte strategische Personalentscheidung.
Leidig ist seit 2022 bei den Stadtwerken tätig, damals noch unter seinem früheren Namen Martin Häfele. Nach seiner Hochzeit im Sommer 2024 trägt er den Namen Leidig. Der Maschinenbauingenieur war zuvor Abteilungsleiter für Wasser- und Gasnetz bei den Stadtwerken Schwäbisch Hall. In Winnenden verantwortete er unter anderem das Gasnetz, die Wasserversorgung und den Ausbau der Wärmenetze.
Als der heute 37-Jährige in Winnenden begann, waren die Erwartungen groß: Die damalige Unternehmensführung sah in ihm einen zentralen Mitgestalter der Weiterentwicklung des Dienstleistungsangebots und der Klimaschutzziele der Stadtwerke, insbesondere im Bereich Wärmewende. Auch Oberbürgermeister Holzwarth hatte in seiner Funktion als Aufsichtsratsvorsitzender betont, dass mit seiner Verpflichtung strategische Zukunftspläne an der Spitze des Unternehmens verfolgt würden.
Hoffen auf „neue Energie“
Die Stadtwerke zählen rund 60 Mitarbeitende und beliefern als kommunaler Versorger täglich rund 40.000 Menschen sowie Gewerbe und Unternehmen mit Strom, Gas, Wärme und Trinkwasser. Als vollständig kommunales Unternehmen verbleiben sämtliche Erträge aus der Energieversorgung in Winnenden und fließen in die lokale Infrastruktur, in eigene Energieerzeugung und in die Modernisierung der Winnender Bäder.
Mit der personellen Neuordnung verbindet die Stadt die Erwartung, dass „die technischen Bereiche des Unternehmens künftig mit neuer Energie gestaltet werden“. Welche Akzente die neue technische Leitung setzen wird, ist noch offen – fest steht nur, dass Martin Leidig diese Entwicklung nicht mehr in verantwortlicher Position begleiten wird.