Marktplatzbunker in Stuttgart Was vom Bunkerhotel am Marktplatz übrig ist – in 3D

Von Jan Georg Plavec 

Nur einmal im Jahr öffnet der Marktplatzbunker seine Pforten. Man kann höchstens noch erahnen, dass hier unten einmal ein Hotel stand – auch, weil die Einrichtung heute woanders steht. Wir nehmen Sie mit auf einen 3D-Rundgang unter dem Marktplatz.

Stuttgart - Der bekannteste Stuttgarter Bunker liegt im Herzen der Stadt, unter dem Marktplatz. Einmal im Jahr ist er für Besucher geöffnet – die dann teils länger als eine Stunde anstehen müssen, um hineinzukommen. Dabei bleibt es, auch wenn manch einer das ehemalige Bunkerhotel gern häufiger für die Öffentlichkeit öffnen würde.

Zur Museumsnacht 2017 durften wir uns im Bunker umsehen – noch bevor er für die Massen geöffnet wurde. Dabei entstanden die Fotos, die wir in der Bildergalerie zeigen sowie einige 360-Grad-Bilder aus dem Inneren des 1940 errichteten, auf bis zu 3000 Schutzsuchende ausgelegten Betonbauwerks. Auf Fotos aus dieser Zeit sieht man, wie der komplette Stuttgarter Marktplatz dafür aufgerissen wurde. Die Häuser der Altstadt fielen den Bomben der Alliierten zum Opfer. Der Bunker überlebte und wurde bereits im August 1945 als Hotel genutzt.

Wenn man den Bunker über eine Treppe vom Marktplatz aus betritt, kommt man in diesen Vorraum:

Unter der zwei Meter dicken Stahlbetondecke übernachtete man günstig, das nahmen Nachtschwärmer ebenso in Anspruch wie Künstler, Liebeshungrige oder auch ganz normale Hotelgäste. So ging das vierzig Jahre lang, ehe das Hotel 1985 schließen musste – es hätte zu viel renoviert werden müssen, und mittlerweile gab es in Stuttgart auch genügend andere, modernere Unterkünfte.

In den mehr als dreißig Jahren, die seither vergangen sind, wurde viel über eine Nutzung des Bunkers gesprochen – passiert ist nichts, außer dass die Räume als Lagerstätte für Marktbeschicker genutzt wurden. Vom Hotel blieb nur wenig mehr als die Tapeten aus der Mitte des vergangenen Jahrhunderts, die wegen der unterirdischen Feuchte von Pilzen und Bakterien als „Biotop“ genutzt wurde, wie das im April 2006 erschienene Buch „Bunkerbiotop“ eindrücklich belegt.

Wenn sich heute einmal im Jahr die Massen im Bunker drängen, kann man die Feuchte regelrecht riechen. Die Veranstalter der Museumsnacht tun ihr Bestes und trocknen die Luft im Bunker, lange bevor die Besucher kommen. Es gibt Bier und man kann durch die einstigen Hotelräumlichkeiten schlendern.

Wir haben das mit einer 360-Grad-Videokamera gemacht und das ist das Ergebnis:

Die ehemaligen Hotelzimmer sind allesamt mit unterschiedlichen Tapeten bezogen, das sieht man bis heute. Eng waren die Zimmer, wie dieses Rundumbild zeigt:

Wer heute in den Bunker hinabsteigt, findet nur noch Reste dieser Tapeten und der ursprünglichen Ausstattung. Das liegt auch daran, dass Ausstellungsstücke heute im Spitzbunker am Bahnhof in Stuttgart-Feuerbach zu sehen sind. Dieser Bunker wird vom Verein Unterwelten Stuttgart betrieben und ist eine Art Museumsbunker. Man sieht dort ein Leuchtschild des Bunkerhotels, einige gut erhaltene Tapetenabschnitte, Geschirr und Möbel aus dem Bunkerhotel und sogar einen altertümlichen Staubsauger. Ein weiteres leuchtendes Schild, das den Weg zum Frühstückraum wies, hängt ebenfalls in Feuerbach.

Jener „Frühstücksraum“ ist bis heute in Kritzelschrift unter dem Marktplatz markiert. Wer genau schaut, findet eine alte Preisliste: Das Zimmer 27 Mark, Frühstück 4,35 Mark extra, ebenso den Preis einer Gebühreneinheit fürs Telefon: 50 Pfennig. Zur Museumsnacht wird dieser feuchte, wenig behagliche Bau hübsch ausgeleuchtet und mit Bildern aus der Nachkriegszeit dekoriert. Es ist eine Schau der Kuriositäten, für die Jahr für Jahr Tausende anstehen – auch wenn von ihr fast nichts mehr übrig ist.

Hier werfen wir einen Blick in den Gang des Bunkerhotels:

Wir haben uns auch den Marienplatzbunkergenauer angesehen und durften einen Blick in den Bunker in Stuttgart-Steinhaldenfeld werden. Einblicke in den Diakonissenbunker in Stuttgart-West gewährt diese Bilderstrecke.

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