„timundjani“ sind stets mit Handy unterwegs, um lustige Videos aufzunehmen. Foto: Simon Granville

Jan Bräuninger aus Ditzingen und Tim Greif sind „timundjani“. In ihren Videoclips setzen sie sich mit den Schwaben auseinander. Im Internet werden sie gefeiert – etwa auf Instagram.

„Wir werden mal berühmt.“ Am Anfang wurden Jan Bräuninger und Tim Greif noch belächelt, wenn sie diesen Satz sagten, im Spaß nur, fern der Realität, als Reaktion, wenn ihre Videos kommentiert wurden. Die Clips über Alltägliches waren manchmal sinnfrei, nicht mal komisch. Doch Jan Bräuninger und Tim Greif hatten Spaß daran, es war ein Zeitvertreib. Bis zu einem Skiurlaub vor knapp drei Jahren, in dem einer aus der Gruppe dermaßen schwäbisch redete, dass Jan Bräuninger und Tim Greif viel Spaß – und ihr wiederkehrendes Thema für ihre Videos – gefunden hatten. Seitdem sind Bräuninger und Greif als timundjani im Internet aktiv, zunächst auf Tiktok, inzwischen auch auf Youtube und Instagram mit 113 000 Followern.

 

Jan Bräuniger sagt: „Schwäbisch ist eine Sprache mit Klang“

Sie treten als Vaddr Thomas und Sohn Paule auf, nehmen Alltagssituationen aufs Korn und machen sich über die Schwaben und das Schwäbische lustig, ohne all dies zu verraten. Schließlich sind die beiden echte Schwaben – und das mit Herzblut: „Dialekte gehören zur Heimat“, sagt Jan Bräuninger. Schwäbisch sei Heimat und Familie. Und er fügt an: „Dialekte sind cool. Aber Schwäbisch hört sich am coolsten an.“ Jedenfalls höre es sich deutlich besser an, als wenn man extrem hochdeutsch spreche. Schwäbisch sei „eine Sprache mit Klang“. Dass manch’ Gleichaltrige schwäbisch für peinlich halten oder gar für einen Dialekt der Großelterngeneration, interessiert die beiden nicht. Einerseits. Andererseits ist ihnen durchaus bewusst, dass gerade darin ein Aspekt ihres Erfolgs liegen könnte. „Er redet genauso wie mein Vater“ – solche Reaktionen hätte es bereits gegeben, erzählt Bräuninger aus Ditzingen.

In ihren Videos treiben die beiden das Schwäbische auf die Spitze, Dialekt ebenso wie Lebensart. Damit werden sie inzwischen für die Werbewirtschaft interessant – wenngleich sie sehr auswählen, was sie bewerben.

113 000 Follower haben die beiden auf Instagram. Foto: jug

Aber was macht das Schwäbische aus? Die grundlegende Ablehnung von nicht-schwäbischen Dingen, nennen die beiden ein Beispiel oder sparsam, gar geizig zu sein, sich mit Lob zurückzuhalten nach dem Motto „Ned bruddelt isch g’lobt gnug.“

Für eine Jury, die den Landespreis für Dialekt verantwortet, waren die Videos von timundjani preiswürdig. In der Begründung hieß es: „Mit Witz, Charme und einer ordentlichen Portion Selbstironie nehmen sie klassische schwäbische Stereotypen aufs Korn. Tim und Jani setzen dabei ein klares Zeichen: Dialekte sind kein Relikt der Vergangenheit, sondern lebendig und ein wichtiger Teil unserer Identität und Kultur.“ Timundjani hätten sich mit ihrem „Schwäbischen Qualitätscontent“in den sozialen Netzwerken bereits einen Namen gemacht und „eine beachtliche Community“.

Jan Bräuninger aus Ditzingen und Tim Greif aus Vaihingen/ Enz, freut die Auszeichnung natürlich. Gleichwohl ändert sich dadurch nichts an ihrem Ziel, eines Tages vielleicht doch gänzlich davon leben zu können. Sie kennen sich aus der Ausbildung, wurden in demselben Korntaler Betrieb zum Automobilkaufmann ausgebildet. Bräuninger schloss laut der KfZ-Innung als bester Automobilkaufmann in der Region Stuttgart ab. Heute sind sie in unterschiedlichen Betrieben tätig, beide aber als Contentcreator.

In dieser Funktion erschaffen und konzeptionieren sie Inhalte für digitale Medien. Die Ausstattung ist minimalistisch: Paules Vadd’r bekommt einen Bauch, manchmal tragen sie eine Perücke, oft noch eine Brille. So werden sie zu Vater Thomas, Sohn Paul, zu Mutter Sybille und Opa Joggl. Gedreht wird mit der Handykamera. Dafür hätten sie sich entsprechend gute Handys nebst Mikro angeschafft, sagt der 24-Jährige. Was sonst benötigt wird, ist vorhanden oder wird – dank Unterstützung von Familie und Freunden – binnen kurzer Zeit organisiert. „Es sind Alltagssituationen, dann soll es auch wie Alltag aussehen.“

Den rote Faden für die rund ein- bis anderthalb minütigen Videos gebe es vor dem Dreh, die Idee dazu entstünde aus Beobachtungen, aus alltäglichen Gesprächen im Bus, in der Bahn, auf der Straße. Der gesprochene Text entstünde im Moment des Drehens, erzählt Bräuninger. „Es gibt kein Skript.“ (Dieser Text ist bereits in Auszügen im November 2024 erschienen und wurde nun von der Redaktion überarbeitet.)