Im ehemaligen „Café am Markt“ hat ein neues Lokal eröffnet: Lukas Giluk serviert im „Lucky am Markt“ Tortillas und Käsespätzle, Calamares und Fleischküchle – klein portioniert als Tapas.
Bei Tapas denken die meisten wohl an kleine spanische Leckereien wie Tortillas, Calamares, Albondigas oder Datteln im Speckmantel. Und ja, all diese Köstlichkeiten serviert Lukas Giluk in seinem neuen Restaurant „Lucky am Markt“ im Altstadtkern von Waldenbuch. Aber eben nicht nur. Zusätzlich gibt es auch schwäbische Gerichte wie Kässpätzle, Fleischküchle oder Linsen mit Spätzle – aber klein portioniert in Schüsselchen. Tapas auf schwäbisch. „Es ist einfach wunderbar, wenn vier Leute zusammensitzen und auf dem Tisch stehen 13, 14 Schüsseln, die sie sich teilen“, sagt Lukas Giluk über sein Konzept. „Wenn jeder schnabuliert, das ist sehr kommunikativ, die Stimmung ist toll.“
Im März hat Lukas „Lucky“ Giluk sein neues Lokal an der Marktstraße 9 eröffnet. Für ihn, der in Waldenbuch aufgewachsen ist, ist es eine Heimkehr und ein Glücksfall: „Es ist das schönste Gastro-Objekt im Ort“, findet er. Eigentümerin des Fachwerkhauses ist die Stadt Waldenbuch. Bürgermeister Michael Lutz bezeichnet das Gebäude – mit dem Baujahr 1585 eines der ältesten im Ort – als „Schmuckstück der Stadt“. Lange Zeit war es den Waldenbuchern als Café am Markt eine geläufige Adresse, zuletzt hatte die Gastronomenfamilie Dattila Gäste in ihrer Osteria da Maria mit italienischer Küche beglückt. Als sie nach zehn Jahren ihren Pachtvertrag nicht verlängerten, schrieb die Stadtverwaltung 2021 einen Wettbewerb für eine neue Geschäftsidee aus. Aus sechs Bewerbern hat Lukas Giluk den Zuschlag bekommen. „Mein Konzept hat dem Gemeinderat imponiert“, sagt er.
Von der Strandbar kennen die Waldenbucher den Wirt
In der Waldenbucher Gastroszene ist der 41-Jährige, der in Aichtal-Neuenhaus eine Eventlocation betreibt, kein Unbekannter: Als pandemiebedingt viele Leute nicht in Urlaub fahren konnten, verwöhnte er die Daheimgebliebenen auf dem Waldenbucher Marktplatz in einer mit viel Sand aufgefüllten Strandbar mit Cocktails und anderen sommerlichen Genüssen. Das Angebot war so beliebt, dass er auch ohne Corona-Beschränkungen daran festhielt und die Strandbar dieses Jahr zum vierten Mal betreiben wird.
Obwohl bei seiner Bewerbung auf die leere Immobile noch völlig unberechenbar war, wie der Fortgang der Pandemie verlaufen würde, musste Giluk nicht lange zögern. „Es gibt manchmal Chancen im Leben, und entweder greift man zu oder halt nicht“, sagt er, wenngleich er einräumt, doch auch ein paar schlaflose Nächte gehabt zu haben.
Neue Küche, neue Technik, neue Böden für das alte Fachwerkhaus
Bevor es losgehen konnte, musste das alte Fachwerkhaus aber innen erst grundlegend saniert werden. Neue Küche, neue Technik, neue Böden – die Arbeiten zogen sich ein ganzes Jahr lang hin. „Die Stadt investiert 375 000 Euro, und Lukas Giluk nimmt auch Geld in die Hand“, beschreibt Bürgermeister Lutz den finanziellen Aufwand, der betrieben wird und zeigen soll, wie wichtig auch der Stadtverwaltung das Haus und seine gute Belebung ist. „Der Altstadtkern braucht Magneten – neben dem kulturellen Angebot auch bei Speisen und Getränken“, sagt Lutz und bedauert, dass der traditionsreiche Landgasthof Rössle vor Kurzem schließen musste.
Ein Magnet zu werden, diese Zukunft erhofft sich auch Giluk für sein neues Lokal, dem er sich mit Herz und Seele verschrieben hat. „Ich lebe für dieses Projekt“, sagt er. Neben den Klassikern, die immer auf der Karte stehen werden, möchte er zusätzliche Anreize setzen durch spezielle Angebote wie einen thailändischen, einen ungarischen oder einen Spargel-Monat. Außerdem möchte Lukas Giluk in seinem Lokal auch einen Barbetrieb aufleben lassen. Im Erdgeschoss, wo die Vorgänger einen Verkaufsraum hatten, hat Giluk eine Theke eingerichtet. Aber nicht irgendeine, sondern eine, die es so sonst nur in Österreich gibt, wie ihm der Hersteller versichert habe. Das Besondere: Durch eine Scheibe können die Gäste sehen, wie das Bier durch die Leitung läuft.
Der Koch ist Tapas-Profi
Gute Fachkräfte zu gewinnen ist Lukas Giluk, der seine MBA-Masterarbeit speziell zu diesem Thema geschrieben hat, gelungen. Sein Koch, der aus Uruguay stammt, hat zuvor zwanzig Jahre lang auf Mallorca gekocht und kennt sich mit Tapas bestens aus. Eine Küchenhilfe konnte er mit dem Anreiz gewinnen, in einer der beiden Wohnungen oberhalb des Lokals einziehen zu dürfen – in der zweiten Wohnung lebt er selbst. Was seine Gäste betrifft, hofft er, auch jüngeres Publikum zu begeistern. Und die Lücke, die das geschlossene Rössle gerissen hat, möchte er gerne schließen und Feste wie Hochzeiten oder Konfirmationen ausrichten. Ein separater Raum, den er zusätzlich im Erdgeschoss hat, bietet sich dafür an.