Ruben Wahl verkauft sein Gartengrundstück bei Winterbach – einen Bunker gibt es auch. Foto: Weingand

Auf einem Gartengrundstück bei Winterbach liegt ein verborgenes Geheimnis unter der Erde. Gemeinsam mit dem Eigentümer sind wir hinabgestiegen und haben uns in die Dunkelheit begeben.

Die Online-Annonce fällt sofort ins Auge: von einer „Bug-Out-Location“ ist da die Rede, also einem geheimen Rückzugsort. Von einem Gartengrundstück mit eigenem Bunker oberhalb von Winterbach (Rems-Murr-Kreis) , das derzeit zum Verkauf steht. Das macht neugierig: Was steckt wohl dahinter? Wir schreiben den Ersteller der Annonce an.

 

Dieser stellt sich als Ruben Wahl vor, 24 Jahre jung, und er ist bereit, unseren Redakteur vor Ort zu treffen, um diesem das geheimnisvolle Bunkergrundstück zu zeigen. Auf den ersten Blick sieht es aus wie viele in der Region: Hanglage, etwas verwildert, mit schönem Blick ins Remstal und rund einem Dutzend Obstbäumen. Die Besonderheit erschließt sich erst auf den zweiten Blick. Hinter ein paar Hecken und einem kleinen Gerätehäuschen befindet sich eine schwere stählerne Luke im Boden, vom Durchmesser her nur wenig größer als ein Gullideckel.

„Da hat es jemand besonders gut gemeint“ – Zugang zum Bunker erschwert

In den Bunker kommt man nur mit einem komplizierten System aus Schlüsseln und Spezialwerkzeugen – sie sehen robust, aber handgefertigt aus. „Da hat es jemand besonders gut gemeint“, ächzt Ruben Wahl, als er den Verschluss der schweren Luke aufschraubt. Bei unserem Besuch haben wir noch ein Hindernis: Die Kälte. Bei Temperaturen knapp unter Null ist die metallene Luke festgefroren. Zum Glück hat Wahl Werkzeug griffbereit und schafft es, die Tür aufzustemmen. Unten erblicken wir zunächst einmal Dunkelheit.

Vor uns liegt ein schmaler Abstieg – eine Betonröhre, die mehrere Meter nach unten in die Tiefe führt. Über schmale, in die Wand eingelassene Trittstufen aus Stahl gelangen wir hinab. „Achtung, manche davon sind schon etwas brüchig“, sagt Wahl. Sehr beruhigend – und ach ja, Handyempfang gibt es hier unten nicht. Hoffen wir mal, dass unser Gastgeber sich nicht als Psychokiller erweist. Der Abstieg in die Finsternis (einer muss ja voraus klettern) erfordert ein gewisses Maß an Vertrauen.

„Früher war das einmal ein Wasserspeicher“, erklärt Wahl (glücklicherweise kein Serienmörder, sondern selbstständiger Handelsvertreter und sehr freundlich), als er ebenfalls unten angekommen ist. Das massive Betonbauwerk sei vermutlich in den 1930er Jahren erbaut worden. Bis wann es in Betrieb war, kann er nicht sagen. „Als sicheren Lagerraum kann man das hier sicher nutzen. Der Fantasie sind fast keine Grenzen gesetzt“, sagt er. Als Aufenthaltsraum wäre der Bunker wegen einer fehlenden Lüftung aber ungeeignet – zumindest ohne entsprechende Umbauten.

Überraschend taucht ein zweiter Bunker auf

Die Wandstärke beträgt rund einen Meter, innen ist es feucht, aber augenscheinlich schimmelfrei. Unsere Schritte und Worte hallen durch den leeren, rund 20 Quadratmeter großen Raum; wir finden ein paar alte, verrostete Leitungen. „Wohin sie führen, weiß niemand so genau“, sagt Wahl. Ansonsten fällt uns auf, dass die Temperatur hier in der Erde ein paar Grad höher ist als oben. Von außen dringt kaum ein Laut nach hier unten – kein schöner Ort, aber ein faszinierender.

Das Grundstück war auch dann noch für eine weitere Überraschung gut, als es sich schon eine Weile in Wahls Besitz befand. „Unter einem der Büsche an der Oberfläche befand sich längere Zeit eine Art Komposthaufen.“ Aber als der mit der Zeit kleiner wurde, tauchte darunter plötzlich noch etwas auf: eine zweite Luke. Auch diese öffnet Ruben Wahl für uns. Hier geht es sogar noch weiter nach unten – allerdings besteht dieser Bunker tatsächlich nur aus einem etwa einen Meter schmalen, quadratischen Stollen, der direkt nach unten führt. „Möglicherweise kam man dadurch zu irgendwelchen Bedienelementen“, sagt der Besitzer.

Schwere Stahltüren verschließen die beiden Bunkereingänge. Foto: Weingand

Auch abseits davon hat das Grundstück einiges zu bieten. Neben der Luke steht ein kleines Gerätehäuschen, zudem ist irgendwann einmal eine kleine Terrasse angelegt worden. Derzeit liegt alles im Winterschlaf und ist von Schnee und Raureif überzogen – aber gut vorstellbar, dass vor allem das Frühjahr und der Sommer hier richtig idyllisch sein können. Wahl hatte es sich etwa zur Coronazeit als Rückzugsort angeschafft. „Hier ist es einfach schön, und im Remstal gibt es ja einige solcher Stückle“, sagt Wahl. Den Bunker habe er selbst nie wirklich genutzt.

Er stammt aus dem Kreis Göppingen, allerdings zieht es ihn beruflich ins Münchner Umland. „Angesichts der Entfernung kann ich mich um das Grundstück leider nicht mehr kümmern“, erklärt er. Daher hat er die Anzeige auf kleinanzeigen.de online gestellt, um das insgesamt etwa 1100 Quadratmeter große Stückle zu verkaufen – Streuobstfans, Naturfreunde oder Prepper könnten sich dafür interessieren, hofft er. Ihm schwebt ein Preis von 33.000 Euro vor. Wer sich das Grundstück ansehen möchte, kann sich telefonisch unter der Nummer 01 51/68 426 616 melden.