Die Stadt Leinfelden-Echterdingen geht das Sparen auf mehreren Etappen an. Foto: imago/Christian Ohde

Die Stadt Leinfelden-Echterdingen muss sparen: Wo, wird gerade festgezurrt. Verwaltung und Stadträte ziehen an einem Strang, betonen beide Seiten. Ein Stimmungsbild.

Der Stadt Leinfelden-Echterdingen geht wie vielen Kommunen das Geld aus. „Wir haben als Städte und Gemeinden eine der größten Finanzkrisen der Nachkriegsgeschichte zu bewältigen“, sagt Oberbürgermeister Otto Ruppaner. Die Wirtschaft stehe vor einer großen Herausforderung, „die sich auch auf unsere Stadt niederschlägt“. Gleichzeitig steigen die Ausgaben: Leinfelden-Echterdingen muss deutlich mehr Kreisumlage zahlen. Lag diese im Jahr 2024 noch bei 25 Millionen Euro, sei sie im Jahr 2025 auf 36 Millionen Euro nach oben geklettert. Für das Jahr 2029 rechnet die Stadt mit mehr als 40 Millionen Euro allein für diesen Ausgabenposten. „Das ist eine Dynamik, die wir bisher nicht kannten“, sagt der Rathauschef.

 

Die Verwaltungsspitze und die Fraktionen haben sich in einer zweitägigen Tagung mit den Fragen befasst: Was kann sich die Stadt noch leisten? Welche Projekte müssen gestrichen werden? Zu 161 Punkten war die Meinung der Stadträte gefragt. Zuvor hatten sich die Mitarbeitenden der Ämter und die Verwaltungsspitze Gedanken dazu gemacht. Konkrete Beschlüsse müssen noch getroffen werden. Es gibt aber ein erstes Stimmungsbild, Punkte über die man sich schon einigen konnte.

Kita Regenbogen wird nicht neu gebaut

Die Stadt will den Verkauf von städtischen Grundstücken verstärkt in den Blick nehmen. Beispiele sind dafür das Gebiet Käpsele und die Südkurve an der Friedrich-List-Straße. „So kann die Liquidität der Stadt sofort verbessert werden“, sagt CDU-Fraktionschefin Ilona Koch. Abstriche wird es wohl beim kommunalen Wohnungsbau geben: So hat man sich darauf verständigt, an der Stöckwiesenstraße und an der Jakobstraße zunächst keinen neuen Wohnraum zu schaffen. „Das hat uns weh getan. Hier mussten wir über unseren Schatten springen“, sagt Jürgen Kemmner (L. E. Bürger/DiB). Bestehende Wohnblöcke wie an der Straße Im Wäldle sollen dafür saniert, modernisiert und womöglich aufgestockt werden, um die Menschen, die dort leben, vernünftig unterzubringen. „Sozialer Wohnungsbau soll weiterbetrieben werden, er muss aber nicht zwingend in kommunaler Hand sein“, sagt Ruppaner auf Nachfrage.

Der Regenbogen-Kindergarten in Leinfelden wird nun doch nicht neu gebaut. Vielmehr ist geplant, dass die Kinder nachfolgender Generationen andere Einrichtungen – wie die Kita Kleine Schelme oder die Kita Farbenkreisel – besuchen. Der Leinfeldener Stadtgarten wird vorerst nicht neu angelegt, die Sanierung der Stettener Hauptstraße in Richtung Filderstadt muss warten. Es soll überprüft werden, ob die Spielgruppen des Malteser Hilfsdienstes weiter finanziert werden. Auch der Einsatz von spanischen Fachkräften in den Kitas der Stadt steht auf der Kippe.

So sollen bis 2030 rund 17 Millionen Euro eingespart werden. Die Ergebnisse der Tagung sollen in diesem Winter öffentlich diskutiert und dann auch beschlossen werden. Ziel ist es, Anfang kommenden Jahres einen Nachtragshaushalt für 2025/26 zu beschließen. In der Tagung wurde ein Einsparpotenzial von weiteren 27 Millionen Euro ausgemacht. Hierzu gibt es aber noch Diskussionsbedarf. Beispielsweise bei der Frage, wie stark sich die Stadt noch in Sachen Stadtpass engagieren wird: ein Politikum.

Zweite Spar-Klausur im Frühjahr

Für das Frühjahr ist eine zweite Spar-Klausur angesetzt. Im Mai soll über Gebühren, Entgelte und Steuern gesprochen werden. Diese Themen will die Stadtverwaltung bis dahin für das Gremium aufbereiten. Ob man die neue Steuerart Grundsteuer C einführen möchte, soll dann beantwortet werden. Und auch wie stark die Kita-Gebühren ansteigen werden. Möglicherweise wird auch das Bewohnerparken teurer werden. Die Stadträte werden sich mit der Stadtverwaltung auch Gedanken dazu machen, welche Aufgaben und Leistungen künftig noch auf der Agenda der Stadtverwaltung stehen werden. „Die Verwaltung soll effizienter aufgestellt werden“, sagt FW/FDP-Chef Eberhard Wächter.

Einigkeit herrscht auch darüber, dass die Stadt Schulden aufnehmen muss, allein schon um die laufenden Großprojekte wie den Hallenbadbau, den Umbau der Zeppelinschule und die Sanierung der Filderhalle zu finanzieren. Diskutiert werden muss allerdings noch in welcher Höhe. „Wir versuchen alle miteinander die Kreditaufnahme so gering wie möglich zu halten“, sagt Ruppaner.

Bürgermeister Carl-Gustav Kalbfell bewertet diese Vorgehensweise als einen „demokratischen Weg“, der den Gemeinderat mitnimmt. Verwaltung und Kommunalpolitik zögen an einem Strang. „Es wird nicht von oben herab gesagt, Gemeinderat bitte beschäftige dich damit“, sagt auch Jürgen Kemmner (L.E. Bürger/DiB). Ilona Koch (CDU) spricht von einer „konstruktiven Arbeitsatmosphäre“, allerdings sei die Priorisierung der Projekte nicht einfach. „Wir haben uns noch nie so intensiv über den Haushalt der Stadt unterhalten“, betont SPD-Fraktionschef Erich Klauser. „Und schon bemerkenswerte Einsparungen erzielt“, sagt Eberhard Wächter (FW/FDP). Laut Grünen-Fraktionschef David Armbruster gehe es ans Eingemachte: „Es wird viele Bevölkerungsgruppen geben, die spüren werden, dass Leistungen und Projekte wegfallen.“

Mit welchem Ergebnis rechnet die Stadt?

Millionen-Minus
Die Stadt Leinfelden-Echterdingen hatte in 2025 bisher mit einem Minus von 23 Millionen Euro und 2026 mit einem Minus von 24 Millionen Euro im Ergebnishaushalt gerechnet. Aktuell geht sie davon aus, dieses Jahr mit einem Minus von 15 Millionen Euro abzuschließen. Was auch damit zu tun hat, dass der Doppelhaushalt erst spät von Regierungspräsidium genehmigt wurde. In diesem Etat ist eine Schuldenaufnahme von 76 Millionen Euro vorgesehen.