Lara und Markus Jenner wollen den Betrieb noch breiter aufstellen und Wiesenflächen mit Solarmodulen bestücken. Foto: Werner Kuhnle

Lara und Markus Jenner wollen in Erdmannhausen auf 2,5 Hektar eine Agri-PV-Anlage bauen. Damit wären die Landwirte im Kreis Ludwigsburg echte Pioniere.

Die „Jenner-Renner“ sind inzwischen ein vertrauter Anblick auf den Feldern zwischen Affalterbach und Erdmannhausen. Dabei handelt es sich um Hähnchen, die ihren Kosenamen ihren Besitzern zu verdanken haben. Lara und Markus Jenner halten die Vögel vor den Toren ihres Erdmannhäuser Aussiedlerhofs. Tagsüber spazieren die Hähnchen im Freien umher, abends geht es zurück in mobile Ställe. Gut möglich, dass die Tiere bald an vertrauter Stelle, aber in einem anderen Umfeld im Gras picken. Die Jenners wollen auf der Weidefläche eine Agri-Photovoltaik-Anlage errichten.

 

Die Konstruktion soll sich über vier Korridore und eine Gesamtfläche von rund 2,5 Hektar erstrecken. Bei einer anvisierten Leistung von 2,8 Megawatt könnten rein rechnerisch rund 700 Haushalte mit Strom versorgt werden, erklärt Markus Jenner. Und die Jenners könnten damit auch eine Vorreiterrolle einnehmen. „Uns ist keine Agri-PV-Anlage in Betrieb im Landkreis bekannt“, konstatiert Franziska Schuster, Pressesprecherin des Landratsamts in Ludwigsburg.

Das Besondere an solchen Konstruktionen ist, dass sie zwar zur Gewinnung von grüner Energie via Sonnenkraft dienen, aber gleichzeitig eine landwirtschaftliche Bespielung der Felder ermöglichen. Im Fall der Jenners sollen die Module in einer Höhe von etwa zwei Metern aufgeständert werden, sagt Markus Jenner. „Die Hühner können dann trotzdem laufen“, erklärt er. Oder auch im Schatten der Solarpaneele verweilen. Denn das versprechen sich die Erdmannhäuser Landwirte ebenfalls von der Anlage: dass die Tiere einen Schutz vor der Sonne bekommen.

Volle Rückendeckung aus dem Gemeinderat

Die Wiesen für die Hähnchen liegen derzeit einen Großteil des Jahres brach. Das soll sich ändern. Foto: Werner Kuhnle

Ein weiteres Argument für die Montage der Kollektoren ergibt sich aus dem Konzept der beweglichen Ställe, auf das die Familie setzt. Die Behausungen werden nach einem rotierenden System von Korridor zu Korridor versetzt. „Damit haben die Hähnchen immer eine neue Grasfläche“, erklärt Lara Jenner. Nach etwa einem Jahr ist man wieder am Ausgangspunkt zurück, der Sektor hat sich vollständig erholt. „Das bedeutet aber auch, dass die Wiesenflächen mehr als 40 Wochen im Jahr ungenutzt sind“, sagt Markus Jenner. Dank der PV-Anlage wird auf den Feldern zumindest Strom produziert. Damit verschaffen sich die Jenners zudem eine zusätzliche Einnahmequelle.

Vollen Rückenwind für das Projekt, das an der Straße zwischen Affalterbach und Erdmannhausen verwirklicht werden soll, gab es jetzt bereits vom Verwaltungs- und Technischen Ausschuss in Erdmannhausen. Das Gremium begrüßte das Vorhaben einhellig. „Das wird einen enormen Teil dazu beitragen, dass Erdmannhausen irgendwann einmal nominell CO2-frei wird in der Stromversorgung“, erklärte der Bürgermeister Marcus Kohler, der darüber hinaus den unternehmerischen Mut der Familie in wirtschaftlich anspruchsvollen Zeiten lobte.

Die gesetzlichen Vorgaben an solche Anlagen wie beispielsweise die Maximalfläche von 2,5 Hektar seien ebenfalls erfüllt, hatte zuvor schon Bauamtsleiterin Verena Fischer klargestellt.

Die Finanzierung ist noch nicht in trockenen Tüchern

Der Erdmannhäuser Bürgermeister Marcus Kohler lobt den unternehmerischen Mut der Familie Jenner. Foto: Archiv (Werner Kuhnle)

Damit könnten die Jenners theoretisch schon morgen eine Firma mit dem Aufstellen der Module betrauen. Denn bewege man sich im Rahmen der Vorschriften, brauche es für Agri-PV-Anlagen seit dem vergangenen Jahr nicht einmal mehr einer Baugenehmigung, erläutert Landratsamtssprecherin Franziska Schuster.

Praktisch ist das Ganze aber noch nicht in trockenen Tüchern. Man müsse baurechtlich erst jedes Detail abklären lassen und obendrein die Finanzierung absichern, betont Markus Jenner. Und selbst wenn alles unter Dach und Fach sei, werde es eng mit einer Umsetzung noch in diesem Jahr. Die Arbeiten müssten im Sommer über die Bühne gehen, die Böden dürften nicht matschig sein, wenn die Maschinen anrücken. Realistischer ist es also, dass sich Pendler zwischen Affalterbach und Erdmannhausen erst 2027 an einen neuen Anblick gewöhnen müssen: dass die Jenner-Renner zwischen Solarmodulen umherflitzen.