Das Statistische Amt organisiert in Stuttgart die Landtagswahl. Ein Besuch im Logistikzentrum, wo sich die Urnen stapeln und ein Scanner die Wahlbriefe prüft.
Die Szene wirkt wie aus dem Warenhaus eines Onlinehändlers: Kartons wandern durch eine Menschenkette. An der ersten Station erhalten sie einen Sticker mit der richtigen Adresse, das zweite Paar Hände befüllt sie mit dem vorgesehenen Inhalt, ein dritter Arbeiter verschließt sie mit Klebeband – fertig für den Versand.
Allerdings dient diese Arbeitsteilung nicht dem Konsum, sondern der Demokratie. Die Packstraße ist im Logistikzentrum des Statistischen Amtes der Stadt Stuttgart angesiedelt, nicht bei Amazon oder Zalando. In den Kartons befindet sich stets der gleiche Inhalt: Kugelschreiber, Stofftaschen, ein Straßenverzeichnis, dazu weitere Unterlagen. Es handelt sich um Ausstattung, die die 265 Wahllokale im Stadtgebiet für die Landtagswahl am 8. März benötigen.
Bis zu 15.000 Briefwahlscheine in Stuttgart am Tag
Beim Statistischen Amt laufen die Vorbereitungen derzeit auf Hochtouren. Die Behörde organisiert in Stuttgart alle anfallenden Wahlen. „Wir haben dabei mehrere logistische Herausforderungen“, sagt Amtsleiter Matthias Fatke. So beginnt der Prozess in der Regel schon sechs Monate vor dem Wahltag. Neben der Personalplanung bestehen die ersten Aufgaben darin, Helfer zu gewinnen, die Wahlbezirke einzuteilen und Verträge mit den Wahllokalen abzuschließen.
Weiter geht es mit dem Druck der Stimmzettel, zumeist in Auftrag gegeben bei Druckereien aus der Region, wie Fatke erzählt. „Und dann startet auch schon die Briefwahl“, ergänzt der 42-Jährige. Die zuhause ausgefüllten Stimmzettel und Wahlscheine landen im ersten Stock des Logistikzentrums im Stuttgarter Osten. Dort nehmen Özlem Dogan und ihr Team die Briefe in Empfang. Nach Angaben der Amtsmitarbeiterin gehen derzeit rund 800 Stück am Tag ein. Je näher der Wahltermin rückt, desto mehr werden es. „Bei der Bundestagswahl waren es sogar bis zu 15.000 am Tag“, erinnert sich Dogan.
Um solche Mengen besser bewältigen zu können, steht im Logistikzentrum seit einigen Jahren ein Hochleistungsscanner. Er liest in Sekundenbruchteilen die Wählernummer auf den Briefen aus. Anschließend prüft er, ob diese gültig ist, der Wähler also tatsächlich Briefwahl beantragt hat. „Den gebe ich nicht mehr her“, sagt Dogan über den Scanner, „der ist unser Heiligtum“.
Organisation von Landtagswahl kostet knapp 1,9 Millionen
Ein Stockwerk tiefer ist die Packstraße aufgebaut. Neben den Regalen mit den Kartons stapeln sich hier auch die Wahlurnen. Einige von ihnen sehen aus wie graue Wäschekörbe, andere würden sich ohne den entsprechenden Aufdruck nicht von Mülleimern unterscheiden. Hinzu kommen robuste Exemplare aus silbrigem Aluminium, die am Wahltag in den Lokalen stehen.
Insgesamt umfasst der Bestand der Stadt Stuttgart 1100 Urnen. Für die Landtagswahl reicht schon die Hälfte davon. Wenn jedoch gleichzeitig Kommunal-, Regional- und Europawahl stattfinden, sind alle Urnen im Einsatz. „So eine Dreifachwahl ist nochmal ein ganz anderes Kaliber“, sagt Fatke.
Dennoch ist der organisatorische Aufwand auch bei der Landtagswahl nicht zu unterschätzen. Schließlich kalkuliert die Stadt hier mit Kosten von knapp 1,9 Millionen Euro. Mehr als 100 Mitarbeitende sind beim Statistischen Amt an den Vorbereitungen beteiligt, etwa die Hälfte davon Aushilfskräfte. Allein für die Belieferung der Wahllokale mit Urnen, Wahlkabinen und den richtigen Unterlagen benötigen sie zwölf komplette Arbeitstage.
Hotline am Wahltag in Stuttgart
Und dann ist da noch der Wahltag selbst. An diesem fahren einige der Wahlaushilfen verplombte Boxen in einem grellen Orangeton durch die Stadt. „Das sind unsere Sicherheitskoffer“, sagt Fatke. In ihnen liegen die verschlossenen Wahlbriefe, bevor sie in den Wahlbezirken geöffnet und die Stimmzettel ausgezählt werden. Derweil kümmern sich die Wahlvorsteher darum, dass in den Lokalen alles glatt läuft. Fatke und Co. stehen währenddessen als Unterstützung bereit, jederzeit erreichbar über eine Wahl-Hotline. „Einmal hat zum Beispiel ein Wahlvorsteher seinen Urnenschlüssel vergessen und konnte die Urne zunächst nicht öffnen“, erzählt der gebürtige Tübinger, der seit 2021 das Statistische Amt führt. „Da konnten wir dann Abhilfe leisten.“
Wenn alle unvorhergesehenen Probleme gelöst und die ersten Stimmzettel ausgezählt sind, präsentiert Fatke am Wahlabend im Rathaus die Ergebnisse. Am Montag und Dienstag darauf folgt die Überprüfung der Niederschriften aus den Wahlvorständen. Dann, nach sechs Monaten Arbeit, kann das Statistische Amt der Landeswahlleitung das offizielle Ergebnis melden. Und anschließend geht die Behörde geschlossen in den Urlaub? Nicht unbedingt, sagt Fatke. Der Ablauf sei so routiniert, dass die Wahlvorbereitung keineswegs für Dauerstress sorge. Allerdings fügt der Amtsleiter hinzu: „Ihre Überstunden feiern die Kollegen im Nachgang natürlich schon ab.“