Freier Eintritt zur Jubiläumsschau „Doppelkäseplatte“, ein Feuerwerk an Begleitveranstaltungen – das Kunstmuseum Stuttgart zog 2025 alle Register. Mit Erfolg?
Es läuft für das Kunstmuseum Stuttgart. Nicht erst, aber noch mehr seit Direktorin Ulrike Groos und ihr Team 2025 das Doppeljubiläum 100 Jahre Sammlung, 20 Jahre Kunstmuseum Stuttgart feiern konnten. 805 000 Besucherinnen und Besucher kamen im Jubiläumsjahr – der höchste Publikumszuspruch seit der Eröffnung des Kunstmuseums 2005.
Sponsoren ermöglichten freien Eintritt
Im Mittelpunkt des Doppeljubiläums stand die Schau „Doppelkäseplatte. 100 Jahre Sammlung, 20 Jahre Kunstmuseum Stuttgart“, in der Werke der Sammlung über sieben Monate aus unterschiedlichen kuratorischen Blickwinkeln in neuen Zusammenhängen präsentiert wurden. Wesentlichen Rückenwind für den Rekord gab der freie Eintritt während der Laufzeit der „Doppelkäseplatte“ – wesentlich ermöglicht durch die Landesbank Baden-Württemberg. Auch das intensive Begleitprogramm war erfolgreich. Zahlenbeispiele? 248 öffentliche Führungen und Workshops – bei Tag und Nacht, in verschiedenen Sprachen und inklusiven Formaten – ermöglichten ebenso wie 596 zusätzlich gebuchte Gruppenangebote, darunter 264 Schulklassen und Kindergartengruppen, unterschiedlichste Zugänge zur Kunst.
„Das Jubiläumsjahr“, sagt denn auch Direktorin Ulrike Groos, „hat eindrucksvoll verdeutlicht, wie sehr das Kunstmuseum Stuttgart im öffentlichen Leben der Stadt und Region verankert ist.“ Und weiter: „Vor allem der freie Eintritt hat viele Menschen ins Museum geholt und die Offenheit des Hauses unmittelbar erfahrbar gemacht. Besonders erfreulich ist, dass zahlreiche Besucherinnen und Besucher das Kunstmuseum neu oder wiederentdeckt haben.“
Überzeugend war offensichtlich die Idee, über die zentrale Schau „Doppelkäseplatte“ weitere Ausstellungen zu präsentieren – zu Otto Dix’ ikonischem Porträt der Tänzerin Anita Berber, zum Werk des einige Jahre an der Stuttgarter Kunstakademie lehrenden US-amerikanischen Konzeptkünstlers Joseph Kosuth und zu den Bildideen der Zeichnerin und Malerin Romane Holderried Kaesdorf. Aber auch das Panorama zum 20-jährigen Bestehen des junger Kunst gewidmeten Ausstellungsformates „Frischzelle“ überzeugte – wie auch die Verleihung des Hans-Molfenter-Preises 2025 an Heba Y. Amin und Horizontaler Gentransfer. Zum Stadtkino geriet das Kunstmuseum mit der Deutschlandpremiere von Christian Marclays 24-Stunden-Film „The Clock“ von März bis Mai. An zwei Sonderterminen war die 2011 mit dem Goldenen Löwen der Venedig-Biennale ausgezeichnete Arbeit in ihrer vollen Laufzeit zu sehen.
Kunstmuseum Stuttgart feiert auch mit dem Dix-Haus Erfolge
Verantwortung hat das Kunstmuseum Stuttgart auch für das Museum Haus Dix in Hemmenhofen. 14500 Besucherinnen und Besucher bestätigten zwischen März und Oktober das Interesse, sich auf die Spuren des Malers Otto Dix und seiner Familie zu begeben. Die nächste Saison dieser besonderen Kunstbühne am Bodensee beginnt am 21. März.
Das Kunstmuseum Stuttgart selbst punktet aktuell derweil mit freudiger Vielfalt. Parallel zu sehen sind noch bis zum 12. April neben der Kubus-Hauptschau „Prägungen und Entfaltungen. Rolf Nesch, Nadira Husain, Ahmed Umar“ die Ausstellungen „Anita Berber. ,Orchideen’“, „Joseph Kosuth. ,Non autem memoria’“, „Romane Holderried Kaesdorf. Haltung bewahren“ sowie „20 Jahre Frischzelle“.
Kunstmuseum Stuttgart schließt für umfassende Sanierung
Um so einschneidender dürften die folgenden Wochen und Monate werden. Wie berichtet, wird das Kunstmuseum Stuttgart vom 13. April an für umfassende Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen geschlossen. Neben klimatechnischen Ertüchtigungen geht es um alte Wasserschäden über die Ebene des Kleinen Schlossplatzes und eine grundsätzliche technische Erneuerung des 2005 eröffneten Komplexes. Bis voraussichtlich ins 1. Quartal 2027 bleibt das Kunstmuseum geschlossen. „Wir bleiben aber im Stadtbild präsent“, sagt Ulrike Groos. Ein temporärer Umzug bringt viele Erinnerungen – das Kunstmuseum nutzt während der Sanierung des eigenen Gebäudes das Kunstgebäude am Schlossplatz als Bühne. Dort residierte von 1961 bis 2005 in den Ausstellungsräumen im Obergeschoss die Galerie der Stadt Stuttgart als Vorgängerinstituts des Kunstmuseums.
Kunstmuseum Stuttgart zeigt „Das kalte Herz“ im Kunstgebäude
Bereits am 17. April eröffnet das Kunstmuseum Stuttgart seine erste Ausstellung im Kunstgebäude – die Schau „Das kalte Herz“ (bis zum 4. Oktober) nimmt das 1827 entstandene gleichnamige Märchen von Wilhelm Hauff zum Anlass, durch aktuelle künstlerische Positionen über Hauffs Thematik einer Welt im Wandel neu nachzudenken.