Unterschriften für eine neue Orgel: Dekanin Gabriele Waldbaur, Mühleisen-Geschäftsführer Karl-Martin Haap, Ursel Beuttler und und Bezirkskantor Attila Kalman (v.li.). Foto: Simon Granville

Ein Weihnachtspräsent der besonderen Art: Das Fachunternehmen Mühleisen baut in der historischen Leonberger Stadtkirche die Königin der Instrumente. Doch bevor dieses Geschenk ausgepackt werden kann, wird es noch gut drei Jahre dauern.

Es ist vollbracht: Die evangelische Kirchengemeinde Leonberg-Nord hat sich und der gesamten Stadt ein Weihnachtsgeschenk der besonderen Art gemacht. Sie hat bei der traditionsreichen Leonberger Werkstätte für Orgelbau Mühleisen für rund 862 000 Euro eine neue Orgel für die historische Stadtkirche bestellt. Doch „ausgepackt“ werden kann das Präsent wohl erst im Jahr 2027. So lange wird es wohl dauern, bis die neue Königin der Instrumente ihre Stimme erschallen lassen kann.

 

Das haben die Dekanin Gabriele Waldbaur, Ursel Beuttler, die Vorsitzende des Kirchengemeinderates Leonberg-Nord, und Karl-Martin Haap, einer der beiden Mühleisen-Geschäftsführer, mit ihren Unterschriften besiegelt. Mit dabei waren die Stadtpfarrerin Heidi Essig-Hinz, Wieland Storek, Mitglied des Orgelbauausschusses, und Kirchenmusikdirektor Attila Kalman.

„Es wird eine bescheidene und gediegene Orgel werden, ohne Luxus und Schnickschnack, geschaffen dafür, hochwertige Kirchenmusik und Konzerte zu gestalten“, sagt Karl-Martin Haap. Die rein mechanische Orgel mit 42 Registern und mehr als 2800 Pfeifen liege im unteren Segment der von Mühleisen gebauten Instrumente, erläuterte der Geschäftsführer. „Ich finde es mutig, in einer für die Kirchen nicht einfachen Zeit ein Zeichen zu setzen für hochwertige Kirchenmusik in christlichem Sinne“, lobte Haap.

„Es ist nicht wichtig, dass eine Orgel eine bombastische Ausstattung hat, sondern das A und O ist, wie sie klingt, und Mühleisen baut hervorragende Orgeln“, sagt der Bezirkskantor Attila Kalman. Entstehen wird eine Universalorgel mit einer Klangkonzeption für Musik des Barocks und der deutschen Romantik, nachdem – ebenfalls von Mühleisen gebaut – in der Leonberger katholischen Johanneskirche eine im Stil der französischen Romantik steht. Die neue Orgel wird auch mit einer sogenannten englischen Trompete ausgestattet.

Nur Spenden sind zugelassen

Die aktuelle Orgel der Stadtkirche, eine Walcker-Orgel aus dem Jahr 1964, als die Stadtkirche ihr jetziges Erscheinungsbild bekam, wurde seinerzeit aus günstigen Materialien gefertigt und ist nun in die Jahre bekommen. Ihre Elektrik ist marode und vieles in der Ausstattung, was heute üblich und künstlerisch wichtig ist, fehlt.

Die Initiative für die neue Orgel kam von Bezirkskantor Kalman und vom früheren Dekan Wolfgang Vögele. Für den Bau dürfen ausschließlich Spenden verwendet werden.

Ehepaar Burgdorf spendet 250 000 Euro

Die Initialzündung kam von dem seit 40 Jahren in Leonberg wohnenden Unternehmerehepaars Heidi und Hannes Burgdorf. Sie sagten eine Spende in Höhe von 250 000 Euro zu. Die Gesamtkosten wurden auf maximal eine Million Euro festgelegt. „Und von dieser Endsumme gehen wir heute auch aus, denn mit der Orgel allein ist es nicht getan“, sagt die Dekanin Gabriele Waldbauer.

„Heute schlagen beim Bau einer Orgel die Lohnkosten mit mehr als 80 Prozent zu Buche, der Rest ist das Material“, erläutert Orgelfachmann Haap. Die neue Orgel wird 15 Jahre Garantie haben. „Die wird aber auch in 100 Jahren noch tadellos dastehen.“

Kirche muss innen renoviert werden

„Vor dem Orgeleinbau muss die Stadtkirche innen renoviert werden“, schildert Stadtpfarrerin Heidi Essig-Hinz. Dazu hört, dass die zweite Empore, auf der heute die Orgel steht, abgebaut werden muss, damit das neue Instrument einen akustisch optimalen Platz auf der ersten Empore findet. Für diese große Innenrenovierung seit den 1960er Jahren werden 1,1 Millionen Euro benötigt. Etwa die Hälfte dieser Kosten wird von der Landeskirche und vom Kirchenbezirk getragen. Auch ein Zuschuss aus dem Denkmalschutz wird erwartet. Jetzt werden zunächst Elektrik und Beleuchtung erneuert. Auf der Wunschliste stand noch, die Kirchenbänke aufzufrischen und wertvolle Kunstgegenstände, vor allem der barocke Hochaltar und die Kanzel, zu restaurieren. Aber angesichts der explodierenden Preise lässt man das.

Hinzu kommt eine weitere Baustelle: Am Kirchturm unter dem Rundgang der Turmbläser bröckeln Steine ab, sodass dieser auch saniert werden muss. Die geschätzten Kosten dafür liegen bei rund 950 000 Euro. „Für diese Arbeiten haben wir Handwerker gefunden, von März bis September kommenden Jahres soll es über die Bühne gehen“, sagt die Stadtpfarrerin. Wie bisher üblich, beteiligt sich die Stadt Leonberg an den Kosten für die Sanierung des Kirchturms. Das geht auf ein württembergisches Gesetz von 1890 zurück.

Übrigens: Die alte Orgel wird nicht verschrottet, sie wird verkauft. „Wahrscheinlich wird sie irgendwo in Osteuropa wieder aufgebaut“, meint Attila Kalman.