Weiße Bänke sind übereinander gestapelt, das verwaiste Il Pomodoro reißt eine trostlose Lücke in die brummende Gastrozeile am Wilhelmsplatz. Wie geht es weiter?
Wo früher der Duft von frischer Pasta und Pizza über den Gehsteig wehte, herrscht seit Wochen gähnende Leere. Das 1997 eröffnete Ristorante Il Pomodoro ist das, was man einen Kult-Italiener nennt. In seinen besten Tagen war es hier brummend voll. Seit Wochen aber sind die Türen geschlossen – ausgerechnet in der Sommerzeit, in der die Geschäfte am besten laufen. Das Erfolgskonzept des Traditionslokals lautete: Qualität zum günstigen Preis.
Das „Pomi“, wie das Ristorante von Fans genannt wird, war Teil des Ausgehviertels am Wilhelmsplatz. Bei schönem Wetter hockten die Leute draußen dicht an dicht – nun aber ist das verwaiste Lokal mit den übereinander gestapelten Bänken mitten drin ein trauriger Anblickt. Am Eingang sucht man vergeblich einen Zettel, irgendeine Informationen, wie es dort nun weitergeht.
Die letzten Unterpächter mussten Insolvenz anmelden
Das geschlossene Lokal ist Gesprächsthema im Viertel. Nachbarn beobachten, wie immer wieder mögliche Pächter das Il Pomodoro besichtigen. Doch bisher sei wohl kein Wirt oder keine Wirtin gefunden worden, der oder die weitermachen will, hört man. Die letzten Unterpächter hatten Insolvenz anmelden müssen. Das einstige Kultlokal war in Zeiten steigender Kosten kein Selbstläufer mehr. Der Besitzer der Markenrechte des Namens Il Pomodore hat vor Wochen unserer Redaktion mitgeteilt, es werde nach dem Auszug der insolventen Betreiber bald schon wieder losgehen.
Doch seitdem ist nichts passiert. Anfragen unserer Redaktion zur Zukunft des Restaurants lässt der Unternehmensgründer unbeantwortet. Über eine Sprecherin teilte er uns schließlich mit, er könne momentan nichts dazu sagen.
Viele scheuen das Risiko
Die Gastronomie steht seit der Pandemie unter Druck: gestiegene Energiepreise, hohe Personalkosten, Lieferengpässe, eine angespannte Personallage und verändertes Konsumverhalten bereiten selbst Traditionslokalen Probleme. Wer heute im Gastgewerbe einsteigt, muss bereit sein, enorme Investitionen zu tätigen – und das bei unsicherer wirtschaftlicher Lage. Viele scheuen das Risiko. Und so steht ein Stück Gastrogeschichte von Stuttgart leer – was in diesen Zeiten kein Einzelfall ist.