Ende der 1990er Jahre war er ein Student und hatte keine blassen Schimmer von Kürbissen – dann wurde er zur wichtigsten Figur der Ludwigsburger Kürbisausstellung.
Stefan Hinner kennt jeden und jeder kennt ihn. Mit einer ansteckenden Begeisterung grüßt er den Ferienjobber mit Schubkarre, die Verkäuferin im Kürbisstand und den Kiosk-Betreiber, der gerade seinen Laden aufschließt. Er ist eine Instanz im Blühenden Barock und dreht seit 22 Jahren seine Runden über die Kürbisausstellung. Kommt er erst einmal ins Rollen, ist Hinners Kürbis-Enthusiasmus kaum zu stoppen. Er schwärmt von der Haltbarkeit, den Formen und Farben, berichtet von seiner Kürbissamen-Sammlung und von einem Kürbis, aus dem sich Luffaschwämme produzieren lassen. Freunde sagen, er habe das Kürbis-Fieber, und nennen ihn den Kürbis-König. Es gebe niemanden, der die Veranstaltung so geprägt hat wie Stefan Hinner.
Die Geschichte der Kürbisausstellung und des Kürbis-Königs beginnt Ende der 1990er Jahre, als das Gemüse vor allem als Schweinefutter bekannt ist. Einem innovativen Bauernhof in der Schweiz ist das egal, auf der Jucker Farm werden dutzende Sorten angebaut und ausgestellt. Mit dabei sind zwei junge Männer aus dem Kreis Ludwigsburg.
Der Marbacher Jens Eisenmann macht auf der Jucker-Farm 1998 ein Praktikum und holt seinen Freund Stefan Hinner aus Affalterbach hinzu. „Ich hatte keine Ahnung von Kürbissen, kannte die Währung nicht und habe den Dialekt nicht verstanden“, erinnert sich Hinner, der damals in Kempten Betriebswirtschaft studierte. Hunderte Besucher seien damals über den mit Kürbissen verzierten Hof hergefallen, die Begeisterung sei ansteckend gewesen.
Die zwei Freunde bringen die Leidenschaft mit in die Heimat und veranstalten 1999 auf Eisemanns Hof ein kleines Kürbis-Fest. Dann folgt der große Coup. Die Jucker Farm sucht einen Ort für eine große Kürbisausstellung, bei Hinner und Eisenmann sind sie genau richtig. Denn die zwei kennen das Blüba und dessen Leiter Volker Kugel – sie haben dort jahrelang Äpfel verkauft. Sie bringen die Gebrüder Jucker und Volker Kugel zusammen und legen den Grundstein für eines der beliebtesten Events der Region.
Im Spätsommer 2000 findet die erste Kürbisausstellung statt – und sorgt für Aufsehen. „Es gab Leute, die hätten uns am liebsten direkt in die geschlossene Abteilung eingewiesen“, erinnert sich der damalige Blüba-Leiter Volker Kugel. Trotz der Skepsis kommen jedes Jahr mehr Besucher, und Hinner arbeitet sich nach seinem Studium schnell zum Veranstaltungsmanager hoch. „Fast alles, was die Kürbisausstellung ausmacht, ist unter der Führung von Stefan entstanden“, sagt Martin Jucker, Leiter der Jucker Farm AG. „Er hat das Thema Kürbisausstellungen mehr geprägt als alle anderen Menschen.“
Hinner entwickelte mit seinem Freund Humberto Salazar die Kürbis-Gastronomie, rief die Kürbis-Regatta ins Leben und holte die Europameisterschaft des Kürbiswiegens nach Ludwigsburg. Entscheidend sei aber seine positive Art, die sich auf Besucher und die 100 Mitarbeiter der Ausstellung übertrage. „Stefan versteht es sehr gut, Menschen im Herzen zu berühren und zu begeistern“, sagt Jucker.
Die Begeisterung überträgt Hinner auch auf seine zwei Söhne. Der Ältere, gerade 18 Jahre alt, hat eine Ausbildung bei der Kürbisausstellung begonnen. Das habe Zukunft, sagt Hinner. „Der Kürbis ist mittlerweile im Ludwigsburger Herbst fest etabliert.“ Dass das auch sein Verdienst ist, darüber spricht Stefan Hinner nicht – er ist ein bescheidener Kürbis-König