Manche Strände mit karibischem Blau sind derzeit fast unerreichbar. Foto: IMAGO/Addictive Stock

Die Aussagen und Definitionen des Auswärtigen Amts in Bezug auf Reisen scheinen immer unschärfer zu werden. Nun gerät erneut eine Destination in den Fokus.

Eine einstmals populäre Destination steckt tief in Problemen: Das Auswärtige Amt hat am 19. März 2026 seine Sicherheitshinweise drastisch verschärft und rät nun „dringend von Reisen nach Kuba ab“. Allerdings gibt es keine formelle „Reisewarnung“, die einen umfangreicheren Rechtsanspruch auf Stornierung und Umbuchung sichern würde.

 

Die Formulierungen des Auswärtigen Amts sind im Einzelnen etwas widersprüchlich. Die Pressestelle konnte auf Anfrage unserer Redaktion jedenfalls nicht ganz schlüssig erklären, warum vor Kinshasa in der Demokratischen Republik Kongo laut aktuellen Reisehinweisen nur „abgeraten“ wird – vor Kuba dagegen „dringend abgeraten“.

Subtile Abstufungen bei Reisewarnungen

Havanna bewegt sich sprachlich somit fast auf dem Niveau der kongolesischen Bürgerkriegsprovinz Süd-Kivu („vor Reisen wird gewarnt“) – wobei Deutsche dort zusätzlich „zur Ausreise aufgefordert“ sind, was für Kuba nicht gilt. Die Hintergründe sind indes vielschichtig und betreffen sowohl die Versorgungslage als auch die Sicherheitssituation auf der Karibikinsel.

Straßenszene in Havanna. Foto: IMAGO/imagebroker

Ölkrise in Kuba führt zu Treibstoffmangel

Nach einer von den USA verhängten Ölblockade herrscht auf Kuba seit Anfang Februar akuter Treibstoffmangel. Dies hat weitreichende Folgen für die gesamte Infrastruktur des Landes. Besonders problematisch: Seit dem 9. Februar können ausländische Flugzeuge auf kubanischen Flughäfen nicht mehr betankt werden. Viele Airlines haben daraufhin ihre Flüge nach Kuba eingestellt oder fliegen die Insel nur noch mit Zwischenstopps in Nachbarländern an.

Air Canada hat bereits alle Passagiere mit gebuchten Rückflügen ausgeflogen und sämtliche Linienverbindungen vorübergehend ausgesetzt. Air France, die zuletzt noch Havanna mit Tankstopps angeflogen hatte, stellt laut Medienberichten den Flugverkehr ab Ende März ebenfalls ein - voraussichtlich bis zum Herbst 2026.

Zunehmender Verfall in Havanna. Foto: IMAGO/Addictive Stock

Stromausfälle und Versorgungsengpässe in ganz Kuba

Die Energiekrise hat massive Auswirkungen auf den Alltag. Regelmäßige, mehrstündige Stromausfälle sind im gesamten Land an der Tagesordnung. Dadurch sind Wasser- und Lebensmittelversorgung stark eingeschränkt, Kühlketten unterbrochen und Medikamente knapp. Öffentlicher Nahverkehr, Straßenbeleuchtung, Ampeln, Geldautomaten sowie Kommunikations- und Sicherheitssysteme funktionieren nur noch eingeschränkt oder fallen komplett aus.

Besonders besorgniserregend ist die Situation im Gesundheitssektor. Das Auswärtige Amt warnt, dass die medizinische Versorgung einschließlich Notfallversorgung und medizinisch notwendige Rücktransporte auf der Insel nicht mehr gewährleistet werden können.

Bislang hat sich Kuba den USA trotz aller Embargos noch nicht unterworfen. Foto: IMAGO/Addictive Stock

Steigende Kriminalität auf Kuba?

Obwohl kein generelles Chaos herrscht, haben sich die Rahmenbedingungen spürbar verschlechtert. Die häufigen Stromausfälle führen zu schlecht beleuchteten Straßen und Vierteln, besonders nachts. Dies erhöht vor allem in Städten das Risiko von Diebstählen. In touristischen Gegenden und an beliebten Stränden wie Las Playas del Este wird vermehrt von Taschendiebstählen berichtet.

Allein reisende Frauen sollten besonders vorsichtig sein. In Einzelfällen kam es zu sexuellen Übergriffen wie Exhibitionismus oder versuchten Sexualstraftaten. Bislang galt das Land für lateinamerikanische Verhältnisse allerdings eher als sicher.

Naturkatastrophen und Krankheiten statt „Cuba-Feeling“

Die angespannte Lage wird durch weitere Faktoren verschärft. Der Hurrikan „Melissa“ richtete im Herbst 2025 vor allem im Osten Kubas schwere Schäden an. In den betroffenen Provinzen sind Verkehrswege und Energieinfrastruktur weiterhin beeinträchtigt.

Kuba gebührenfrei stornieren oder umbuchen

Aufgrund der angespannten Lage haben große Reiseveranstalter reagiert. TUI hat Anreisen bis einschließlich 30. April 2026 abgesagt, da die „Durchführung der touristischen Leistungen nicht mehr gewährleistet“ werden kann. Der Veranstalter bietet gebührenfreie Umbuchungen und Stornierungen an.

Dertour ermöglicht ebenfalls kostenlose Umbuchungen von Pauschalreisen bis einschließlich der Sommersaison. Für Abreisen bis zum 31. März 2026 sind auch kostenlose Stornierungen möglich.

Zahlreiche Hotels wurden bereits geschlossen, um Strom und Treibstoff für Notstromaggregate zu sparen. Touristen mussten ihre Unterkünfte verlassen und wurden auf andere Anlagen verteilt. Besonders betroffen von den Hotelschließungen sind touristische Hotspots an der Nordküste, darunter das beliebte Varadero.

Traumhaft schöne Cayos im Norden Cubas. Foto: IMAGO/Depositphotos

Gilt eine Reisewarnung für Kuba?

Gibt es eine offizielle Reisewarnung? Nein, eine offizielle Reisewarnung hat das Auswärtige Amt nicht ausgesprochen. Es handelt sich lediglich um einen dringenden Hinweis, von nicht notwendigen Reisen abzusehen.

Die Rechte von Reisenden hängen in Krisensituationen davon ab, ob eine Pauschalreise oder Einzelleistungen gebucht wurden:

  • Bei Pauschalreisen: Sollten Sie sich bereits auf Kuba befinden, kann der Reiseveranstalter den Vertrag nach Angaben des ADAC nicht einfach wegen außergewöhnlicher Umstände kündigen. Sie selbst können die Reise kündigen, wenn sie erheblich beeinträchtigt ist. Der Veranstalter muss für Ihre Rückreise sorgen und die dafür entstehenden Mehrkosten tragen. Ist die Rückreise nicht möglich, muss er für maximal drei Tage die Unterbringungskosten übernehmen. Solange es offiziell keine Reisewarnung gibt, bewegt man sich hier im Graubereich.
  • Bei Individualreisen: Wer einzelne Reiseleistungen wie Flug, Hotel oder Ferienwohnung gebucht hat, kann nicht so einfach kostenfrei stornieren. Eine kostenfreie Stornierungsmöglichkeit besteht nur, wenn die Einzelleistung nicht erfüllt werden kann. Können die Leistungen ohne Einschränkungen erbracht werden, ist bei einer Absage durch den Reisenden eine kostenfreie Stornierung nicht möglich.
  • Für alle, die eine Kuba-Reise planen, ist es ratsam, eine umfassende Auslandskranken- und Rückholversicherung abzuschließen und ausreichend Medikamente, Verbandsmaterial und Mückenschutz mitzuführen.

Russland schickt Hilfe – droht Kubakrise wie 1962?

Extreme globale Spannungen belasten die Lage zusätzlich. Die Trump-Regierung hat im Januar 2026 öffentlich einen Machtwechsel in Havanna ins Spiel gebracht und droht Kuba auch militärisch – obwohl derzeit viele Mittel in anderen Regionen gebunden sind.

Der traditionelle Verbündete Russland hat Kuba unterdessen brüderliche Hilfe in Aussicht gestellt und will auch Öl und Treibstoff schicken. Im Fall einer gewaltsamen Seeblockade durch die USA würden wie bei der Kubakrise 1962 direkte militärische Auseinandersetzungen zwischen den Atommächten drohen – ein Szenario, das nicht nur (erneut) als völkerrechtswidrig, sondern auch als relativ unwahrscheinlich gelten muss.

Dennoch ist die Traumdestination Kuba mit ihren Karibikstränden, Oldtimern in Havannas Straßen und Salsa bis in die Nacht derzeit wohl eher ein Sehnsuchtsziel, das lediglich auf volles eigenes Risiko noch besucht werden kann und zunehmend unter den Druck des Westens gerät.