Der Porsche-Gesamtbetriebsrat und die IG-Metall-Vertreter in Zuffenhausen und Weissach fordern vom Vorstand, die schlechter werdende Lage des Sportwagenbauers ehrlicher darzustellen. Dahinter steckt auch ein besonderes Kalkül.
Stellt der Porsche-Vorstand die zunehmend problematische Lage des Sportwagenbauers beschönigend dar, um keine Käufer der Luxusfahrzeuge sowie keine Börsenanleger und Investoren zu verschrecken? Und verpasst er so die Gelegenheit, die Arbeitnehmervertreter rechtzeitig ins Boot zu holen? Diesen Verdacht weckt ein Schreiben des Gesamtbetriebsrats und der Vertrauenskörperleitungen, also der IG-Metall-Vertreter in den Betrieben, das seit Mittwoch in der Belegschaft verbreitet wird.
„Auch bei Porsche kommen die Einschläge immer näher“
Die Krise beim Mutterkonzern, so scheint es, lässt auch die Schwachstellen bei Porsche zutage treten. „Die Schieflage der Volkswagen AG war kein Geheimnis, die Ratlosigkeit im Management zunehmend spürbar“, heißt es. „Warum nicht früher und anders gehandelt wurde, ist nicht nachvollziehbar.“ Dann warnt der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Harald Buck: „Auch bei Porsche kommen die Einschläge immer näher.“ Damit könnte er etwa das Auslaufen aller befristeten Verträge in der Produktion im Sommer 2025 meinen oder die Reduzierung der Taycan-Produktion auf eine Schicht nach den Werksferien – ebenso den Abschluss einer Betriebsvereinbarung zur Kurzarbeit, selbst wenn diese doch nicht benötigt wurde. Der Absatzeinbruch in China ist ebenso ein Alarmsignal.
Auch bei Porsche seien „Schieflage und Ratlosigkeit nicht zu übersehen“, formulieren die Arbeitnehmervertreter. „Ein weiterer Abwärtstrend muss mit allen Kräften verhindert werden.“ Es müsse „konsequent gegengesteuert werden“. Diese Zeilen können als unverblümte Kritik an der Führung um Porsche- und Volkswagen-Chef Oliver Blume verstanden werden. Extern wird dessen Doppelrolle von Branchenexperten ohnehin wieder verstärkt infrage gestellt – intern bisher offenbar noch nicht.
Bloß keine Kratzer am teuren Image-Lack
„Wir sorgen dafür, dass die Interessen der Belegschaft auf den Tisch kommen“, sagt Carsten Schumacher, der Betriebsratsvorsitzende in Weissach und stellvertretende Gesamtbetriebsratschef. Offenkundig haben die Arbeitnehmervertreter den Eindruck, dass sie für das Überbringen der schlechten Nachrichten zuständig sein sollen – obwohl es doch Sache des Vorstands ist, die Zahlen ehrlich einzuordnen. Doch der sorgt, auch gegenüber der Belegschaft im Intranet, lieber für die angenehmen Botschaften.
Trotz aller Errungenschaften hat der Betriebsrat keinen leichten Stand. Somit lautet nun die zentrale Ansage: „Der Gesamtbetriebsrat und die IG Metall stellen sich entschieden gegen jegliche Maßnahmen, die dem Unternehmen und sicheren Arbeitsplätzen schaden könnten.“ Die Krise dürfe „nicht auf dem Rücken der Kolleginnen und Kollegen abgeladen werden“, warnt Buck vor Angriffen auf Arbeitnehmerrechte und bekräftigt, was er jüngst mit Blick gen Wolfsburg schon unserer Zeitung gesagt hat: „Die Standortsicherung steht, die Beschäftigungsgarantie bis 2030 gilt!“
Wenn in der Produktion stark gekürzt wird, wird es am Angestelltenbereich kaum spurlos vorbei gehen. Mit niedrigschwelligen Einschnitten könnte es losgehen. So wird darüber spekuliert, Blume und Personalvorstand Andreas Haffner könnten die Regelungen zum Mobilen Arbeiten einschränken, also weniger Homeoffice zulassen und mehr Präsenz einfordern – trotz einer geltenden Betriebsvereinbarung. Gegen so ein „falsches Signal, das wir nicht zulassen werden“, wenden sich die Vertrauenskörperleiter von Zuffenhausen und Weissach, Ibrahim Aslan und Andreas Damm. „Arbeitgeberattraktivität, moderne Arbeitsweisen und dazu Betreuungsnotstände passen nicht zu einer Anwesenheitspflicht im Büro.“
Das Schreiben endet mit dem Appell: „Jetzt heißt es gemeinsam anpacken und solidarisch sein. Ohne uns läuft es nicht!“