In Stuttgart kommt es etwa 50 Mal im Jahr zu sogenannten Versorgungsunterbrechungen. Foto: picture alliance / dpa/Julian Stratenschulte

Keine Heizung, kein warmes Wasser – ein langer Stromausfall macht Mietern in einem Stuttgarter Wohngebiet zu schaffen. Sie fühlen sich vom Netzbetreiber im Stich gelassen.

Klirrend kalte Wohnungen, kein warmes Wasser aus dem Duschhahn, und nicht mal Autofahren geht, weil sich die elektrischen Garagentore plötzlich nicht mehr öffnen lassen – ein mehr als 20 Stunden langer Stromausfall hat massive Folgen für die Menschen eines Wohngebiets im Stuttgarter Stadtteil Riedenberg.

 

Wie der örtliche Netzbetreiber Stuttgarter Netze am Freitag mitteilte, war es bereits am Donnerstagabend gegen 20 Uhr zu der Störung im Niederspannungsnetz gekommen. „Ursache hierfür war ein Kabeldefekt,“ bestätigt Unternehmenssprecher Moritz Oehl. Das Problem: „Die Komplexität des Defekts machte eine schnelle Behebung leider unmöglich“, sagte der Stuttgart-Netze-Sprecher weiter.

20 Stunden ohne Strom

Den Technikern blieb nichts anderes übrig, als den Fehler mühsam über die einzelnen Hausanschlüsse in der betroffenen Melonenstraße zu lokalisieren. Das kostet Zeit und ist kein leichtes Unterfangen mitten in der Nacht. Der Knackpunkt: Die notwendigen Zugänge zu den Hausanschlusskästen sind meist in den Kellern und viele der Bewohner waren zu später Stunde nicht mehr anzutreffen.

„Erst in den frühen Morgenstunden als eine ausreichende Anzahl zugänglicher Hausanschlüsse zur Verfügung stand, konnten wir den betroffenen Bereich identifizieren“, erklärt Sprecher Oehl. Daraufhin wurden sofort Tiefbauarbeiten eingeleitet, um das defekte Kabel freizulegen. Doch erst am Freitag gegen 17 Uhr war der Strom dann wieder da – nach mehr als 20 Stunden Unterbrechung.

Kritik am Betreiber Stuttgart Netze

Die Bewohner der betroffenen Häuser fühlen sich indes von der Stuttgart Netze im Stich gelassen. „Das kann doch nicht sein, dass ein komplettes Wohngebiet keinen Strom hat“, sagt beispielsweise der 54-jährige Thomas Terpsiadis, der mit seiner Familie seit 18 Jahren in einem Mehrfamilienhaus in dem Wohngebiet lebt. Der Anwohner kritisiert, dass angesichts der langen Störung keine Stromgeneratoren bereitgestellt wurden.

Noch mehr ärgert den zweifachen Vater aber, dass er und seine Nachbarn seinen Worten zufolge nicht richtig informiert worden seien. „Der Service auf deren Seite und die telefonische Betreuung sind einfach nicht ausreichend“, bemängelt der 54-Jährige. „Schließlich hat man es mit Menschen und Familien zu tun, welche Bedürfnisse und Sorgen haben“, fügt Terpsiadis hinzu.

Stromnetzbetreiber bittet um Entschuldigung

Den Inhalt seines Kühlschranks hat er vorsorglich auf den Balkon gebracht, damit die Lebensmittel bei den eisigen Temperaturen gekühlt bleiben. „Als vierköpfige Familie ist es einfach unerlässlich, dass man die Möglichkeit hat zu kochen, in einer warmen Wohnung zu leben, und dass man einen sicheren Onlinezugang hat“, schildert der Stuttgarter Familienvater.

Im Haus war es stundenlang kalt wie in einem Kühlschrank, weil die Ölzentralheizung, die an der Elektronik hängt, ausgefallen war. Doch die Kälte war nicht das einzige Problem: „In unserem Mehrfamilienhaus wohnen ältere Menschen, die den Aufzug benötigen“, berichtet Terpsiadis.

„Die Stuttgart Netze bittet die Betroffenen vielmals um Entschuldigung für die entstandenen Unannehmlichkeiten“, sagt Sprecher Oehl. „Wir möchten an dieser Stelle betonen, dass es sich um einen außergewöhnlichen Vorfall handelt, der durch die schwierige Lokalisierung der Fehlerstelle bedingt ist.“

50 Stromausfälle pro Jahr in Stuttgart

Im Durchschnitt dauerten solche Störungen in Stuttgart circa 45 Minuten. „Dieser Fall stellt also eine absolute Ausnahme dar“, so Oehl. Dem Stromnetzbetreiber zufolge kommt es in der Landeshauptstadt etwa 50 Mal im Jahr zu sogenannten Versorgungsunterbrechungen. Sie betreffen demnach meist die Stromversorgung von drei bis fünf Straßen. Im Durchschnitt haben Stuttgarter Bürger demnach acht Minuten im Jahr keinen Strom.

„Diese Kennzahlen verdeutlichen die hohe Zuverlässigkeit unseres Stromnetzes trotz der immer höheren Komplexität“, betont ein Stuttgart-Netze-Sprecher. Angesichts des 5600 Kilometer langen Stuttgarter Stromnetzes könne es jedoch in Ausnahmen zu „Materialdefekten“ kommen.