Im Landkreis Ludwigsburg gibt es große Unterschiede beim Ausbau der Ladeinfrastruktur. Mancherorts teilen sich mehr als 70 E-Autos einen Ladepunkt – das musst nichts Schlechtes sein.
Anfang Juli wurden in Oberstenfeld zwei neue Ladesäulen auf dem Freibadparkplatz eingeweiht. „Das ist an dieser Stelle sinnvoll, weil die Menschen durchaus etwas länger im Freibad sind“, sagt Bürgermeister Markus Kleemann. In den Daten des Kraftfahrtbundesamts sind die Ladepunkte noch nicht eingezeichnet – weshalb Oberstenfeld beim Ladesäulen-Ausbau noch weit abgeschlagen auf dem letzten Platz im Landkreis Ludwigsburg liegt.
102 E-Autos haben sich in der Gemeinde bis zur neuesten Erweiterung einen Ladepunkt geteilt. Eine Datenanalyse unserer Redaktion hat Erkenntnisse über den Ausbau der Ladesäuleninfrastruktur in der Region Stuttgart geliefert. Dabei zeichnet sich ein Stadt-Land-Gefälle ab. Es zeigt sich aber auch, wie wichtig Lage und Gewerbe sind.
Im ländlichen Raum mehr Wallboxen
2018 hat Oberstenfeld seine Ladesäule im Ortskern eingeweiht. Sie werde gut und über die Jahre immer mehr genutzt, es sei aber noch Potenzial da, sagt Kleemann. Beschwert habe sich von den 204 E-Auto-Besitzern – das sind in der Gemeinde 3,7 Prozent – noch keiner. „Das mag daran liegen, dass wir viele Einfamilienhäuser haben, die mit Photovoltaikanlagen eigenen Strom produzieren“, sagt Kleemann. Weitere Ladesäulen im Ortskern sind derzeit nicht vorgesehen – „wenn man mehr Ladesäulen baut, sperrt man auch mehr Parkplätze im belebten Zentrum“, so der Bürgermeister.
Was unsere Auswertung auch verrät: In vielen Gemeinden sind 2024 keine neue Ladesäulen in Betrieb genommen worden. Ein Trend, der sich landesweit zeigt. Der Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur hat sich verlangsamt, zudem wurden weniger E-Autos neu zugelassen. Neue Ladepunkte wurden 2024 zum Beispiel in Pleidelsheim, Großbottwar und Ludwigsburg geschaffen.
Mehr Ladepunkte aufgrund der Autobahnausfahrt
Ein Positivbeispiel für guten Ausbau ist Murr. Hier teilen sich nur 6,7 E-Autos einen Ladepunkt. 195 E-Autos kommen auf 52 Ladesäulen – der Großteil davon befindet sich im Industriegebiet. „Wir können uns nicht groß als Vorreiter rühmen“, sagt Bürgermeister Torsten Barzsch. „Wir haben vor zwei Jahren zwar eine eigene Ladesäule installiert und bewusst einen grünen Tarif angeboten, aber die gute Versorgung liegt stark an der Lage zur Autobahnausfahrt.“ Unternehmen wie Tesla würden sich anschauen, wo es sinnvoll sei, Ladepunkte zu errichten – in Murr sind es zwölf Stück. Weitere Stationen stellen Aldi und Aral zur Verfügung. Die Ladesäule am Dorfplatz habe sich herumgesprochen und werde gut genutzt, sagt Barzsch – allerdings ist sie auch nicht vollständig ausgelastet.
Für eine Analyse, wie gut die Kommunen aufgestellt sind, lohnt sich ein Blick auf große Unternehmen. Denn auch die stellen Ladestationen bereit. Ein Beispiel ist Bosch in Schwieberdingen, hier werden auf den öffentlich zugänglichen Mitarbeiterparkplätzen 93 Pkw-Ladepunkte zur Verfügung gestellt. Dass die Zahl von den Daten des Kraftfahrtbundesamts abweicht, liegt möglicherweise an den 20 Ladepunkten, die das Unternehmen Ende 2024 mit einem neuen Ladeanbieter am Solar-Carport eingerichtet hat. Am Logistikstandort Tamm wird Bosch noch 2025 zwei Ladepunkte für Laster mit je 300 Kilowatt Ladeleistung errichten.
AMG hat viele elektrische Firmenwagen
Deutlich auseinander gehen auch die Zahlen der E-Autos. In Hemmingen liegt der Anteil bei mehr als zehn Prozent. „Wir könnten es uns einfach machen und sagen, die Bürgerschaft hat den Claim ‚Hemmingen hat Energie’ schon verinnerlich“, sagt Bürgermeister Thomas Schäfer. Dienstwagen von Helukabel und Porsche würden aber möglicherweise auch einfließen. Ähnlich ist es in Affalterbach. Auch dort liegt der Anteil mit knapp acht Prozent deutlich über dem Wert anderer Kommunen. Das liegt auch daran, dass Mitarbeitende von AMG elektrische Dienstwagen fahren können. In Affalterbach sind 275 gewerbliche und 74 private reine E-Autos gemeldet.
Wie auch in anderen Teilen Baden-Württembergs gibt es im Kreis Ludwigsburg ein Stadt-Land-Gefälle. Gerade in kleineren Gemeinden wie Bennigen, Gemmrigheim und Bönnigheim teilen sich deutlich mehr Autos einen Ladepunkt als in Ludwigsburg oder Bietigheim-Bissingen. „In ländlichen Gemeinden haben viele Leute eine Garage, an der sie relativ einfach privat laden können, während der Anteil in Städten ein bisschen kleiner ist“, sagt Patrick Plötz, Leiter des Geschäftsfelds Energiewirtschaft am Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung im Gespräch mit unserer Zeitung.
Die geringe Zahl an Ladepunkten muss also nicht automatisch schlecht sein: „Wenn dann an vielen Ladesäulen nur selten geladen wird, werden die Tarife dort teurer – denn die Betreiber müssen ihre Investitionen umlegen.“ Je mehr Infrastruktur es also gebe, desto teurer könnte auch das Laden werden, so Plötz.
Ladesäulen im Kreis Ludwigsburg
Datenerhebung
Das Ladesäulenranking unserer Redaktion basiert auf dem Ladesäulenregister der Bundesnetzagentur, die aktuellsten Zahlen reichen bis zum 31. März 2025 zurück. Bei der Behörde müssen alle öffentlich zugänglichen Ladesäulen gemeldet werden.
Quelle
Bei den E-Auto-Zahlen handelt es sich um die zum 1. April 2025 zugelassenen, rein batterieelektrischen Fahrzeuge (keine Plug-In-Hybride) in den jeweiligen Kommunen laut Kraftfahrtbundesamt.