Den Alltag zwischen Beruf und Care-Arbeit unter einen Hut zu bekommen, ist gerade für Frauen oft schwierig. (Symbolfoto) Foto: Marcel Kusch/dpa

Weit mehr Frauen als Männer arbeiten in Teilzeit, auch im Kreis Esslingen. Teile der CDU wollen das Recht auf Teilzeitarbeit einschränken – das kritisiert die Gewerkschaft NGG.

Bei der Gleichstellung von Frau und Mann hat sich viel getan, allerdings gibt es auch Zahlen, die etwas anderes vermitteln: Rund 60.000 Menschen im Kreis Esslingen haben einen Teilzeitjob, 79 Prozent davon sind Frauen. Das teilt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten mit. Beim Anteil der Menschen mit Vollzeitjobs machen Frauen lediglich 30 Prozent aus.

 

Das bedeutet nicht, dass Frauen weniger arbeiten, sondern „sie wenden pro Tag im Durchschnitt 43,4 Prozent mehr Zeit für unbezahlte Sorgearbeit auf als Männer“, teilt das Bundesministerium für Bildung, Familie und Soziales mit. Sprich, Frauen verbringen deutlich mehr Zeit damit, sich um Kindererziehung, Pflege von Angehörigen, Hausarbeit und Ehrenamt zu kümmern.

Teilzeitarbeit ist oft die einzige Möglichkeit

Es ist oft ein Drahtseilakt, den Anforderungen der privaten Arbeit und des Berufs gerecht zu werden. Zahlreiche Termine müssen aufeinander abgestimmt werden. Unerwartete Zwischenfälle wie eingeschränkte Betreuungszeiten durch Krankheitsfälle in der Schule oder im Kindergarten können da schnell zum großen Problem werden. Teilzeitarbeit ist oft die einzige Möglichkeit, nicht völlig aus dem Berufsleben auszusteigen, ohne die Care-Arbeit zu vernachlässigen.

Teile der CDU wollen das Recht auf Teilzeit einschränken. Dies kritisiert die Gewerkschaft scharf: „Wenn der Wirtschaftsflügel der CDU künftig Menschen, die in Teilzeit arbeiten und gleichzeitig Wohngeld oder Kinderzuschlag beziehen, einen Vollzeitjob verordnen will, dann lässt das jedes soziale Gespür vermissen“, wird Magdalena Krüger (NGG) in einer Mitteilung zitiert.

Laut ihr sei Teilzeitarbeit „keine Bequemlichkeit“, sondern für viele Beschäftigte im Kreis Esslingen die Voraussetzung, um den Beruf überhaupt mit der Familie und mit der Pflege von Angehörigen vereinbaren zu können. „Einen Teilzeitjob zu machen ist keine Lust-und-Laune-Entscheidung. Denn wer nicht Vollzeit arbeitet, hat heute schon weniger Geld auf dem Konto und später weniger Rente“, sagt Krüger weiter. Die NGG appelliert an die CDU im Landkreis Esslingen und an die Delegierten aus der Region, Ende Februar den Antrag des Wirtschaftsflügels der Union zur Reform der Teilzeit auf dem Parteitag der CDU in der Landeshauptstadt „abzuschmettern“. Es bringe nichts, den Menschen „die Daumenschrauben anzuziehen, um sie zum Vollzeitpensum im Job zu zwingen“.