Bei vielen Menschen läuft gerade die Nase oder der Hals kratzt. Wie man sein Immunsystem mit Pflanzen steigern kann und was sonst noch gut tut, verrät eine Heilpraktikerin.
Wenn die Tage kürzer werden und die Temperaturen sinken, beginnt für viele die Zeit von Husten, Schnupfen und Heiserkeit. Doch statt gleich zur Tablette zu greifen, lohnt sich ein Blick in die Natur. Die Naturheilpraktikerin und Kräuterpädagogin Barbara Dürrwang aus Ehningen weiß, welche Schätze im Wald und auf Wiesen wachsen – und wie sie unser Immunsystem auf natürliche Weise stärken können.
Viele Heilpflanzen wachsen direkt vor unserer Haustür – man muss sie nur erkennen und richtig anwenden, weiß Dürrwang. Schon von Kindesbeinen an war sie mit ihren Eltern im Wald und auf Wiesen unterwegs und hat Kräuter und Pilze gesammelt. „In der Natur werde ich ruhig und kann abschalten“, sagt die Ehningerin, die nach über 20 Jahren im Marketing eines großen IT-Konzerns einen neuen Weg eingeschlagen hat und sich zur Heilpraktikerin hat ausbilden lassen.
Superfood: Die Brennnessel ist ein echtes Kraftpaket
„Im Schönbuch gibt es eine sehr reiche Flora“, weiß die Kräuterpädagogin, die dort sehr viel unterwegs ist. Hier wachsen nicht nur seltene Orchideen, sondern auch viele hochwirksame Pflanzen wie Löwenzahn, Brennnessel, Wegeriche und Schafgarbe. „Die Natur gibt uns zu jeder Jahreszeit immer das, was wir brauchen. Im Herbst beispielsweise Wildobst wie die Hagebutte, die voller Vitamin C und Antioxidantien ist. Eine echte Vitamin C-Bombe erhält man, wenn man zwei Esslöffel getrocknete Hagebuttenschalen – aus der Apotheke oder selbst gesammelt – mit 250 Milliliter heißem Wasser übergießt und zehn Minuten ziehen lässt“, erklärt sie ein einfaches Rezept für ein starkes Immunsystem. „Auch Haselnüsse liefern gesunde Fette und in Brennnesselsamen ist einfach alles drinnen“, erklärt die Naturliebhaberin. Auch wenn es aktuell nicht mehr so viele Kräuter auf den Wiesen zum Sammeln gibt, hat sie trotzdem einen Tipp:„Derzeit findet man noch Brennnesselsamen. Sie sind ein echtes Kraftpaket und können uns in der Infektzeit besonders gut schützen.“
Brennnesselsamen galten schon in der Klosterheilkunde als Stärkungsmittel. Sie enthalten viel Eiweiß und liefern dem Körper Bausteine, die er für Abwehrzellen braucht. Dazu sind sie reich an Eisen, Magnesium, Kalium und Zink. „Schon ein Teelöffel der Samen pro Tag im Müsli genügt“, sagt die Heilpraktikerin, die eine Praxis in Sindelfingen hat.
Seit Jahrhunderten bewährt bei Erkältungen: Holunder
Eine Wildfrucht, die zu dieser Jahreszeit nicht mehr zu finden ist, aber seit Jahrhunderten zu den wichtigsten Heilpflanzen bei Erkältungen und Infekten gehört, ist der Holunder. „Tee aus den Blüten und Saft aus den Beeren wirken unterschiedlich, ergänzen sich aber prima“, weiß Dürrwang. Holunderblütentee ist immunaktivierend, löst Husten und stärkt die Schleimhäute. Holundersaft aus den Beeren hingegen hat eine antivirale Wirkung. „Studien zeigen, dass Holunderextrakte die Vermehrung bestimmter Erkältungs- und Grippeviren hemmen können. Dazu ist er reich an Vitamin C und Antioxidantien“, weiß die Heilpraktikerin.
Einen besonders leicht in den Alltag zu integrierenden Tipp hat sie auch parat: „Wenn man ätherische Öle auf einen Schal oder Halstuch gibt, entsteht eine kleine Duftwolke direkt im Atembereich“, sagt Dürrwang. Zum einen enthielten viele ätherische Öle wie beispielsweise Lavendel und Thymian Inhaltsstoffe mit antibakterieller und antiviraler Wirkung. Beim Einatmen gelangten winzige Duftmoleküle in die Atemwege und könnten dort Keime hemmen. Zudem regten die ätherischen Moleküle die Durchblutung an und könnten die Schleimhäute feucht und widerstandsfähig halten.
Senkt den Stress nachweislich: Waldbaden
Neben der richtigen Auswahl von Pflanzen, Beeren und Kräutern ist es aber auch wichtig, das Immunsystem ganzheitlich zu unterstützen. Dazu gehören eine ausgewogenen Ernährung, ausreichend Schlaf und Bewegung an der frischen Luft. Barbara Dürrwang verrät ihren Lieblingstipp: „Ein Spaziergang im Wald egal bei welchem Wetter.“ Die frische Luft härtet ab und der Wald hilft, Stress abzubauen. Kombiniert mit Achtsamkeitsübungen ist daraus ein regelrechter Trend geworden: das Waldbaden, das ihn Japan sogar auf Rezept verschrieben wird. Schon 15 Minuten Spazierengehen im Wald reduziert das Stressempfinden, senkt den Blutdruck, die Herzfrequenz und vermindert Stresshormone im Blut.
Barbara Dürrwang möchte mit ihrer Arbeit zeigen, dass das, was uns die Natur bietet, auch heute noch relevant ist. „Man muss ja nicht gleich zum Almöhi mutieren, ein paar Kleinigkeiten können auch schon ganz viel bewirken“, sagt sie. „Die Natur ist einfach unsere beste Apotheke. Sie ist für jedermann zugänglich und sie kostet nichts,“ ist sie der Überzeugung.